85. Geburtstag Vielleicht sagt Janosch nur Unsinn

Janosch vor zwei seiner gezeichneten Helden (Archivbild aus dem Jahr 2010).

(Foto: dpa)

Der Zeichner Janosch steht für burleske Lebensfreude. Der Mensch Janosch fühlt sich oft missverstanden, ja betrogen - von Journalisten, Verlegern und Frauen. Jetzt wird er 85.

Von Roswitha Buddeus-Budde

"Ich bin nur ein einfacher Mensch. Also, ich denke nicht darüber nach, was ich mache. Keine Kritik, keine Tradition. Alles nur ein Spiel. Ohne Sinn. Fußball hat auch keinen Sinn, und das Leben hat auch keinen Sinn."

Janosch, ein Zyniker, voller Selbstironie? Der berühmte Autor und Illustrator, dem die Literatur so viele Kinderbuchfiguren verdankt, darunter den kleinen Tiger und den kleinen Bären aus dem Klassiker "Oh, wie schön ist Panama". Der in seinen Zeichnungen immer wieder burleske Lebensfreude darstellt. Treibt er hier wieder sein Lieblingsspiel mit der Öffentlichkeit, überrascht sie mit verwirrenden Äußerungen und freut sich diebisch, wenn ihm geglaubt wird? Wer ist der Mensch hinter dem Künstler Janosch, der sich sein Leben lang von Journalisten missverstanden, von Verlegern betrogen, und von Frauen abgewiesen fühlte? Viele Jahre war er ein exzessiver Trinker und ein Hypochonder und zog sich schließlich auf dem Höhepunkt seines Erfolges nach Teneriffa zurück.

Eine neue Biografie der polnischen Germanistin Angela Bajorek mit dem Titel "Wer fast nichts braucht, hat alles" (Ullstein Verlag, Berlin 2016. 320 Seiten, 22 Euro, E-Book 18,99 Euro) versucht eine Annäherung. Das Buch ist zu seinem 85. Geburtstag in deutscher Übersetzung erschienen.

"Ich werde niemals mehr jemandem so viel über mich sagen"

Über viele Jahre hat die Autorin mit Janosch per E-Mail korrespondiert, weil er Teneriffa nur noch selten verlässt, und ist seinem Leben vielleicht so nahe gekommen, wie er es im äußersten Falle zulassen wollte. "Ich werde niemals mehr jemandem so viel über mich sagen", heißt es am Schluss.

Alles nur ein Spiel: So sieht der Autor und Zeichner sich selbst.

(Foto: Ullstein Verlag)

Doch die wirklichen Quellen seines Lebens bleiben Janoschs Romane, welche die Autorin auch immer wieder geschickt in die Biografie einbaut. Besonders "Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm", die Geschichte einer Kindheit zwischen 1930 und 1945 in einem schlesischen Dorf an der polnischen Grenze, - sein erster, gleich sehr erfolgreicher Versuch, Belletristik zu verfassen - taucht als autobiografische Spur immer wieder auf. Eine Spur, die sich später in allen Romanen von Janosch entdecken lässt und manchmal auch als Interpretation für sein Leben dient.

Auf die Frage, wer er wirklich ist, antwortete Janosch einem Journalisten: "Ich habe hundertmal überlebt. Ich wohne auf einer Sonneninsel. Das Restgeld reicht noch über mein Ende hinaus. Man kann nur in einem Bett schlafen, 3 x am Tag essen, unterm Strich habe ich gewonnen. Ich bin gesund wie ein Waldesel."

Man muss Janosch lesen, um ihn zu entdecken. Die gerade erschienene Sammlung seiner bekanntesten Kindergeschichten (Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2016. 176 Seiten, 19,95 Euro) trägt den Titel: "Vielleicht ist auch alles Unsinn, was ich sage".

Auf dem Rückweg

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