Tobias Kniebe

Der Münchner Amtsleiter Wilhelm Hoegner ist einer der letzten lebenden Rebellen. Glauben Sie nicht? Dann fragen Sie mal Bill Gates!

Haircut á la Tux - Nein, rechts das ist nicht der Schädel von Herrn Hoegner, sondern der von einem Linux-Enthusiasten, der sich sein Linux-Maskottchen gleich in die Mähne hat einrasieren lassen. ()

Wilhelm Hoegner würde vieles, was jetzt kommt, so nicht sagen.

Er würde sich selbst nicht in den Vordergrund stellen, er würde darauf beharren, dass es in seinem Leben um sachliche Verwaltungsangelegenheiten geht und auch gehen muss, wo kämen wir sonst hin.

Für die Stadt München und ihre Bürger erledigt er einen Job, nicht mehr und nicht weniger. Dieser Job heißt „Amtsleiter für Informations- und Datenverarbeitung“. Wenn er das ausspricht, kommt sofort eine nüchterne Stimmung auf, und in solchen Momenten grinst er, nach dem Motto: Da sehen Sie’s.


» Sehr viele Städte, Verwaltungen und Firmen träumen heimlich oder ganz offen davon, von diesen teuren Programmen loszukommen. «

So hat er es schon immer geschafft, Rummel um seine Person zu vermeiden. Irgendwann jedoch müssen die Dinge beim Namen genannt werden. Also: Wilhelm Hoegner ist ein Visionär und ein Rebell. Genau wie sein Großvater, der ebenfalls Wilhelm Hoegner hieß, bereits ein Visionär und Rebell war und später dann sogar bayerischer Ministerpräsident.

Wilhelm der Jüngere, 53, ist der Mann, der die Programme der Firma Microsoft aus München verbannt. Genauer gesagt von den Computern der städtischen Beamten und Angestellten, das sind 14000 Rechner, immerhin. Nachdem der Stadtrat im Sommer die endgültige Umstellung beschlossen hat, setzt Hoegner diesen Plan Schritt für Schritt in die Tat um.

Sehr schnell geht das nicht, und es ist auch schon eineinhalb Jahre her, dass die Stadt ihren Willen zum Wechsel verkündet hat.

Damals ging die Nachricht um die Welt: weil Microsoft schon ewig und noch immer ein gefürchteter Monopolist ist; weil das Vermögen von Bill Gates nach wie vor den Staatshaushalt vieler Entwicklungsländer übersteigt; weil die Büroangestellten der Stadt München, genau wie wir alle, sich ein Leben ohne Microsoft Word, Powerpoint und Excel bisher kaum vorstellen können; weil sehr viele Städte, Verwaltungen und Firmen heimlich oder ganz offen davon träumen, von diesen teuren Programmen loszukommen und damit auch vom allgegenwärtigen, wenig geliebten Windows-Betriebssystem; weil sie andererseits aber fürchten, dass dann Chaos, Verderben, Mord und Totschlag in ihren Büros ausbrechen werden.

Auch dieser Absatz wird, Schande aber auch, gerade jetzt in Microsoft Word geschrieben.

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