Weitere Briefe Bundeswehr und Feminismus

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Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen.

Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch hier in der Digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen.

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Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker

"Im Schleichgang" vom 21. Februar: Ich war positiv überrascht vom objektiven, schonungslosen Bericht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels zur fehlenden Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Hut ab! Was mich aber am allermeisten verwundert hat, war die Aussage "Ersatzteile werden jetzt gekauft, aber erst in drei Jahren fertig sein." Mein Gott, wo leben und arbeiten unsere Verantwortlichen? Es gibt 3-D-Drucker, da kann heute jeder OldtimerBesitzer sein nicht mehr aufzutreibendes Ersatzteil, welches er benötigt, ratzfatz im 3-D-Druckverfahren ausdrucken. Und die Bundeswehr ist mit diesem Wissen nicht à jour? Weiter: Schreddert in den Amtsstuben die sich auftürmenden Reparaturbelege und verschrottet die Militärgüter. Ein nochmaliger Gratistipp an unsere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Machen Sie Leasingverträge, und alles Weitere ist damit gesagt. Peter P. Wiesner, Amden/Schweiz

Kultureller Totalitarismus

"Gratismut" vom 23. Februar: Die Kulturstiftung der Berliner Sparkasse hat als Protest gegen das Entfernen von Eugen Gomringers Gedicht "avenidas" von der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule ein Banner mit dem Gedicht an ihrem Sitz aufgehängt. Für die Kommentatorin Kathleen Hildebrand zeugt dieser Protest gegen die Entfernung von "Gratismut". Umgekehrt, muss man daher folgern, haben für sie die "Studierenden" dieser Hochschule Mut bewiesen, als sie das Gedicht als sexistisch (die letzte Begründung hieß wohl "potenziell sexistisch") und, wie sie es sieht, als "altmodisch" empfunden und seine Entfernung beschlossen haben. Sie schreibt: "Das ist ihr Recht. Junge Menschen dürfen ein Kunstwerk altmodisch finden, an dem Älteren vielleicht gar nichts Besonderes auffällt." Haben wir also Kunst nach den Kriterien "altmodisch" oder "modisch" zu beurteilen?

In der Entfernung des Gedichts sieht die Kommentatorin auch einen Ausdruck des Streits über Kunst, im Protest dagegen eine plakative Verordnung von Kunst: "Kunst aber lässt sich nicht plakativ verordnen. Man muss über sie streiten." Wer hat hier gestritten, wer hat hier verordnet? Sollen wir die "Entfernung" antiker Ruinen durch den IS oder von Buddha-Statuen durch die Taliban auch als Ausdruck eines Streits über Kunst verstehen?

Hier wie dort handelt es sich um einen strukturell gleichen kulturellen Totalitarismus. Prof. Gerhard Kurz, Gießen