Polanski und Brosnan exkulpieren diesen Mann nicht - aber "Der Ghostwriter" ist viel zu klug für eine Anklage. Im Grunde ist Lang am Ende selbst betrogener Betrüger, er hat schreckliche Dinge getan, doch ihm selbst wurde alles, was wirklich glücklich machen könnte, von Anfang an vorenthalten.
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Dagegen wirkt "My Name is Khan", außer Konkurrenz gezeigt, politisch zumindest wie naive Malerei. Allerdings nach einem komplexen Konzept. Dieser Film lässt wirklich nichts aus, er ist die Bollywoodmusical-Version von "Rain Man" als message movie - mit seiner Friedensmission in Sachen Cricket hat Hauptdarsteller Shah Rukh Khan in Indien schon die erste Kontroverse ausgelöst.
Bei der Einreise auseinandergenommen
Ausgangspunkt für "My Name Is Khan" ist eine reale Begebenheit: Shah Rukh Khan, so ziemlich der größte Star Asiens und von wesentlich mehr Menschen verehrt als Brad Pitt, wurde im vergangenen Sommer bei der Einreise in die USA auseinandergenommen - so Rizvan Khan, den er im Film spielt.
Nur leidet der Filmheld am Asperger Syndrom, - in einer Achterbahnfahrt der Rückblenden setzt der Film zusammen, wie aus dem indischen Jungen mit den Lernschwierigkeiten ein Mann wurde, der auf dem Weg zum amerikanischen Präsidenten ist. Er hat geheiratet in Amerika, als Moslem eine Hindu (wie auch Shah Rukh Khan); ihr Sohn, den er mit aufgezogen hat, wird Opfer eines rassistischen Anschlags nach dem 11.September. Seine Frau brüllt ihn an, er solle dem amerikanischen Präsidenten sagen, dass er kein Terrorist ist - und er nimmt das, mit seiner Veranlagung, alles für bare Münze.
Ein wenig schwindlig
Der Film ist jedenfalls nicht autistisch, der ist hyperaktiv und trägt sein Herz auf der Zunge, er spielt mit Filmzitaten und Bollywood-Versatzstücken herum und kombiniert sie mit Politik, dass einem die Spucke wegbleibt. Er wirbt für das große religiöse, ethnische Miteinander - was dabei herauskommt, ist manchmal naive Weltverbesserungsschmonzette, manchmal ehrlich herzzerreißend, dann wieder komisch, und auf jeden Fall drei Stunden lang spektakulär. Dieser Film, könnte man sagen, torkelt zwischen Genie und Wahnsinn hin und her.
Der Stilmix setzt sich fort in "Howl" von Rob Epstein - der 1984 den Dokumentarfilm "The Times of Harvey Milk" gemacht hat - und Jeffrey Friedman, ein Ostküstenintellektuellenstück. Die beiden haben sich Allen Ginsberg (gespielt von Jeff Franco) und sein Geheul vorgenommen, ein langes Interview, aus echten Ginsberg-Aussagen zusammengesetzt, der Prozess gegen seinen Verleger, ob das zentrale Gedicht der Beat Generation nun obszön ist, versetzt mit einem Vortrag von "Howl" - der regelmäßig in Zeichentricksequenzen ausbricht, die dann von Stil zu Stil mutieren, von dalí-esk bis Tim Burton. Es wird einem also langsam ein wenig schwindlig in diesem Wettbewerb. Aber langweilig wird einem nicht.
Im Video: In der Hauptstadt trifft Hollywood auf Bollywood. Die indischen Stars Kajol und Shah Rukh Khan sind in diesem Jahr die Lieblinge der Fans.
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(SZ vom 13.02.2009/mikö)
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