Renner hat in zahlreichen Teamfilmen mitgemacht, von "S.W.A.T." bis "28 Tage später", und auf der Leinwand den Massenmörder Jeffrey Dahmer verkörpert.
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Bei aller Hektik, bei aller Hysterie der nervenzerfetzenden Einsätze wird die Arbeit der Einheit im Verlauf des Films immer ruhiger, immer normaler - Bigelow setzt da ihre Studie des Heldentums fort, die sie mit "K 19 - The Widowmaker", über ein verstrahltes russisches U-Boot, begann.
Eine der aufregendsten Sequenzen zeigt, wie ein Trupp in einen Hinterhalt gerät und langsam und mühsam die Situation klärt: Die gegnerischen Scharfschützen ausfindig machen, drüben im Haus auf dem Hügel, einen nach dem andern gezielt erledigen, dann weiter geduldig beobachten, so lange, bis sicher ist, dass wirklich alle tot sind.
Alles eine Frage des richtigen Durchatmens, eine Kunst der Respiration. Dazwischen ein Schluck Orangensaft aus der Tüte, auch das ist mühsam, den Strohhalm einzustechen.
"Furcht hat einen schlechten Ruf", sagt Bigelow, "zu Unrecht. Furcht klärt. Sie zwingt dich, die wichtigen Dinge zuerst zu setzen und die trivialen auszumustern."
Um Tod und Arbeit geht es auch in "La fabbrica dei tedeschi" von Mimmo Calopresti, einem dramatischen Politdokumentarfilm, und "ThyssenKrupp Blues" von Pietro Balla und Monica Repetto.
Beide liefen in der Reihe "Orizzonti", die sich so extreme Sachen leistet wie einen merkwürdigen Valentinofilm - über den Mode-, nicht den Filmstar - und die komplette "Melancholia" des philippinischen Junggenies Lav Diaz.
Sehnsucht nach dem Arbeitsplatz
Das Stahlwerk der Firma in Turin wurde im Frühjahr 2007 geschlossen, die Arbeiter wurden entlassen. Im Herbst hat man einen Teil von ihnen wieder eingestellt, um noch ein paar Monate weiterzumachen - in den inzwischen halb leergeräumten, sicherheitstechnisch verwahrlosten Hallen.
Am 6. Dezember brach ein Feuer aus beim Abfluss des glühenden Stahls, Arbeiter verwandelten sich in lebende Fackeln, sieben starben. Ein Massaker, hieß es in den Zeitungen. Der "ThyssenKrupp Blues" beschreibt das Schicksal des jungen Entlassenen Carlo Marrapodi, der seine soziale Sicherheit verliert und seinen gesellschaftlichen Status, in die Heimat zurück muss, nach Kalabrien, und, von Lethargie bedroht, das Trauma um die toten Kollegen bewältigen muss. Nur noch im Protest gegen die Machenschaften der Firma findet er einen Rest von Lebenskraft.
Sehnsucht nach seinem Arbeitsplatz hat auch Mickey Rourke in "The Wrestler". Darren Aronofsky verzichtet hier auf seine optischen und intellektuellen Spiralen, die "The Fountain" dröge machten, er geht zurück nach Amerika, heute und ganz unten.
Mickey Rourke ist der Ringer Randy "the Ram" Robinson, seit Jahren erfolgreich in einem Schaugeschäft, wo das Zusammen- und Gegeneinanderspielen eins ist. Die Männer arbeiten mit Leitern und Stacheldraht im Ring, sie reißen sich das Fleisch auf und sind bester Laune dabei.
Rourke ist ein Veteran, und er kann alles in diesem Film. Er trägt eine lange blonde Mähne, die er sorgsam stylen lässt, er nörgelt, dass Figuren wie die "Cobain-Pussy" den guten alten Rock'n'Roll kaputtmachten, er tänzelt als Verkaufsclown die Fleischtheke im Supermarkt entlang. Und er führt seine Tochter aus, Evan Rachel Wood, in die eigene Vergangenheit. In ein altes, leeres, verwittertes Casino am Meer. Dort, in einem riesigen Ballsaal, wagen sie endlich einen gemeinsamen Tanz. Und Mickey Rourke darf, zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben, sein Mädel führen.
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(SZ vom 06.09.2008/pak)
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