30-jähriges Jubiläum von "The Dark Knight Returns" Als Batman zum Dunklen Ritter wurde

Im Film "Batman v Superman: Dawn of Justice" prügeln sich die beiden Superhelden-Superstars. Die Ikonografie wirkt nicht selten, als sei sie direkt dem Comic "The Dark Knight Returns" entnommen.

(Foto: AP)

Vor 30 Jahren erschien "The Dark Knight Returns". Ohne diesen einflussreichen Batman-Comic gäbe es seinen Protagonisten heute womöglich nicht mehr.

Von Robert Hofmann

"ShKK KRAKkk" steht da, als Batman dem Joker das Genick bricht. In der Dunkelheit hat er ihn gestellt. "Es endet heute Nacht, Joker", hatte Batman versprochen. Ein kurzes Gerangel, mehrere Messerstiche in Batmans Oberkörper und der Dunkle Ritter beweist, wie dunkel er wirklich ist. Der Joker ist besiegt. Batman war grausam genug, ihn querschnittsgelähmt zurückzulassen und doch nicht grausam genug, um seinen eigenen Kodex zu verletzen. Batman tötet nicht.

"The Dark Knight Returns" erschien 1986. Frank Miller, der Autor und Zeichner, bestand darauf, den Comic nicht, wie man es sonst gewohnt war, auf billigem Papier zu veröffentlichen. Hochwertig sollte er sein, wie ein Buch, und damit die erste Graphic Novel, die diese Bezeichnung verdiente. Es war nicht das erste Mal, dass Batman in düsterer und brutaler Atmosphäre gezeigt wurde. Trotzdem war hier alles anders. Dem Batman-Universum, wie man es kannte, war diese Darstellung entrückt. Alles wirkte härter, rauer und kompromissloser.

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Der Comic ist weniger Superheldengeschichte als vielmehr ein Abgesang auf den Superhelden an sich. Hiernach sollte nichts mehr kommen. Superhelden sind keine strahlenden Helden mehr. Sie sind verbitterte alte Männer, deren tiefe seelische Verletzungen nur dann nicht bluten, wenn sie sich im Kampf körperliche Wunden zufügen lassen.

Was ist ein Superheld, wenn nicht moralisch überlegen?

Dieses Motiv fand seinen Weg in die Superheldenfilme. Die Batman-Filme von Tim Burton, Christopher Nolan und auch "Batman v Superman: Dawn of Justice" von Zack Snyder erinnern stark an die Atmosphäre des dreißig Jahre alten Comics und seiner Interpretation des Superhelden. Auch Snyders erster Superman-Film "Man of Steel" stellte ähnliche Fragen: Welche Rolle spielt ein Superheld in unserer Welt? Wie lange ist ein Superheld ein Held, und gelten für ihn die gleichen moralischen Regeln wie für Menschen ohne Superkräfte?

Diese Fragen beziehen sich auf Superhelden, auf "Übermenschen" wie Superman. Batman aber ist ein Mensch, der sich durch Training, Geld und Mut von der Masse abhebt. Er ist Teil der Welt, die er schützt und er hat mehr zu verlieren als ein Außerirdischer, der quasi unsterblich ist. Ist Batman überhaupt "super"? Diesen Gedanken wirft "The Dark Knight Returns" als Prämisse für seine etwa 200 Seiten starke Story auf.

Bruce Wayne ist in seinen Fünfzigern, seit zehn Jahren war er nicht mehr als Batman unterwegs. Seine Unterarme sind natürlich noch immer so dick wie die Oberschenkel der anderen Figuren. Aber er trinkt zu viel und beobachtet das Weltgeschehen, den steten Zerfall von Gesellschaft und ihren Eliten aus dem Sessel heraus. Bis er es nicht mehr ertragen kann. Er beschließt, wieder als Batman das Verbrechen zu bekämpfen. Ob aus Gewissensbissen, Langeweile oder blankem Narzissmus wird nicht ausdrücklich erklärt.

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Bruch mit der Tradition des Trash

Batman ist eine ambivalente Figur. Auch damit brach Miller eine Tradition, die den Dunklen Ritter fast in den Ruin getrieben hätte. In den Sechzigern bedeutete Batman stumpfsinnige, bunte Trashunterhaltung, irgendwo zwischen Kinderserie und Superheldenpersiflage.

Das passte in den Zeitgeist, waren Comics doch vor allem an Kinder adressiert. Das Medium an sich war gar nicht dafür konzipiert, große Geschichten zu erzählen oder einen gesellschaftspolitischen Standpunkt einzunehmen.

Doch die Verkaufszahlen der Batman-Comics brachen ein und Ende der Siebziger wurde überlegt, ob man sie nicht ganz einstellen sollte. Es folgten zaghafte Neuinterpretationen. Batman kehrte zurück zu seinen Wurzeln, wurde wieder dunkler und ernster. An den Verkaufszahlen änderte das aber nicht viel. Erst der ungeheure finanzielle Erfolg von "The Dark Knight Returns" begrub alle Bedenken.