Die Tageszeitung muss sich, wird sich verändern - sehr viel mehr, als die Konkurrenz von Rundfunk und Fernsehen sie verändert hat. Der Inhalt der Zeitung wird ein anderer sein, als man es bisher gewohnt war, aber sie wird immer noch und erst recht Zeitung sein: Und die Texte, die dort stehen, werden Nachrichten im Ursinne sein - Texte zum Sich-danach-Richten. Das gibt es nicht umsonst, das kostet. Mit einem Journalismus, der verdummt, kann man das nicht leisten. Ein Billigjournalismus ist ein Journalismus zum Wegwerfen, nicht zum Lesen. Wenn sich eine Zeitung an Anzeigenblättern orientiert, ist sie keine Zeitung mehr, sondern eben ein Anzeigenblatt.
Zeitung und Internet: Die bloße Beschwörung des Rieplschen Gesetzes hilft nichts. Es lautet kurz gefasst so: Kein neues Medium substituiert ein altes. Dieser Satz ist der große Hoffnungssatz der Zeitungsverleger. Wolfgang Riepl, der jahrzehntelang Chefredakteur der Nürnberger Zeitung war, entwickelte ihn 1913 in seiner Dissertation: Es ergebe "sich gewissermaßen als ein Grundgesetz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, daß die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur daß sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen." Das hat sich bisher tatsächlich so bewahrheitet.
Ein Versäumnis: Informationsquellen exklusiv gewinnen
Auch bei Nutzung aller Finessen - die Zeitungsnachricht folgt dem Ereignis bestenfalls so wie der Donner dem Blitz. Weil das so ist, und weil die Konkurrenz die womöglich teuer recherchierte Nachricht mit wenig Zeitverzögerung übernehmen kann, haben Zeitungen in der Vergangenheit immer wieder versucht, Informationsquellen exklusiv zu gewinnen, sie also zu monopolisieren.
Als das Luftschiff Graf Zeppelin 1928 nach Amerika flog, sicherten sich die Verlage Scherl und Ullstein sowie die Frankfurter Zeitung die "europäischen Rechte der Berichterstattung" durch einen Exklusivvertrag. Die Funkberichterstattung von Bord aus wurde ausschließlich den Vertragsunternehmen überlassen, die übrigen Mitfahrer, Mannschaft und Passagiere, zum Schweigen verpflichtet, Meldungen über den Standort des Schiffs an die Nicht-Vertragspresse verweigert.
Jegliches zwischen Start und Landung liegende Ereignis wurde so zur Exklusivinformation der vertragsschließenden Verlage. Pikant war das Vorgehen des Luftschiffbauers Zeppelin deswegen, da die gesamte deutsche Presse durch Aufrufe zu einer "Zeppelin-Spende" maßgeblich zum Bau des Luftschiffs beigetragen hatte. Nachhaltige Pressepropaganda hatte die Fahrt des Luftschiffs zu einer Angelegenheit nationaler Ehre erhoben und das Bedürfnis des Publikums nach Information erheblich gesteigert. Umso empfindlicher traf die Presse das "Zeppelin-Nachrichtenmonopol".
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