SZ-Werkstatt Im Designer-Himmel

Tanja Rest leitet das Ressort Gesellschaft und Stil. Zweimal jährlich berichtet sie von der Pariser Fashion Week und staunt immer noch, wie heilig den Franzosen ihre Designer sind. Mode als Kulturgut? Hierzulande undenkbar.

(Foto: Jakob Berr)

Zweimal jährlich fährt Tanja Rest zur Pariser Fashion Week. Und staunt immer noch, wie heilig Franzosen die Mode ist.

Von Tanja Rest

Als ich zum ersten Mal zur Pariser Prêt-à-porter-Woche gefahren bin, trug das Publikum noch Schwarz. Niemand besaß ein Smartphone, der Beruf des Modebloggers war noch nicht erfunden, und am Ende jeder Show wurde tatsächlich geklatscht. Nun ja, das war 2005. Heute werden die Schauen überstrahlt von einem noch viel größeren Spektakel: den Street-stylern und Influencern, die in Luxuskleidern antreten, um von den Bloggern fotografiert zu werden. Schwarz ist abgemeldet, und der Applaus zum Finale fällt meist aus, weil alle immer ihr iPhone in der Hand haben. Man sagt außerdem gar nicht mehr "Prêt-à-porter-Woche". Sondern "Fashion Week".

So grell und fiebrig die Veranstaltung geworden ist, ein paar Konstanten gibt es: Karl Lagerfeld macht Chanel. In Paris arbeiten die kreativsten und bedeutendsten Designer der Welt. Und viele Menschen träumen davon, einmal im Leben dabei zu sein. Drei Fragen, die mir immer gestellt werden, seien hier beantwortet.

1.) Musst du dir auch so teure Klamotten anziehen? Nein, aber es schadet nicht, sich ein wenig Mühe zu geben. Bedenke, die Menschen um dich herum atmen Tag und Nacht nur Mode. Sie fühlen sich sonst nicht ernst genommen.

2.) Läufst du da rum und trinkst Champagner? Also bitte! Auf dem offiziellen Kalender stehen 83 Shows in acht Tagen, jede an einer anderen Ecke der Stadt, es ist ein harter, entbehrungsreicher, unglamouröser Job. Na schön, es gibt viel Champagner. Sogar sehr guten. Aber erzähl das nicht meinen Chefs.

3.) Kann ich da auch mal hin? Schwierig. Givenchy hat diesmal drei Tickets verlost, davon abgesehen sieht es für Nicht-Stars und Nicht-Oligarchengattinnen düster aus. Immerhin gibt es viele Shows jetzt als Livestream, und streng unter uns: Die Sicht ist dort meistens besser. Und die Luft auch.