Von Fritz Göttler

Die Wende: Mit der Geschichte des kochwütigen Remy wendet sich der Animationsfilm vom schnellen Trash - zum Genießer-Kino.

Ratatouille

Ratte Remy sucht unermüdlich nach Inspiration für die wahre Haute Cuisine. (Foto: ddp)

Eine fetzige Rattenjagd macht sich immer gut am Anfang, damit bringt man seine Geschichte in Nullkommanichts gehörig auf Touren. In diesem Film sorgt eine unerbittliche Alte dafür, die, aus dem Schlaf geschreckt, überhaupt nicht hysterisch reagiert, sondern zur knallharten Vollstreckerin wird, mit dicken Augengläsern und einer mächtigen Flinte in den Händen, mit der sie ungeschickt aber sehr systematisch, Schuss für Schuss, das eigene Haus zerlegt.

Es ist das klassische Animationsprinzip, das hier fröhliche Urständ feiert, wie es überliefert wurde von Disney, dem jungen vor dem Krieg, von Tex Avery und Chuck Jones und Hanna & Barbara - das besagt, wenn man mal angefangen hat mit seiner Tour, dann wird das durchgezogen bis zum bitteren Ende. Was fast immer die völlige Selbstzerstörung bedeutet.

Das weiße Schaf der Familie


Es wird noch einige andere wilde Jagden geben in diesem Film, ebenso furios orchestriert, ebenso à bout de souffle, immer auf der Seite der verfolgten, der Ratten von Paris und Umgebung - aber irgendwie ist von Anfang an schon jene Melancholie zu spüren, die alle Produkte des Pixar-Studios, unter seinem Chef, dem Gemüts- und Familienmenschen John Lasseter, auszeichnet. Man muss ihn erleben, wie er begeistert von der unglaublichen Wendigkeit der Ratten schwärmt, und von der enormen zeichnerischen Flexibilität, die es braucht, um sie mit der Computeranimation auf die Leinwand zu bringen.

Auslöser für die Rattenjagd war der Perfektionswille von Remy, einer kulinarisch ungewöhnlich kultivierten Ratte, dem weißen Schaf der Familie gewissermaßen. Als er seinem ordinären Bruder Emile ein deliziöses Mahl zubereiten will, auf dem Hausdach, schlägt plötzlich der Blitz ein - und sorgt für angenehmste Schmor-Verfeinerung. Ja, es geht um die Funken der Inspiration in diesem Film, und von der kulinarischen zur allgemein künstlerischen Kreation führt dabei nur ein winziger Schritt.

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Leserkommentare (2)



03.10.2007 18:36:38

Flash62:

Schon gesehen (wohne in Brasilien) unbedigt sehenswert!


1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet





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