"Danke, dass Ihr gewartet habt!"

    Barbra Streisand in Berlin

    01.07.2007, 17:19

    Seit 47 Jahren gibt sie Konzerte, nur nach Deutschland kam sie nie. Nun ist Barbra Streisand in Berlin aufgetreten. Die Diva schwärmte von der Hauptstadt - und von Döner und Currywurst.

     
    mehr zum Thema

    Barbra Streisand auf Welttournee
    "Honey, it's my first!"weiter
     
    Einnahmequelle Live-Konzert
    Ansturm der Alt-Rockerweiter
     

     

    Sie hat sich lange Zeit gelassen, aber die Fans sind ihr dennoch treu geblieben. Erstmals in ihrer 47-jährigen Karriere trat US-Sängerin Barbra Streisand am Samstagabend in Deutschland auf. "Danke, dass Ihr auf mich gewartet habt", rief die 65-jährige Diva dem begeisterten Publikum in der fast ausverkauften Berliner Waldbühne zu. "Ich kann gar nicht glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich hierher gekommen bin. Es war wirklich Zeit."

    Fast allerdings wäre Streisand zu spät gekommen: "Berlin ist eine Stadt voller Kultur, Schönheit und Desserts!“, schwärmte sie ihren 18.000 Fans in der Freilicht-Arena vor. Pfannkuchen, Bouletten und natürlich die berühmte Currywurst habe sie unbedingt probieren müssen. Für einen Spaziergang im historischen Zentrum der Hauptstadt reichte die Zeit dann nicht mehr.

    Küsschen für Hündchen

    Damit die "süße Barbra“, nach der Show gleich weiter deutsches Naschwerk probieren kann, überreichte ihr ihr mitgereister Ehemann James Brolin am Ende eine große Torte. An diesem Sonntag, am 1. Juli, sei nämlich ihr „Geburtstag“, sagte die Künstlerin und meinte damit offenbar ihren 9. Hochzeitstag mit dem US-Schauspieler. Auch ihren kleinen, weißen Hund - "mein haariges Kind“ - holte sie noch auf die Bühne, wo das Tier der Sängerin feuchte Küsschen gab.

    Rahmen
    Bildstrecke Barbra Streisand in Berlin Rahmen
    Streisand, dpa Streisand, dpa Streisand, dpa Streisand-Karten, AP
    Rahmen

    Vorher bot Streisand aber alles, was ihre sensationelle Karriere ausmacht: Swing, Big Band und Filmmusik, Musical- und Broadwaysongs. Die Stimme etwas dunkler als früher, aber immer noch voller Strahlkraft zog Streisand die Zuhörer in ihren Bann. Viele hingen förmlich an ihren Lippen, als sie Lieder aus dem Film- und Broadway-Erfolg „Funny Girl“ anstimmte, für den sie 1968 einen Oscar erhielt. "Funny Girl“ wird immer ein bedeutender Teil meines Lebens sein“, sagte Streisand, die sich in tief ausgeschnittener schwarzer Robe zeitlos elegant zeigte.

    Erste Pause nach zwanzig Minuten

    Bei "People“, "Somewhere" oder "The Way We Were" schwelgte das Publikum in großen Gefühlen, die Streisand meisterhaft hervorlockte - ohne je in Kitsch abzugleiten. "Papa, Can You Hear Me“ aus ihrem Film "Yentl" widmete sie ihrem früh verstorbenen Vater und allen Vätern der Welt. "Ihr wisst ja schon bevor ich anfange, was ich singen werde", meinte Streisand berührt, als die aus ganz Deutschland angereisten Fans schon bei den ersten Takten mitgingen. Für opulenten Sound sorgte das 58-köpfige Orchester, das Streisand begleitete.

