13. Februar 2014, 10:41 "Madame empfiehlt sich" im Kino Ein Königinnenreich für eine Zigarette

Ein Feelgood-Roadmovie voller Tabaksehnsucht hat Regisseurin Emanuelle Bercot der Schauspiel-Diva Catherine Deneuve mit "Madame empfiehlt sich" auf den Leib geschrieben. Seicht wird es dabei nie.

Von David Steinitz

"Ich hab' mir letzte Nacht vorgestellt, wie gut du wohl ausgesehen hast, als du jung warst", erklärt der deutlich jüngere Mann fröhlich der verkaterten älteren Frau am Morgen nach dem One Night Stand, und drückt ihr einen der beiden Kaffeebecher in die Hand, die er in der Motelbar geholt hat.

Vor solchen Prachtexemplaren der Männlichkeit war die Restaurantbesitzerin Bettie (Catherine Deneuve) eigentlich einst ins französische Hinterland geflohen. Ihr Freund hat sie für eine Andere sitzen lassen. Außerdem steht ihr bretonisches Fischlokal kurz vor der Pleite, und ihre neurotische Mutter mischt sich permanent in ihr Leben ein, während ihre eigene Tochter überhaupt nicht mehr mit ihr spricht. Bettie beschließt, dass es Zeit ist, wieder mit dem Rauchen anzufangen, hat inmitten des Mittagsbetriebs Bouillabaisse und Steinbutt stehen lassen und sich in ihr Auto gesetzt, um Zigaretten zu holen. Das ist in der französischen Provinz gar nicht so einfach.

Mit "Madame empfiehlt sich" verneigt sich die französische Regisseurin Emmanuelle Bercot vor ihrer großen Leinwandheldin Catherine Deneuve, indem sie ihr eine wuselige Komödie übers Älterwerden auf den Leib geschrieben hat. Der Film lief im vergangenen Jahr im Wettbewerb der Berlinale und kommt nun, ein paar Monate nach Deneuves 70. Geburtstag in die Kinos. Weil Madame aber immer noch blendend aussieht - im Film spielt sie eine ehemalige Miss Bretagne - ist die Hauptfigur Bettie erst um die sechzig. Es macht jedenfalls großen Spaß zuzusehen, wie Emmanuelle Bercot gemeinsam mit Deneuve mit einer großen Leichtigkeit aufs Feelgood-Movie zusteuert, ohne seicht zu werden.

Allerlei skurrile Figuren

Weil man manchmal einfach fliehen muss, fährt Bettie immer weiter, ein Roadmovie voller Tabaksehnsucht. Dass man die im Frankreich von heute nicht mehr so lustvoll ausleben kann wie zu den Zeiten, als die junge Deneuve ihren großen Durchbruch hatte, karikiert Bercot begeistert. Und sie bricht voller Freude mit der somnambulen Unnahbarkeit und Erotik, die Deneuve so oft ausstrahlen musste, für die voyeuristischen Experimente von Roman Polanski oder Luis Buñuel.

Am Anfang trifft Bettie allerlei skurrile Figuren, alle von Laiendarstellern gespielt, in der zweiten Hälfte wird dann ein Familientrip mit Picknick aus "Madame empfiehlt sich". Bettie soll ihren Enkel zu seinem Großvater väterlicherseits zu fahren. Das Tempo und die Richtung ganz sprunghaft zu wechseln ist das Grundprinzip dieses Films, das sich auch im von Bercot kompilierten Soundtrack widerspiegelt: Indie-Geschrummel, Chansons und italienisches Liedgut geben den Beat vor.

Elle s'en va, F 2013 - Regie: Emmanuelle Bercot. Buch: Bercot, Jérôme Tonnerre. Kamera: Guillaume Schiffman. Mit: Catherine Deneuve, Nemo Schiffman. Wild Bunch, 116 Minuten.

Bis in den Tod

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