SZ: Wie sehen Sie das?
Willis: Ich sehe das so, dass es Amerika zu jeder Sekunde wieder treffen kann. Natürlich.
SZ: Da gehen Sie mit Ihrem Präsidenten also Hand in Hand.
Willis: Da gehe ich, soweit möglich, mit unseren Soldaten Hand in Hand. Ich war im Irak - und ich habe mit den Soldaten geredet, zum Beispiel auch mit denen, die nur noch ein Bein oder einen Arm haben. Das ist bewegend, sehr bewegend, das kann ich Ihnen sagen
SZ: Sind Sie für oder gegen diesen Krieg?
Willis: Ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist, noch lange dort unten zu bleiben. Aber natürlich muss Amerika seine Freiheit verteidigen. Es wird inzwischen oft übersehen, dass wir von Al Khaida aus Afghanistan angegriffen wurden. Es wird übersehen, wie viel Leid Saddam Hussein über den Irak gebracht hat. Keiner will Krieg, oder? Aber diese Soldaten verteidigen Rechte und Freiheiten, auf die wir alle stolz sein sollten. Ich möchte, dass wir die Soldaten nicht vergessen, die da ihren Arsch für uns hinhalten.
SZ: Es gibt die Theorie, dass man möglicherweise mit dem gezielten Einsatz von Geheimdiensten mehr erreicht hätte. Zum Beispiel nicht so viele zivile Opfer.
»Ich habe ja ein simples Weltbild, wie Sie inzwischen bemerkt haben.«
Willis: Mann, wer will zivile Opfer? Wer? Keiner will zivile Opfer! Aber vertrauen Sie etwa den Fähigkeiten unserer Geheimdienste? Reden wir mal nicht mehr über die Soldaten, die das nun ausbaden müssen. Sondern über die Politik und über Ihren Geheimdienstvorschlag: Die CIA hat die Taliban großgemacht, weil sie sie brauchte im Kampf gegen die Sowjetunion! Die CIA hat Saddam Hussein großgemacht, weil sie ihn brauchte im Kampf gegen den Iran! Die CIA hat Verbrecher wie Augusto Pinochet unterstützt, weil sie Panik vor einem kommunistischen Chile hatten! Last not least hat die CIA 9/11 nicht verhindert, obwohl die Möglichkeit klar bestanden hätte. Und denen trauen Sie zu, Osama bin Laden zu finden und die Taliban zu erledigen? Fuck, no! Die Sache sieht so aus: US-Regierungen haben Blut an den Händen, wir haben zu oft die falschen Leute mit Waffen ausgerüstet - und unsere jungen Soldaten da unten müssen auch das jetzt ausbaden.
SZ: Sie haben grundsätzlich kein Vertrauen in die Politik, oder?
Willis: Wer bin ich, dass das von Interesse wäre! Ich bin kein Philosoph. Ich bin bekannt. Das ist alles. Ich nutze, wie mein Freund George Clooney...
SZ: ...der eher als liberal gilt als Sie...
Willis: ...ich bin auch liberal! Ich meine, oft genug habe ich keine konservativen, sondern liberale Ansichten. Oder?
SZ: Hm, okay.
Willis: Jedenfalls nutzen wir von Zeit zu Zeit unsere Bekanntheit. Ich habe das früher nicht gemacht. Ich fand das eitel. Ich fand, als Schauspieler sollte man sich da nicht in den Vordergrund drängen. Aber man ändert seine Meinung, wenn man sieht, dass man Menschen helfen kann.
SZ: Wie helfen Sie beide?
Willis: In Darfur sind kaum Kameras - obwohl wir es mit Völkermord zu tun haben. Also wirbt George Clooney für mehr Aufmerksamkeit. Ich werbe dafür, dass man unsere Veteranen, die aus Afghanistan oder dem Irak zurückkommen, nicht alleine lässt. Jeder vernünftige Mensch weint um tote Zivilisten im Irak. Aber ich habe im Irak Zivilisten getroffen, die in Saddams Folterkellern gesessen hatten. Diese Menschen waren froh, dass er nicht mehr an der Macht ist. Und wir haben schon unsere Veteranen aus den anderen Kriegen nachher alleingelassen. Das ist alles kompliziert, Mann. Es ist nicht einfach.
