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Persil – da bloggt man, was man hat
Henkels Persil im Web
30.04.2008, 10:33
Nach eigenen Angaben ist Persil "Deutschlands Waschmittel Nr.1". Mit einem Markenanteil von 37 Prozent bei den Teutonen rotieren Henkels Pulver und Perls in mehr als jeder dritten Wachmaschine.
Kein Wunder, denn seit je her hat man hierzulande das Mittel mit der Metaphysik von Reinheit beworben. Man denke an die "Weiße Dame" aus den 20er Jahren, die Epiphanie von Reinheit: ephemere Nymphe, Luftgeist mit Waschpackung, aber keine Konsumentin.
Persil wurde dann zum Synonym für die Arbeit an der weißen Weste in der alten, damals selber noch jungen BRD - weswegen der Begriff "Persilschein" während der Entnazifizierungsphase schnell die Bedeutung von schnell attestierter Unschuld angenommen hat.
So erinnerte man an auch einen alten Persil-Spot aus dem Kintopp. Dieser Spot ...
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stammt angeblich aus dem Jahr 1938.
Tatsächlich ist das Mittel, dessen Name sich aus Perborat und Silikat zusammensetzt – und nicht an die französische persil, gut riechende Petersilie, erinnern soll – schon über 100 Jahre alt.
Die Persil-Konkurrenz mochte "unermüdliche" oder Riesenwaschkräfte auf langer Leine haben oder eine knuddelige Tante Klementine in Monteurskluft an die Schmutz- und Fleckenfront schicken - Persil schaltete 1956 den allerersten Werbespot im deutschen Fernsehen und ließ zwei Jahrzehnte später den netten Landwirt und adrett gescheitelten Schwiegermütterschwarm, Jan-Gert Hagemeyer, einfach nur sagen, dass Persil Persil bleibe. Was zwar zu den frechsten Tautologien der jüngeren deutschen Werbe-Geschichte gehörte, aber wohl gerade deswegen so ungemein erfolgreich war, weil man zu Waschmitteln auch gar nicht mehr Weisheit ertragen möchte. "Schließlich würde man zur Körperpflege ja auch keine Kernseife benutzen." Eben.
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Schließlich erübrigte sich für die Persiler dann selbst der Versuch jeder weiteren Überzeugungsarbeit, weil die Kundschaft ja ohnehin längst "weiß, was man hat." Das reichte denn für Jahrzehnte: Weitere Werbeauffälligkeiten sind kaum erinnerlich.
Offenbar scheinen für Henkels Weißmittel also alle Schlachten geschlagen – und dann doch wieder nicht: Denn seit Neuestem bloggt das Pulver (http://www.persilblog.de/). Im Internet ist man zwar schon länger vertreten, wenn auch nie, um schmutzige Wäsche zu waschen, sondern um das Ziel-Weiß gewissermaßen mit Pop und Pomp und Waschkultur synästhetisch zu virtualisieren.
| Bildstrecke 100 Jahre Persil | ||||||||||||||
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Das neue Blog allerdings ist – nun ja – ungefähr so schäumend aufgemacht wie eine Flasche stilles No-Name-Mineralwasser aus dem Discount-Markt. Kein Prickeln nirgends. Zwar wird der Blick "hinter die Kulissen des beliebtesten Waschmittels Deutschlands" versprochen. Doch wozu das jetzt? So genau will und wollte man es eben nie wissen. Sonst hätte man sich ja mit der Werbetautologie nie zufrieden gegeben.
Das Überweiß der säubernden Tunkungsart will eben nicht erklärt, diskutiert, befragt – es will geglaubt werden. Weißeralsweißundimmernochweißer soll alles werden, aber nicht plausibel. Weswegen es "das Persil Blogger Team“, die "vielen Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen im Hause Henkel, die alle eins gemeinsam haben: ihre Leidenschaft für Persil" schwer haben dürften, diese ja dann doch auch skurrile Leidenschaft diskursiv in den mentalen Vollwaschgang des WWW zu spülen.
Und das gilt ganz unhabhängig von der an Krankenkassen erinnernden Aufmachung der Blogseite, die anmutet, als wäre sie einem Webdesigner auf höherer Beamten-Laufbahn aus dem Aktenschrank gefallen.
Das gilt leider, obwohl die Angebote zum ersten Werbespot, zum neuesten, zur Waschmittelpflege an sich und überhaupt durchaus inspirierend sind und dann doch den Wunsch wecken nach mehr von dem Stoff, aus dem die Schäume sind - wenngleich man sich an Tags wie: "Flecken entfernen, Fleckenratgeber, Online, Webseite" unter den Blogeinträgen erst noch gewöhnen möchte.
Alles Gute also zum Persilblog, euch leidenschaftlichen Persilbloggern! Wenngleich man diesseits dieser Persilblogleidenschaft noch nicht wirklich weiß, was man da hat.
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Mr. Wong
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