Von Alexander Menden

Richard Dawkins ist Professor für Evolutionsbiologie und schimpft am liebsten über Religion: Jetzt greift er einen britischen Komiker hart an, weil dieser an Gott glaubt.

Richard Dawkins

Streitlustig: Richard Dawkins. ()

Es ist ein seltsamer Streit, der gerade in England tobt. Auf der einen Seite steht Richard Dawkins, 65 Jahre, Oxford-Professor für Evolutionsbiologie, Autor von "Das egoistische Gen" und "The God Delusion". Auf der anderen Seite Peter Kay, 33, Komiker, Autor von "The Sound of Laughter".

Richard Dawkins hatte Peter Kay für folgenden Satz aus dessen Memoiren attackiert: "Ich glaube an so eine Art Gott, eine Art höheres Wesen. Ich persönlich finde das sehr tröstlich." Dawkins fragte daraufhin: "Wie kann man jemanden ernst nehmen, der an etwas glaubt, weil er es tröstlich findet?" Und fuhr fort: "Entscheidend ist die Wahrheit, und die Wahrheit entdecken wir durch wissenschaftliche Beweise, nicht dadurch, was uns gerade gefällt!"

Richard Dawkins ist in Großbritannien und den USA nicht nur als eloquenter Wissenschaftler und Bestsellerautor bekannt, sondern auch als militanter Atheist. Sein Buch "The God Delusion", das im vergangenen Jahr erschien und in den USA seit 22 Wochen auf der Bestsellerliste steht, ist eine radikale Abrechnung mit den Religionen. Dawkins agitiert darin gegen Islamismus und christlichen Fundamentalismus, die er als Feinde der Wissenschaft und des rationalen Denkens sieht. Weil er den Glauben in seinem Buch jedoch per se in Frage stellt, musste er sich schon gegen heftige Angriffe wehren, die auch aus den eigenen Reihen der Naturwissenschaftler kamen.

Dawkins’ eher unakademischer Angriff auf den beliebten Komiker Peter Kay ist nicht der erste seiner Art. Kürzlich bescheinigte der Professor einer British-Airways-Angestellten, die es abgelehnt hatte, bei der Arbeit ihr Kruzifix abzulegen, "eines der dümmsten Gesichter" zu besitzen, die er "je gesehen habe".

Peter Kay hat sich zu Dawkins’ Angriffen bisher noch nicht geäußert. Vielleicht ist er tatsächlich "zu nett", um selbst anzugreifen, wie manche britischen Kommentatoren vermuten. Möglicherweise liegt Kay auch weniger daran, "ernstgenommen" zu werden, als Dawkins denkt. Vielleicht sieht er aber einfach in Ruhe zu, wie Richard Dawkins mit seinen Tiraden die Chancen der Kay-Autobiografie "The Sound of Laughter" verbessert, den Galaxy British Book Award (GBBA) 2007 zu gewinnen. Die Gewinner des alljährlich vergebenen Literaturpreises werden zur Hälfte von einer Jury, zur anderen Hälfte von der lesenden Öffentlichkeit im Internet gewählt. In der Königskategorie "Buch des Jahres" gilt "The Sound of Laughter" in diesem Jahr als einer der Favoriten. Der Titel des Buches aber, das bisher als heißester Preis-Konkurrent galt, lautet: "The God Delusion."

(SZ v. 10./11.3.2007)

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Leserkommentare (35)



02.04.2009 18:30:16

ochlos:

Was ich mich bei derlei Diskussionen immer wieder frage, ist: Wie kommt es, dass in unseren aufgeklärten liberalen Demokratien die Religion derartig mit Glacehandschuhen angefasst wird?

Wird hier vielleicht die vom GG geschützte Religionsfreiheit missverstanden? Ja niemand darf wegen seiner Religion verfolgt werden und deren Ausübing steht jedem frei, aber das heisst doch nicht gleichzeitig, dass die Religion sakrosankt für den gesellschaftlichen Diskurs wird? Nur weil vermeintlich höhere Dinge Spiel sind? Das was einem Gläubigen heilig ist braucht einem Ungläubigen nicht heilig zu sein. Wann werden wir es endlich schaffen Religion wie jede andere Weltanschauung auch —ich ringe hart hier nicht Ideologie zu schreiben— zu behandeln?

Und was noch dazu kommt in diesem Diskurs. Man hat immer das Gefühl als werde die Beweislast umgekehrt. Der Evolutionsbiologe muss die Evolution beweisen, aber der Kreationist braucht die Schöpfung nicht zu beweisen, es genügt wenn er auf Lücken in der Evolutionstheorie verweist. Genauso verlangt niemand vom Gläubigen Gott zu beweisen, aber der Atheist muss sich ständig rechtfertigen. Dabei postuliert doch der Gläubige und der hat sein Postulat dann auch zu beweisen.


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