Von Marcus Jauer

Das ZDF dokumentiert in einem Dreiteiler die Zukunft Deutschlands. "Aufstand der Alten" ist ein Demographie-Thriller, der uns das Fürchten lehrt.

Bettina Zimmermann als Lena Bach in der ZDF-Produktion "2030 - Aufstand der Alten" Foto: ddp

Im Jahr 2030 werden deutsche Rentner also in geheimen Lagern in Afrika gehalten. Mit Medikamenten betäubt, vegetieren sie vor sich hin, Bett an Bett, in riesigen Hallen, über Schläuche ernährt mit einer Lösung, die sie nicht sterben lässt, nur leben, damit ein verbrecherischer Gesundheitskonzern weiter ihre Einheitsrente einstreichen kann.

Sie beträgt noch 560 Euro im Monat, und wer da nicht selbst vorsorgt, hat sich eben nicht mehr als diese Behandlung verdient.

Erst denkt man: Das ist vielleicht einigermaßen wild erfunden, aber gut, wer weiß denn schon, wie die Zukunft wird, warum also keinen düsteren Spielfilm über sie drehen?

Dann sagt das ZDF: Das ist nicht wild erfunden, sondern herausgefunden, seriös recherchiert ist das. Wer recherchiert, der weiß, wie die Zukunft wird, weshalb er auch keinen düsteren Spielfilm über sie drehen muss, sondern eine Dokumentation.

Da denkt man: Donnerwetter

Dokumentationen gab es ja im Fernsehen bisher vor allem über die Gegenwart, weil man Dinge, die passieren, gleich abfilmen kann. Es gab auch Dokumentationen über die Vergangenheit, wobei allerdings das Problem auftrat, dass man Dinge, die schon passiert sind, nicht mehr abfilmen kann, sondern erst mühsam wieder nachspielen muss.

Dokumentationen über die Zukunft gab es kaum, da sie komplett aus Dingen bestehen, die noch gar nicht passiert sind und die man darum auch nicht abfilmen kann. Man müsste sie im Grunde doch alle - ja, was eigentlich - vorspielen?

Glücklicherweise gehört der demographische Wandel zu den Dingen, die ständig passieren. Wer ihn für Vergangenheit und Gegenwart dokumentieren will, verfügt über Zahlen und Bilder, und im besten Fall bestätigen sie einander. Wer den Wandel aber für die Zukunft dokumentieren will, der hat nur Prognosen, die Bilder muss er erfinden, und im schlechtesten Fall beschädigen sie einander.

In 2030 - Aufstand der Alten stimmt schon der Titel nicht. Es ist gar kein Aufstand, es ist die Aktion eines Einzelnen. An einem Tag des Jahres 2030 marschiert der Rentner Sven Darow in das Büro des Vorstandschefs von Prolife und nimmt ihn als Geisel.

Leben im Luxus

Prolife ist ein Gesundheitskonzern, dem viele Rentner ihre Rente übertragen haben, noch bevor sie sie erhalten. Dafür garantiert ihnen Prolife ein lichtes Leben in einem sonnigen Ressort, in dem sie sich, gekleidet in weiße Gewänder, vorwiegend mit Schwimmen und Bogenschießen beschäftigen werden, während ein Diener das Essen zubereitet, so zumindest geht die Werbung.

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