Lina Selander - Schwedischer Pavillon

Historisch recherchiert hat die Schwedin Lina Selander. Sie entdeckte für ihren Auftritt im schwedischen Pavillon deutsche Geldscheine aus den frühen Zwanzigerjahren, die zwischen Südseekitsch und Militarismus changieren. Aschaffenburg gab einen 50-Pfennig-Schein heraus, auf dem ein Schwert die Weltkugel durchbohrt, flankiert von einer Taube, die auch keinen Frieden stiftet. Andere ergehen sich in Aufrufen an deutsche Mütter, ihre Babys zur Militanz zu erziehen. Das kombiniert Selander in irrwitzigen und doch poetischen Filminstallationen mit antiken Fundstücken darüber, wie aus der griechischen Göttin der Erinnerung, Mnemosyne, in Rom die Göttin Moneta wurde - und das Geld das Gedächtnis verdrängte. Diese so inspirierende wie bezaubernde Arbeit erinnert ein bisschen an das assoziative Denken des Kulturwissenschaftlers Aby Warburg - nur dass Selander auch größere weltgeschichtliche Dramen in die Wohlfühlatmosphäre einer entspannten Bilderhöhle zu tauchen vermag. Von Kia Vahland

Bild: Lina Selander 8. Mai 2015, 19:182015-05-08 19:18:12 © SZ.de/khil