7. Februar 2013 09:00 "Before Midnight" bei der Berlinale 2013 Schluss mit Schaumermal

Von Fritz Göttler

Ein Mysterium! "Wenn was rauskommt, werden wir drehen, wenn nicht lassen wir es" - nicht nur Ethan Hawke streute lange Verwirrung über eine mögliche Fortsetzung von "Before Sunrise" und "Before Sunset". Nun zeigt die Berlinale "Before Midnight" - die romantische Auseinandersetzung zwischen Jesse und Celine geht weiter.

Na ja, beschied uns Julie Delpy, natürlich denken wir an einen dritten Film und sprechen darüber, aber so schnell wird da nichts daraus, in diesem Jahr sicher nicht mehr . . . Das war im Juni des vorigen Jahres, als die kratzbürstig charmante Filmemacherin Delpy ihre zwei neuen Filme auf dem Münchner Filmfest vorstellte, "2 Tage New York", die Fortsetzung von "2 Tage Paris", und "Skylab", über ein Familienfest mit Hindernissen.

Nun wollten wir noch wissen, ob es denn womöglich einen weiteren Before-Film geben würde, ein drittes Date für Julie und Ethan Hawke, das junge Paar, das sich nur ganz, ganz akzidentiell trifft, unter der Regie von Richard Linklater, einmal für eine Nacht in Wien, 1995, "Before Sunrise", und dann noch einmal für einen Tag in Paris, in "Before Sunset", 2004. Vielleicht war Delpy ein wenig enerviert, weil zu oft schon in diesem Jahr mit dieser Frage konfrontiert, aber ihre Wischiwaschi-Aussage war doch eine knallharte Lüge. Ein halbes Jahr später, im Januar 2013, wurde der Film auf dem Sundance Festival gezeigt, nun läuft er auf der Berlinale, außer Konkurrenz.

Es war ein Bluff, dem auch versierte Blogger nicht viel entgegenzusetzen hatten. Dabei hatte Ethan Hawke Ende 2011 schon mal erklärt, die drei wären im Gespräch und "bereit, die zwei Figuren wieder aufzusuchen". Auch der Zeitpunkt stimmte - neun Jahre lagen zwischen den ersten beiden Filmen, und neun würden es 2013 nach dem zweiten sein.

Im Juni 2012 brach der Schizo-Effekt offen aus, Delpy leugnete weiter, Hawke sprach davon, der Dreh sei nah, und im August wurden die drei im Süden der Peloponnes gesichtet, in Messenia und Kardamily , im Haus des Autors Patrick Leigh Fermor. Inzwischen war Hawke dran mit dem Dementi, ach ja, man bastle an einem möglichen Film, "wenn was rauskommt, werden wir drehen, wenn nicht lassen wir es. Wirklich nicht der Rede wert . . ." Anfang September war Schluss mit der Schaumermal-Taktik. Richard Linklater erklärte, er wolle den Film für ein Festival Anfang 2013 fertigstellen.

Es war ein Bluff, bei dem die Filmemacher sichtlich die Konfusion genossen, die sie zustande brachten. Ein kleiner Triumph in unserer blogkontrollierten Welt, in der alles schnellstens gemeldet und gedeutet werden muss. Ein schöner Anachronismus, der vielleicht nicht unbedingt in den Wettbewerb gehört, aber ganz gut zur Berlinale passt, dem anachronistischen Festival.