Was ihn nach Äthiopien zurückgeführt hat, erfahren wir in Alptraumsequenzen und Rückblenden, die schließlich den ganzen Film übernehmen; "Teza" ist liebevoller und und virtuoser geschnitten als sonst etwas im Wettbewerb.

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Die unerwiderte Liebe, die aus seinen Aufnahmen Äthiopiens spricht, die Schönheit, die er in der Kargheit entdeckt, entwickeln mehr Macht als die Bilderrätsel im türkischen Wettbewerbsbeitrag "Süt - Milk" von Semih Kaplanoglu.

Faszinierende Momente, lange Einstellungen in die Sonne, eine Schlange, die aus dem Mund einer Frau kriecht, ein riesiger Waller, der in den Armen des Helden Selbstmord begeht, aber die Geschichte tritt auf der Stelle - sie erzählt auch wieder vom Zwang. Yusuf hilft seiner Mutter auf dem Hof in Anatolien, spielt den Milchmann. Dabei will er Dichter sein; dass er fürs Militär untauglich erklärt wird, wirft ihn vollends aus der Bahn.

Auch Werner Schroeters "Nuit de Chien" kreist um einen Helden, der nach seinem Platz in der Welt sucht. Der zweite mehr oder weniger deutsche Wettbewerbsbeitrag - eine auf Französisch gedrehte Adaption des aus Uruguay stammenden spanischen Schriftstellers Juan Carlos Onetti - ist so stilisiert wie Schroeters "Malina".

Ossorio (Pascal Greggory) kehrt heim, abends nach einem verlorenen Krieg, um seine Geliebte zu holen. Er reist durch die Nacht, bevor die Machtübernahme am nächsten Morgen endgültig vollzogen ist. Er kann überlaufen, selbst um die Macht kämpfen - oder um sein Leben.

Revolte gegen liebendes Regime

Wenn man verwundet ist, sagt Schroeter, hat man die Wahl, Widerstand zu leisten, und wählt doch meist die Kapitulation. Eine düstere Geschichte vom Abschied in einer brennenden Stadt, in der alle Bindungen wertlos geworden sind.

In "Las Vegas: Based on a True Story" des im amerikanischen Exil lebenden persischen Filmemachers Amir Naderi herrscht die Zwangsneurose Spielsucht.

Vegas sieht bei Naderi nach Nahost aus, der Wüste abgetrotztes Land. Ein Paar, beide waren spielsüchtig, hat sich in einem Häuschen am Stadtrand gerade hochgerappelt, einen Garten angelegt.

Aber die beiden lassen sich von einem Kleingangster dazu überreden, dort nach verschwundenen Millionen aus einem Raub zu graben. Der Film ist nicht ganz gelungen, hat aber wunderbare Beobachtungen am Rande - die Frau, die Mann und Sohn in Fürsorge kontrolliert, aus Angst, dass die Dinge sofort wieder eskalieren, wenn sie einen Moment lang loslässt.

Die Zerstörung ihres geliebten Gartens ist am Ende für ihn halb Spielsucht, halb Revolte gegen ihr liebendes Regime. Es gibt eben etwas, wozu man tatsächlich keinen zwingen kann - zum Glücklichsein.

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(SZ vom 03.09.2008/pak)