Von Bernd Graff

Neues aus dem Land der bayerischen Bärentöter: Der dortige Minister für Wirtschaft fürchtet ein Land von Kleinwagenbesitzern - und ignoriert völlig, dass selbst Kleinwagen in diesem Land nur im Stau stehen.

 
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Der Herr Huber aus Bayern, die „Bild“-Zeitung und deutsche Kleinwagenbesitzer. Da kommt wahrlich Einiges an einem Tag zusammen, aber es haben sich die Richtigen gefunden: ein Stelldichein der schnell Empörten. Und nun müssen wir uns den Deutschen als degradierten Kleinwagenbesitzer vorstellen.

Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber also, ein Mann aus dem Land der Bärentöter, der sich von Berufs wegen Sorgen um das Wohl seiner heimatlichen Auto-Industrie in Ingolstadt (Audi) und München (BMW) zu machen hat, „warnt“, wie es immer unnachahmlich im Agenturjargon heißt, vor den Folgen der EU-Abgas-Beschlüsse. Und zwar „für die deutsche Automobil-Industrie und die Autofahrer“. Die Deutschen, so der Minister, „dürfen von Brüssel nicht zu einem Volk von Kleinwagenfahrern degradiert werden“.

Diese Sorge treibt den Minister in der „Bild“-Zeitung um, die nur deswegen nicht das Zentralorgan der Kleinwagenbesitzer ist, weil es hierzulande schon die „ADAC-Motorwelt“-Postille gibt, die uns monatlich mit abseitigen Details aus dem Hubraum-Paralleluniversum versorgt.

Nun geht es bei vorliegender Sturmwarnung, besser „Lüftchen“-Warnung des Herrn Huber, aber nicht ums wirklich Eingemachte: Es geht also nicht darum, den Deutschen das Lieblingsspielzeug gewissermaßen unter dem selbst gehäkelten Schalensitz-Schonbezug wegzuziehen und auf immer in die Garagen zu verbannen. Es geht vielmehr darum, die Deutschen vor Degradierung zu bewahren. Und die droht laut Huber, wenn man das Volk zwar mobil und frei fahrend bürgerlich belässt, aber in mutmaßlich zu kleinen Autos.

Womit der Minister nun aber ganz ungeniert und unverblümt den Kontext von Krieg und Militär für den bundesdeutschen Straßenverkehr aufreißt - und alle, die schon einmal auf bundesdeutschen Straßen als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs waren, werden dem Herrn Huber für diese ministeriale Offenheit dankbar sein. Wiegesagt: Bärentöter haben solche Archaik auch gewissermaßen im Blut. Beweist sie doch, dass selbst die uralten Begriffe vom „Ritter“ oder „Kavalier der Landstraße“ immer schon etymologisch korrekt, also militärisch zu verstehen waren: So wird aus dem Kavalier wieder der „Chevalier“, der förmlich höfliche, berittene Landser. Verkehr ist Krieg in Autos, heißt das, und die Deutschen wagen sich in die Fährnisse dieses Bürger-Krieges wohl am besten in großvolumigen Wohnzimmerpanzern, in denen möglichst viel warme Luft spazieren gefahren wird.

Nun kann man sich leicht ausmalen, dass die verkehrspolitische Idiotie des „größer und schöner im Stau“, das die deutschen Ritter alltäglich auf bundesdeutschen Autobahnen erleben; dass die Größe der Karossen rein gar nichts mehr über die Qualität der Mobilität aussagt. Denn man kommt eh nicht mehr weiter. Ob man nun in den quälenden Auto-Lawinen als Groß- oder Kleinwagenbesitzer feststeckt, macht für die faktische Immobilität der Autofahrer keinen Unterschied mehr. Huber also sorgt sich nur ums kränkelnde Ego der Fahrtrieb-Gestauten.

Soviel ist klar: Der Minister, dem wohl schon vor einem Dienst-Lupo graust, schlägt reinen Blech-Alarm. Degradiert muss sich der Teutone als mobiler Sancho Pansa fühlen, wo er doch so gerne als Don Quijote auf Schindmähren gegen Windräder und Solarautos ritte. Voran kommt er aber weder als Knecht noch als Ritter.

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Leserkommentare (27)



10.02.2007 19:34:31

Max Montauk: Die Zeichen der Zeit

Vor sieben Jahren war der grosse Aufbruch ins Informationszeitalter, das sich jedoch nur als Blase erwiesen hat und in der Verkehrswelt keinerlei Spuren hinterlassen hat. Anstatt dass Information durch die Datenautobahn (Lieblingswort der Politiker zu jener Zeit) flitzt und realen Verkehr vermindert, steigt das Verkehrsaufkommen nach wie vor an. Es ist absehbar, dass das Versiegen der fossilen Resourcen und der drohende Klimawandel eine Umkehr erzwingen werden.

Herr Huber erkennt die Zeichen der Zeit nicht, die da heissen, dass es damit vorbei ist, aus dem Vollen zu schoepfen. Fortschritt hiess bisher: groesser, schneller und hoeher. In Zukunft wird Qualitaet ueber Quantitaet gehen muessen, und zwar in allen Lebensbereichen. Im Automobilsektor heisst das: effizient, Hi-Tech, langlebig, insbesondere also: klein, sparsam und langsam (d.h. AB-Richtgeschwindigkeit). Die bayerischen Politiker preisen immer die Innovationskraft ihres Bundeslandes, in der Verkehrspolitik wird aber die Zukunft verschlafen. Das gilt leider auch fuer die SPD, die einstimmig (!) mit der CSU gegen eine Tempolimit gestimmt hat.

An der Aussage Hubers, die an sich eher lustig ist, gibt es einen sehr aergerlichen Beigeschack: Anstatt einzugestehen, dass ein Kleinwagen fuer ihn persoenlich eine Schmach waere, nimmt er den Rest der Deutschen in die Pflicht und stellt sie als ein arrogantes Volk dar, dem nur Grosswagen gut genug sind, waehrend er davon ausgeht, dass die uebrigen 200 Mio Europaeer sich ohnehin mit Kleinwagen begnuegen muessten und deshalb auch nicht degradiert wuerden.


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