"Eine phantastische Chance"
Interview zur Zukunft des Journalismus (8)
04.03.2008, 17:17
"Zeitenwechsel" - eine neue Serie zur Zukunft des Journalismus geht Trends in der Presse und im Internet nach. Zusammen mit dem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik bereitet sueddeutsche.de Interviews mit namhaften Experten auf. Alle Interviews sind unter sueddeutsche.de/zeitenwechsel abrufbar.
sueddeutsche.de: Herr Meyer, Sie haben einigen Zeitungsleuten durch Ihren Branchen-Bestseller "The Vanishing Newspaper" ("Die verschwindende Zeitung") einen gehörigen Schrecken eingejagt. Darin schreiben Sie, dass um das Jahr 2040 herum die letzte Zeitung von der Druckwalze läuft. Gibt es einen Grund, warum wir heute überhaupt noch gedruckte Zeitungen brauchen?
Meyer: Es ist doch ganz offensichtlich, dass wir sie für den Übergang ins digitale Zeitalter benötigen. Aber wenn wir mal ganz weit in die Zukunft blicken, kann ich mir durchaus elektronische Produkte vorstellen, die tatsächlich so aussehen und sich anfühlen werden wie die traditionelle Zeitung. Denn wenn ein tägliches Nachrichtenprodukt, das verständlich und unterhaltend ist, auf diese Weise vertrieben werden kann, dann haben wir doch immer noch unsere Zeitungen – mit dem einzigen Unterschied, dass diese nicht mit Druckerschwärze auf Papier bedruckt sind!
sueddeutsche.de: Wie viel Zeit bleibt dann der klassischen Zeitung auf Papier überhaupt noch, und welche Titel werden Ihrer Ansicht nach überleben?
Meyer: Es werden nur diejenigen Zeitungen schaffen, denen es gelingt, ihren "good will" ins Web zu übertragen. Im Grunde ist das eine phantastische Chance für die gute alte Zeitung, denn das Internet ermöglicht es ihnen, die ganzen Kosten für Papier, Tinte und Transport zu umgehen, also Faktoren, die ihr Wachstum derzeit behindern. Diejenigen, die kapieren, wie man stattdessen diese Kosten, die üblicherweise ein Drittel der Gesamtkosten einer Zeitung ausmachen, in inhaltliche Qualität investiert, werden nicht nur überleben, sondern wachsen.
sueddeutsche.de: Bisher waren es ja vor allem die Zeitungen, die im Vergleich zu ihren Online-Ablegern weitaus mehr Ressourcen zur Verfügung hatten. Könnte sich das bald ändern?
Meyer: Das Problem der Verleger ist ein historisches: Ihre Monopolstellung in den meisten ihrer Verbreitungsgebiete hat es ihnen in den vergangenen Jahren ermöglicht, unnatürlich hohe Preise zu verlangen, was ihre Profiterwartungen dementsprechend in die Höhe getrieben hat. Das Internet hat diesen Monopolen jedoch ein Ende bereitet. Anstatt nach neuen Möglichkeiten für Investitionen zu suchen, versuchen die meisten Verleger jetzt, die Kosten zu drücken, was zu einem Qualitätsverfall und weniger Lesern führt – eine Todesspirale!
Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter, wie es möglich wäre, den Qualitätsjournalismus zu erhalten.
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![]() 05.03.2008 18:50:31 oildrum: Die Sz-online sollte manches aus diesem Interview beherzigen! Die teilweise Schließung der Kommentarfunktion ist offensichtlich kontraproduktiv, bei fast allen Konkurrenten läuft das besser! Und die Moral ist bei manchen reinen Werbebeiträgen (die journalistisch verpackt sind) auch unter aller S... ![]() ![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
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