SZ-Werkstatt Dann hieß es laufen...

Ein letztes Interview mit Horst Seehofer als Regierungschef: Lisa Schnell blickt hier zurück auf die Zeit mit ihm. Nie vergessen wird sie etwa seine spontanen Pressekonferenzen.

Von Lisa Schnell

Das letzte Interview mit König Horst also. Zehn Jahre war Horst Seehofer Ministerpräsident in Bayern. Über den Freistaat schreiben, das hieß auch über ihn schreiben. Ein letztes Mal empfängt er in der Staatskanzlei. Auf dem Tisch viele silberne Thermoskannen, Ingwertee mit Zitrone steht auf der einen, Schwarztee auf der anderen. Am Ende ist in allen nur einfacher Filterkaffee.

So verwinkelt Seehofers politische Schachzüge auch sind, beim Essen liebt er es einfach. Im goldblitzenden Luxushotel in Moskau bestellt er sich gegrillten Toast, beim Szene-Italiener in Berlin-Mitte Salamipizza. Bald blickt er vielleicht als neuer Bundesinnenminister in Berlin auf die erlesene Karte der Bundestagskantine mit allerlei Schäumchen und sehnt sich in den bayerischen Landtag zurück. Nicht wegen seiner Fraktion, diesen "Pyjama-Strategen", wie er sagte, sondern wegen der ehrlichen Wiener Würstl, die es dort immer am Plenartag gibt.

Seehofer nahm sie meistens in einem kleinen Hinterzimmer ein, wo er Minister und Abgeordnete zu sich bestellte. Am anderen Ende des Ganges haben die Landtagsjournalisten ihr Büro. Bald wird man sich dort erzählen, wie sie so war, die Seehofer-Zeit. Als man immer wieder nachsah, ob er noch in seiner Kammer residiert oder schon auf dem Weg ist in den Steinernen Saal. Dann hieß es laufen, um nicht zu spät zu kommen zu Seehofers spontanen Pressekonferenzen. Ihn selbst sah man vor lauter Journalisten eigentlich kaum, nur ein weißer Haarschopf lugte dank seiner Größe (1,93 Meter) oben aus der Menschentraube heraus. Möglichst nah wollte jeder bei ihm sein, denn Seehofer sprach maximal leise, ob Bayernlob oder hinterfotzige Gemeinheit. Mit der bedachte er gerne auch die Kanzlerin in Berlin. Jetzt will er selbst dorthin verschwinden, und der Landtag wird sich verändern. Nur die Würstl, die bleiben.