     
    Video abspielen...
    Video abspielen...Großen Videoplayer öffnen...(Flash Player 8 erforderlich)

    Wie es nur einem ganz großen Star gebührt, machte sich Streisand immer wieder rar. Bereits nach gut 20 Minuten zog sie sich zu einer längeren Umkleidepause zurück, in der ihre vier Background-Sänger das Publikum unterhielten. Dass sie nicht mehr die Allerjüngste ist, damit kokettierte die Sängerin - packte zum Beispiel die Brille aus, bevor sie sich an den Flügel setzte.

    Streisand hat mehr Platten als die Beatles verkauft und ist doch ein meist ö ffentlichkeitsscheuer, in seinem Engagement für die US-Demokraten allerdings vehement politisch argumentierender Star. Nach zwölfjähriger Tourneepause gab die gebürtige New Yorkerin im Herbst 2006 erstmals wieder Konzerte in den USA. In Zürich startete vor zwei Wochen dann ihre erste Europatournee. Lediglich in London trat die nach eigener Aussage von Lampenfieber geplagte Sängerin in den Neunziger Jahren einmal auf.

    Karriere begann auf dem Broadway

    Streisands Karriere begann in den 60er Jahren in Nachtclubs und Broadway-Revuen. In ärmlichen jüdisch-orthodoxen Verhältnissen in Brooklyn aufgewachsen, riet ihre Mutter dem Mädchen mit der großen Nase angeblich von einer Bühnenkarriere ab. Doch bereits für ihr erstes Album erhielt Streisand 1963 mehrere Grammys.

    Das Berliner Konzert war auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes: Streisand, die laut Gerüchten wegen des Holocausts nie in Deutschland gastieren wollte, sang nun ausgerechnet in der von den Nazis anlässlich der Olympischen Spiele 1936 erbauten Freilichtbühne.

    Anders als in Italien gab es in Deutschland nur milde Kritik an den extrem hohen Kartenpreisen - zwischen 114 und 555 Euro - für die Show. Ihr ursprünglich geplantes Auftaktkonzert in Rom wurde nach Protesten abgesagt und nach Zürich verlegt.

    Weitere Konzerte gibt Streisand in Stockholm (4. Juli), Manchester (10. Juli), Dublin (14. Juli) und London (18./22./25. Juli).

    (dpa/Elke Vogel)

    Weitere Artikel in Kultur

    Leserkommentare (7)



    02.07.2007 10:44:49

    toerg: niveau???

    irgendwie erwarte ich von lesern der süddeutschen doch etwas mehr niveau.. ein kommentar erscheint sowieso nur sinnvoll, von jemandem der auf dem konzert war oder zumindest ein wenig wissen über barbra streisand besitzt.

    ein befreundeteter musiker, der auf dem konzert war, kam jedenfalls begeistert aus berlin zurück. über currywurst und döner hat er allerdings nichts erzählt, ich vermute daher mal, dass es auf dem konzert wohl auch andere höhepunkte gegeben hat;-)


    1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet




    vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 ältere Kommentare nächste Kommentare

    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    Das Leben der Anderen
    Internetvideos in der Kritik.
    louvre des lachens funny pictures
    Wir sind viel im Netz unterwegs und sammeln nur die witzigsten Bilder ein. Willkommen im Louvre des Lachens.
    Freibild für alle Gefundene Fotos
    Menschen stellen Fotos ins Netz, ohne zu verraten, was darauf zu sehen ist. Sagen Sie es uns!
    die fibel der faxen
    Die besten Tipps, um Ihre Mitmenschen in den Wahnsinn zu treiben.
    witze männer
    Das Gegenteil von Altherrenhumor: die besten Männerwitze.
    SZ Photo
    Weblogs
    Das Weblog als öffentliches Tagebuch im Internet wird immer populärer: 50 Millionen Blogs gibt es auf der Welt. Sie sind ein Portal zur freien Meinungsäußerung, Frustventil, Meinungsmacher und zunehmend auch Werbe-Plattform. mehr...

    ANZEIGE

    Süddeutsche Zeitung Shop
    ANZEIGE
    Wie das Internet die Presse revolutioniert. Hier im SZ Shop bestellen.