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"Entschuldigung, ich bin intellektuell"
Jodie Foster im Gespräch
23.09.2007, 9:59
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Jodie Foster ist seit 41 Jahren im Filmgeschäft. Ihre Motivation war nicht, berühmt zu werden - sie musste mithelfen, die fünfköpfige Familie zu ernähren. (Foto: AFP)
Berlin, eine Suite im Adlon. Entweder gibt Jodie Foster eine brillante Performance oder sie hat tatsächlich Lust auf das Interview. Sie sitzt allein an einem großen Tisch und blickt hellwach. Klein ist sie, gerade mal 162 Zentimeter und doch raumfüllend. Das liegt an ihrer tiefen Stimme, die sie schon als zwölfjähriges Mädchen hatte. Sie redet schnell, viel und lacht sehr gerne über sich und die Welt.
SzaW: Miss Foster, wirklich wahr, dass Sie einen Intelligenzquotienten von 140 haben?
Jodie Foster: Erstaunlich, dass das immer wieder über mich zu lesen ist. Ich kenne meinen IQ nicht. Ich habe ihn nie testen lassen!
SzaW: Das Gerücht hält sich genauso hartnäckig wie die Annahme, dass Sie eine intellektuelle Schauspielerin sind. Was immer das auch heißen mag.
Foster: Entschuldigung, aber da muss ich nun widersprechen: Ich bin intellektuell. Oder fällt Ihnen noch eine andere amerikanische Schauspielerin mit einem Yale-Abschluss ein?
SzaW: Da muss ich passen.
Foster: Eigentlich bin ich nur eine gute Rednerin. Ich liebe nichts mehr als einen verbalen Schlagabtausch. Dazu kommt, dass meine Auffassung vom Job anders war als bei vielen anderen. Ich bin nicht mit 25 Jahren Schauspielerin geworden, weil ich gerne im Mittelpunkt stehe, mit einem Lampenschirm auf dem Kopf auf Tischen tanze oder lustige Tierimitationen kann. Ich bin mit drei Jahren Schauspielerin oder sagen wir besser Darstellerin geworden. Und zwar weil ich so zum Unterhalt meiner Familie beitragen konnte.
SzaW: Geld verdienen war also Ansporn?
Foster: Ich hatte ziemlich früh Verpflichtungen. Meine Mutter war alleinerziehend mit vier Kindern. Wir alle haben mitgeholfen, mein Bruder Buddy hat auch gedreht, eine meiner Schwestern hat uns zu den Castings gefahren, die andere mit uns Text gelernt. Wir waren lange Zeit ein Familienunternehmen, in das ich reingeschlittert bin. Aber ich will Sie nicht langweilen. Wenn Sie nur halbwegs gut vorbereitet sind, kennen Sie die "Coppertone"-Geschichte sowieso, oder?
SzaW: Klar, aber nicht aus Ihrem Mund.
Foster: Damals hat meine Mutter mich zu einem Werbespot für die Sonnencreme "Coppertone" mitgenommen. Eigentlich sollte mein Bruder Buddy den Job bekommen, und dann bekam ich ihn.
SzaW: Gab es damals Neid bei Ihrem Bruder?
Foster: Nein, der war froh, dass er sich nicht vor die Kamera stellen musste. Damals wollte man doch nur das Eis, das es nach dem Dreh gab.
SzaW: Wie waren Sie denn so als Kind?
Foster: Anders als die anderen. Irritierend ernst. Das klingt dramatisch, aber es war so. Ich war ein verdammter Streber. Sehr reserviert, kontrolliert und fleißig. Ich habe immer gearbeitet. Allerdings kann ich mich nicht mehr an die Details erinnern: Mit wem habe ich gedreht? Worum ging es? Keine Ahnung! Wenn man es genau nimmt, bin ich jetzt 41 Jahre berufstätig.
SzaW: Sie könnten bald in Rente gehen, oder?
