Von Christian Kortmann

Die Premiere von "Schmidt & Pocher" war ein planloses Probieren vor Publikum: Harald Schmidt wirkte nachhaltig träge, Oliver Pocher erstarrte in Respekt vor dem großen Partner.

Harald Schmidt, Oliver Pocher und Günther Jauch

Wenig überzeugend: Harald Schmidt, Oliver Pocher und Günther Jauch bei der Premiere von "Schmidt & Pocher" Foto: Klaus Goergen/ARD/ddp

Das hat er ja noch nie gemacht: Jedenfalls ist es nicht erinnerlich, dass sich Harald Schmidt am Ende einer Show für das Dargebotene entschuldigt hätte. Am Schluss der Premiere von "Schmidt & Pocher" am Donnerstagabend sah er sich jedoch genötigt, für die Zukunft Besserung zu geloben.

Irgendwie war das inkonsequent, weil Harald Schmidt und Oliver Pocher von der ersten Minute an so gewirkt hatten, als seien sie fest entschlossen, on air zu proben und den Zuschauer mit einem unfertigen Show-Torso zu konfrontieren. Dass diese Form der Late-Night-Unterhaltung nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte, hatte man schnell gemerkt. Allzu planlos hatten Schmidt und sein neuer Juniorpartner auf der Bühne agiert.

Dabei hatte schon im Vorfeld der Reiz der überraschenden Konstellation "Schmidt & Pocher" für Spannung gesorgt. Lange nicht mehr war eine TV-Show so neugierig erwartet worden: Wie würde Harald Schmidt seine Mannschaft bei der Premiere aufstellen? Personalfragen wie vor einem Fußball-Weltmeisterschafts-Eröffnungsspiel: Komiker Eckart von Hirschhausen und Stargast Günther Jauch würden auflaufen, und der ehemalige Sidekick Manuel Andrack in der Kabine bleiben. Und, so fragten Comedy-Abstinenzler, wer ist dieser Pocher überhaupt?

Die Show begann mit Schmidts länglichem Stand-up-Teil, der an seine Wurzeln im politischen Kabarett erinnerte: "Kaputte Ehen und Prostitution, wir bleiben beim Thema: der SPD-Parteitag." Als sich Pocher dann nach einer Michael-Jackson-Parodie zu ihm an den Schreibtisch mit Knick gesellte, kam die Show nicht in Schwung, sondern zwischendurch beinahe zum Erliegen. Denn die beiden beschränkten sich aufs Nacherzählen ihrer TV-Lieblingsszenen - mehr Konzept gab es nicht, wenn man von dem gespielten Ärzte-Witz mit Eckart von Hirschhausen absieht, der an die Steinzeit des Fernsehens und den Homo Haraldjuhnkiens-Eddiarentus erinnerte.

Über weite Strecken wirkte das richtungslose Geplauder wie "Sieben Tage, sieben Köpfe" zu zweit, immer hübsch medienreflexiv und mit Kurt Beck als Running Gag. Für unsere Post-Eva-Herman-bei-Kerner-Epoche führten Schmidt und Pocher ein nützliches Werkzeug ein, den "Nazometer", der bei Reizwörtern Alarm schlägt. "Ich bin heute auf der Autobahn geblitzt worden", sagte Pocher, und es piepte gleich zweimal.

Trotz solcher Gimmicks wirkte Schmidt nachhaltig träge, nicht gewillt, im Fernsehen Neues zu bieten - seine künstlerische Zukunft sieht er offenbar auf der Theaterbühne. Wie vor der sehr langen Sommerpause setzte er auf Zitate des eigenen Mythos, da konnte sein Juniorpartner nur danebensitzen und staunen. So genügte es Schmidt, ein Foto von Bettina Böttinger in die Kamera zu halten, über die er vor Jahren mal einen berüchtigten Witz gemacht hat, der ihm im WDR bis heute übelgenommen wird.

"Kein Problem, Waldi", warf er Pocher lässig hin, als dieser einen Gag versemmelt hatte. Um den Witz zu verstehen, musste man wiederum Schmidts Sport-Talkshows mit Waldemar Hartmann kennen. Mit leicht zugänglicher Unterhaltung hat das nur noch bedingt zu tun - es handelt sich vielmehr um Schmunzelabende für den Bildungsschmidtbürger.

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