Von Gustav Seibt

Es war das Geständnis einer Schnecke. Doch was Günter Grass enthüllt hat, die Mitgliedschaft in der Waffen-SS als Siebzehnjähriger in den letzten Kriegsmonaten, befördert kaum mehr als den Nachgeschmack von Eitelkeit.

Grass Waffen SS Debatte

Nobelpreisträger Günter Grass im Juni 1997 vor seinem Haus in Lübeck, das mit Hakenkreuzen beschmiert worden war. Foto: AP

Günter Grass wurde als knapp Siebzehnjähriger im Spätsommer 1944 einberufen, im darauf folgenden Herbst und Winter zum Panzerschützen ausgebildet, und er war im März und April 1945 an Rückzugsgefechten der deutschen Armee in der Lausitz beteiligt, bevor er am 20. April verwundet wurde und bald danach in amerikanische Gefangenschaft geriet.

Das ist in trockenen Worten die Neuigkeit, die das spektakulär inszenierte ¸¸Geständnis" von Grass am Wochenende in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gebracht hat. Die Einzelheiten, soweit sie Grass seiner erklärtermaßen lückenhaften und teilweise sogar verwirrten Erinnerung entnehmen konnte, stehen in seinem autobiografischen Buch ¸¸Beim Häuten der Zwiebel", das am 1. September erscheinen wird und vom Leben des Schriftstellers zwischen dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Erscheinen der ¸¸Blechtrommel" erzählt.

Den Schock löst das Wort ¸¸Waffen-SS" aus. Diese seit 1933 bestehende Truppe gehörte ursprünglich nicht zur Wehrmacht, sondern bildete eine durch extreme Härte und Rücksichtslosigkeit ausgezeichnete Einheit der nationalsozialistischen Partei, die das Standardwerk von Bernd Wegner als ¸¸Hitlers politische Soldaten" bezeichnet. Die Liste der Verbrechen, vor allem Untaten in den KZ und den Vernichtungslagern, nicht zuletzt auch Kriegsverbrechen bei der sogenannten ¸¸Partisanenbekämpfung" ist lang und grauenvoll: Die Massaker von Oradour sur Glane oder Sant"Anna di Stazzema, bei denen ganze Ortschaften samt Greisen und Säuglingen hingeschlachtet wurden, sind von Panzer-Divisionen der Waffen-SS begangen worden. Beide gehören in den Sommer 1944, in jene Wochen, in denen Grass, kurz vor dem siebzehnten Geburtstag (16. Oktober), seinen Einberufungsbefehl erhielt.

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