SZ: Vertrauen Sie Bush? Oder Cheney?
Willis: Zeigen Sie mir einen Politiker, der verhindert, dass sich jährlich Trilliarden von Steuergeldern in Luft auflösen! Zeigen Sie mir einen, der Kindern armer Leute in den USA eine vernünftige Bildung zukommen lässt! In einer Schule ohne Waffen! Theodore Roosevelt hat von 1901 bis 1908, also in acht verdammten Jahren, mehr für das Volk erreicht als alle Präsidenten nach ihm zusammen.
SZ: Was war der letzte Erfolg?
Willis: 1958 haben wir ’was gegen Polio erfunden. Das war nützlich, oder? Aber heute? Wieso sieht man auf den Straßen in den USA keine Verbesserung?
SZ: Ronald Reagan hat den Kommunismus besiegt - sagt man.
Willis: Ach was, Reagan hat gesagt, er will die Mauer weghaben. Wer wollte das nicht. Reagan hat die Sowjets mit seinen Militärausgaben erdrückt. Aber der Kommunismus hat sich selbst besiegt.
SZ: Clinton...
Willis: Oh, nein, nicht auch noch Clinton...
SZ: Also vertrauen Sie keinem?
Willis: Ich habe neulich einem Kumpel gesagt, er soll mich narkotisieren, wenn der Wahlkampf losgeht - und er soll mich wieder wecken, wenn alles vorbei ist. Ich kann die talking heads nicht sehen, mir wird öfter mal schlecht, wenn ich die sehe. Geht es Ihnen nicht so?
SZ: Doch, mir ist auch ständig schlecht.
Willis: Zeigen Sie mir den neuen Roosevelt - und ich werde ihn unterstützen! Egal ob er Republikaner ist, Demokrat oder von der Buddha-Partei. Ich nehme mich dabei aber nicht wichtig, verstehen Sie? Ich habe ja ein simples Weltbild, wie Sie inzwischen bemerkt haben.
SZ: Wir müssen Schluss machen. Jetzt haben wir wenig über "Die Hard" geredet.
Willis: Doch, haben wir. Im Grunde ging’s nur um den Film. Sie werden’s merken, wenn Sie das Band abhören.
SZ: Danke jedenfalls.
Willis: Passen Sie auf sich auf, und Sie haben sich das Wichtigste gemerkt?
SZ: Ich glaube, ja.
Willis: Verschieben Sie nichts auf morgen!
Bruce Willis, 52, wurde in Idar-Oberstein als Sohn eines GI’s und einer Deutschen geboren. Die Familie zog in die USA, als er zwei Jahre alt war. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und lernte Theaterspielen als Therapie gegen das Stottern. Seinen ersten Bühnenerfolg hatte Willis nach vielen Gelegenheitsjobs 1984 in Sam Shepards "Fool For Love", seinen Durchbruch als Kinoschauspieler in Blake Edwards’ "Blind Date". Als Polizist John McClane wurde Bruce Willis ab 1988 in den "Die Hard"-Filmen zum Kassenmagneten - und zum Prototypen einer Generation von auch rhetorisch schlagfertigen Actionstars. In Filmen wie zum Beispiel "Breakfast of Champions", "The Sixth Sense" oder in Terry Gilliams "12 Monkeys" bewies er seitdem, dass er auch als Komödiant oder Charakterdarsteller eine glänzende Figur macht. "Stirb langsam 4.0" läuft am kommenden Donnerstag weltweit in den Kinos an. Bruce Willis lebt seit seiner Trennung von Demi Moore in New York, Los Angeles - und in Idaho, wo er in einer Kleinstadt ein eigenes Theater betreibt und sonst relative Ruhe genießt. Er hat drei Töchter.
(SZaW v. 23./24.6.2007)
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