Foster: Bin ich ja schon halb, indem ich nur noch alle drei, vier Jahre einen Film mache. Ich kann mich jetzt so zurücklehnen, weil ich seit jeher einen irren Vorsprung habe. Ich hatte eine imaginäre to-do-Liste im Kopf, und ich war auch lange von der Angst getrieben, dass meine Familie wieder arm sein könnte. Ich meine, Schauspieler zu sein ist nicht gerade die sichere Bank. Deswegen wollte ich auch unbedingt einen Universitätsabschluss.
SzaW: Stand auf der to-do-Liste auch Ihr erster Oscar für die Rolle der Sarah Tobias in "Angeklagt"?
Foster: Der hat mich mit 27 Jahren kalt erwischt. Als ich den Film das erste Mal nach dem Dreh sah, mochte ich mich überhaupt nicht. Ich fand mich schrill, aufgesetzt und nicht besonders gut.
SzaW: Bei welchem Film haben Sie das meiste über Ihren Beruf gelernt?
Foster: Bei den Dreharbeiten zu "Taxi Driver" ist bei mir das Licht angegangen. Angeknipst hat es Robert de Niro. Dabei hatte ich damals schon mehr Filme als er gedreht. Nur dachte ich meistens: was für ein dummer Job. Du lernst ein paar Zeilen auswendig, die andere Leute aufgeschrieben haben, stellst dich ans Set und sagst sie so natürlich wie möglich auf. Fertig. Wenn du groß bist, verdienst du dein Geld nicht mehr mit so einem Schwachsinn.
SzaW: Und dann?
Foster: Wurde ich also zwölf Jahre alt, Scorsese suchte mich für die Rolle der Prostituierten Iris aus, und ich sollte mit Robert de Niro proben. Das sah dann so aus, dass wir mehrere Male hintereinander zusammen in einem "Diner" saßen. Das Problem war: Robert de Niro redet nicht. Er hasst nichts mehr als Chit-Chat. Merkwürdige Treffen waren das. Wir saßen da, tranken Coca-Cola und gingen immer wieder unseren Dialog durch. Beim dritten Treffen, als ich kurz davor war auszuflippen, weil ich meinen Text doch schon lange intus hatte, fing de Niro plötzlich an zu improvisieren. Er fragte Iris, warum sie so gerne Rosé trägt und wie sie sich in der Nacht fühlte, als sie bei ihren Eltern ausbüxte. Das alles stand nicht im Drehbuch, ich musste mir also eine Vergangenheit für Iris einfallen lassen. Plötzlich kapierte ich, dass es an mir war, einen komplexen Charakter zu entwickeln. Ich war keine Marionette. Ich musste denken! Wie stimulierend!
SzaW: Demnach haben Sie Robert de Niro einiges zu verdanken.
Foster: Nun ja, früher oder später wäre ich wohl auch alleine darauf gekommen. Aber er hat den Prozess in Gang gebracht. Wenn ich ihn heute zufällig treffe, fragt er jedes Mal: Jodie, wie geht es deiner Mutter?
SzaW: Wie reizend. Und, wie geht es ihr?
Foster: Ihr geht es gut. Sie kämpft gerade mit diesem oder jenem Wehwehchen. Er bringt mich mit der Frage jedes Mal zum Lachen, weil er mir jedes Mal suggeriert, dass ich für ihn ein Teenager geblieben bin. Hello, Bobby, ich bin 44 Jahre alt!
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Jodie Foster die meisten Schauspielkollegen merkwürdig findet.
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![]() 24.09.2007 10:01:29 szl3636: @emew, Warum bei uns Ehrgeiz verpönt ist. Das ist ja die interessantere Frage, daß Ehrgeiz gut ist, muß man ja eigentlich nicht weiter betonen. Es geht hier um Bewunderung, Verehrung, Nachahmung. Ohne diese Dinge wird Ehrgeiz in einer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert besitzen können. Also, nicht Ehrgeiz ist anrüchig hier, sondern diese drei und ohne diese drei fehlt die Ehrgeiz angemessene soziale Dynamik. ![]()
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