Priestermangel Lasst die Laien ran

Weil nicht mehr genug Pfarrer zur Verfügung stehen, holt die katholische Kirche Geweihte aus Afrika oder Asien ins Land. Leser schlagen vor, die Kirche von unten zu stärken.

"Die Rettung des Abendlandes" vom 14./15. Juni:

Weil nicht mehr ausreichend geweihte Männer vorhanden sind, um in den katholischen Gemeinden in der Sonntagsmesse die Wandlungsworte zu sprechen, werden sie nun aus allen Erdteilen ein- und auch wieder ausgeflogen. Die Kirche könnte es einfacher haben, wenn sie sich auf ihre Ursprünge besönne. Das Neue Testament kennt keine "geweihten" Personen. Die Leitung der Eucharistiefeier in den paulinischen Gemeinden war Sache des "Hausherrn" oder der "Hausherrin", in dessen/deren Räumen die Feier stattfand. Es darf nämlich mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass Männer und Frauen innerhalb des Gottesdienstes in vollem Umfang gleichberechtigt tätig gewesen sind.

Historisch-kritisch gesehen geht das kirchliche Amt weder auf Jesus noch auf die Apostel zurück. Es hat sich vielmehr aus einer Verbindung jüdischer und hellenistischer Leitungsmodelle zu seiner im zweiten Jahrhundert allmählich allgemein praktizierten Form entwickelt. Im Verlauf des dritten Jahrhunderts wird die Unterscheidung von "geweihten Priestern" und nicht geweihten "Laien" zur vollendeten Tatsache. Aus der herrschaftsfreien Kirche des Anfangs wurde eine hierarchisch gegliederte Kleruskirche. Was Klerus und "Laien" trennt, ist die Feier der Eucharistie, denn sie erfordert eine eigene "Weihe".

Wenn sich die Verantwortlichen in Rom und anderswo an die neutestamentlichen Vorgaben halten würden, dann wird in Zukunft wieder mehr und mehr die christliche Gemeinde, die Ortskirche, Trägerin des "amtlichen" liturgisch-pastoralen Handelns sein. Konkret könnte das so aussehen, dass die vielfältigen und immer mehr ausdifferenzierten pastoralen Aufgaben in einer Gemeinde von einem dafür ausgerüsteten amtlichen Leitungs- oder Begleitungsteam bewältigt werden. Dieses pastorale Team, wie zu Zeiten der Urkirche von der Gemeinde gerufen oder angenommen, könnte in einer liturgischen Feier durch Handauflegung des schon bestehenden Leitungsteams und mit vorher eingeholter Genehmigung des Ortsbischofs eine kirchliche Beauftragung, eine "Ordination", empfangen. Diese so auf Zeit oder auf Dauer ordinierten Gemeindeleiterinnen und/oder Gemeindeleiter können und dürfen aufgrund dieser amtlichen Ordination letztlich je nach den örtlichen Gegebenheiten alles tun, was für diese Gemeinde als "Kirche am Ort" nötig ist - die Leitung einer Eucharistiefeier eingeschlossen.

Dr. Norbert Scholl, Em. Professor für katholische Theologie und Religionspädagogik, Heidelberg

Vorbild Lateinamerika

Es ist nun mal nicht zu übersehen, dass in den deutschen Diözesen die Zahl der Priesterweihen stark zurückgeht, und das mit zunehmender Tendenz. Und der Altersschnitt der Priester wird immer höher. Da fällt den bayerischen Bischöfen nichts anderes ein, als "Importpriester" einzufliegen oder - wie beschrieben - "die Dinge zu entzerren", was aber von den genannten Dörfern nicht angenommen wird.

Aber geht es darum, die Gemeinden nur zu versorgen? Oder sollten die Kirchenbürgerinnen und -bürger nicht in die Lage versetzt werden, selbst das Heft in die Hand zu nehmen? Wie heißt es in der Bibel: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind..."? Ich denke dabei auch an die riesengroßen Pfarreien in vielen südamerikanischen Ländern, in denen Katechetinnen und Katecheten segensreich gewirkt haben. Sie leiteten Gottesdienste, waren Ansprechpartner für die Menschen und übernahmen auch Leitungsaufgaben in der Pfarrei. Der zuständige Priester kam alle Jubeljahre vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und Mut zu machen. Das soll bei uns nicht möglich sein?

Wenn es bei uns in Deutschland noch Jungpriester gibt, dann zählt oft "Liturgische Correctness". Sollte die Kirche nicht eher dem Rat der Mesnerin in dem Artikel folgen und sich mehr mit den Menschen beschäftigen, als mit sich selbst?

Grundsätzlich stellt sich mir noch die Frage, ob Gemeinden unbedingt von einem Priester geleitet werden müssen. Sollte man sich nicht über Gesetze hinwegsetzen, da bereits jetzt eine Notsituation vorliegt?

Hanspeter Schladt, Neuwied