Alles eine Kunst der Respiration: Das Ende des Wettbewerbs bringt raue amerikanische Helden, bei Kathryn Bigelow und Darren Aronofsky.
Zum Schluss kam dann der Blues ins Festival. Eine der Musikformen, die dem Kino besonders nahe sind, die andere, das Divertimento, war Mitte der Woche dran gewesen, in Vardas unvergleichlich schönem "Les plages d'Agnès".
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Getarnt in feindlicher Umwelt: Ein westlicher Bombenspezialist in der irakischen Wüste, in Kathryn Bigelows "The Hurt Locker" (© Foto: First Light Production)
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Und ein Schuss Countrymusik bei Jonathan Demme - "Kraft meiner Vollmacht, die mir vom Staat Connecticut verliehen wurde, und von Neil Young, erkläre ich euch ..."
Der Blues, das war der von Explosionen und Vertrauensverlust durchsetzte Alltag im Irak-Krieg in Kathryn Bigelows "The Hurt Locker", oder die Faszination des Ringkampfs in Darren Aronofskys "The Wrestler".
Und die Schrecken eines Brandunfalls in der Firma ThyssenKrupp in Turin, dem zwei italienische Filme sich widmeten.
Der Blues, das waren auch Mickey Rourke und Jeremy Renner in den amerikanischen Filmen. Ja, zum Festivalende sind die ersehnten Stars wieder da, ein anderer Typus, nicht die Strahlemänner Clooney und Brad Pitt. Renner und Rourke sind härter, prollhafter, bodenständiger - Tilda Swinton, die neben Clooney und Pitt etwas in der Versenkung verschwand, hätte gut zu ihnen gepasst.
Delirieren, mit allen Tricks und Phantasmen
Die Italiener lieferten dann noch Adriano Celentano dazu, den zeitlosen Reibeisen-Rebellen, sein Meisterwerk "Yuppi Du" von 1975 wurde in einer restaurierten Fassung präsentiert.
Es war nach Fellinis "Der weiße Scheich" und De Sicas "Fahrraddiebe" die dritte Klassiker-Restauration des Festivals. "Yuppi Du" ist, von Celentano koinszeniert, eine unverschämte Ode an Venedig und seine Underdogs, natürlich ans Kino.
Für den Gondoliere Felice (verkörpert von Celentano) bietet die Lagunenstadt eher Unannehmliches, das fängt damit an, dass sein Ehebett meistens von Wasser bedroht ist. Es ist die zweite Frau, mit der sich dort tummelt, die erste - Charlotte Rampling - hat einen Wassertod fingiert und ist mit einem Millionär nach Mailand.
Als sie zurückkehrt, beginnt der Film endgültig zu delirieren, mit allen Tricks und Phantasmen, die heute Standardrepertoire der Clips sind. Das Loch im Fenster störe sie aber schon, sagt die heimgekehrte Frau, aber Felice erklärt ihr, das sei Resultat eines künstlerischen Exzesses - wie bei den Malern, die einen Farbtopf durchs Zimmer werfen, und wenn Farbe daraus die Leinwand trifft, bekommen sie eine Ausstellung im Museum.
Die neue Ladung amerikanischer Filme, von Demme, Bigelow, Aronofsky, sind wahre Independents - ein neuer Typus, mit Studiogeld gedreht, von Sony und Warner.
Kathryn Bigelows "Hurt Locker" ist eine willkommene Abwechslung im Irak-Kriegsgenre, das im Vorjahr Brian De Palmas "Redacted" erfolgreich bestückt hatte.
Schluss mit der Misere, mit der Tristesse, die der Krieg inzwischen auch in den USA verbreitet. Bigelow, die in ihrer Regie nie das working-class girl verleugnete, ist auf der Seite der einfachen Soldaten, der Jungs der EOD, der "Explosive Ordinance Disposal", die in der Hitze der Gefechte Bomben in Autos oder an Selbstmordattentätern, die sich anders besonnen haben, entschärfen.
Jeremy Renner ist ihr Held, der gern den Schutzanzug abstreift, um ganz frei mit den Drähten und Explosivkörpern umzugehen.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum die Furcht nach Meinung Kathryn Bigelows einen zu schlechten Ruf hat.
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