Paradise Papers Egoismus mit System

Warum wird von der Politik nicht endlich etwas dagegen unternommen, dass Reiche und Unternehmen ihr Geld in Steueroasen verstecken? Nicht nur diese Frage beschäftigt Leserinnen und Leser in Bezug auf die Paradise Papers.

SZ-Zeichnung: Karin Mihm

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Zur Berichterstattung über die Paradise Papers:

EU-Steuerrecht harmonisieren

Ihre Beiträge auf der Grundlage der Paradise Papers sind mir, wie schon die Panama Papers, eine wichtige Grundlage, Menschen und Firmen einordnen zu können. Kann man ihnen vertrauen, taugen Menschen als Beispiele? Steuern zu hinterziehen, ist kein Kavaliersdelikt, kein Vergehen, es ist, ab einem bestimmten Ausmaß, ein Verbrechen. Andererseits: Handelt eine Firma wirtschaftlich, berät ein Steuerberater, ein Rechtsanwalt "richtig", wenn nicht alle rechtlich zulässigen Wege aufgezeigt und gewählt werden, so wenig Steuern wie möglich abführen zu müssen?

Ein Aspekt für Europas Krise liegt für mich darin, das Steuerrecht nicht harmonisiert zu haben. Großbritannien ist Teil der EU, und dennoch sind es immer wieder Gebiete des ehemaligen britischen Empire, die steuerrechtlich von unerschütterlichem Egoismus getragen zu sein scheinen. Oder geht es diesen Regionen um Beschäftigung und Gewinne für Rechtsberatungsfirmen? Und wenn: Warum? Vielleicht hat es auch sein Gutes, dass Großbritannien und seine gegenwärtigen oder gewesenen Gebiete bald nicht mehr Teil der EU sind. Vielleicht wird es ohne angelsächsischen Einfluss schneller und besser gelingen, innerhalb der EU ein harmonisiertes Steuerrecht zu etablieren. Michael Odenthal, Kiel

Faustrecht

Was die Panama Papers und nun die Paradise Papers aufwerfen, macht unserer Familie Angst. Es ist der Verfall der Demokratie, der Verfall des Zusammenhalts und das Faustrecht der Konzerne. Die Politiker unternehmen nichts! Warum? Danke fürs Dranbleiben! Es müsste unermüdlich davon berichtet werden, ansonsten steuern wir auf einen Bürgerkrieg zu. Denn es ist nicht einzusehen, dass wir Kleinen alles zahlen müssen und die da oben es richten, wie sie es brauchen. Harald Schmutzler, Salzburg/Österreich

Es liegt am Kapitalismus

Ist eigentlich noch niemand in der Redaktion auf den Gedanken gekommen, dass die "Papers" eine grandiose Maskierung der gesellschaftlichen Probleme (insbesondere Armut) sind: Es ist doch völlig unwichtig, ob nun "Panama" oder "Paradies" - demnächst vielleicht "Inferno". Die multinationalen Unternehmen werden von allen Regierungen eingeladen und mit Sonderkonditionen geködert. Das Wirtschafts- und Politikestablishment vereint sich - fast wie im Sinne des Staatsmonopolkapitalismus - in der Schaffung von Arbeitsplätzen mithilfe einer wirtschafts-"freundlichen" Ansiedlungspolitik. Steuern zahlen dann die abhängigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Seit Jahrzehnten gilt bei den Regierungen (egal ob schwarz, rot, grün oder gelb) diese Devise: Investitionen schaffen Arbeitsplätze - nicht Steuern, und abhängig Erwerbstätige zahlen Steuern. Ob die dubiosen Geschäfte nun über Malta, Irland, Liechtenstein, Großbritannien, die Niederlande oder über Panama (oder über Deutschland!) abgewickelt werden - geleugnet werden die zentralen systematischen Probleme des Kapitalismus. Berichten Sie mit demselben - grafischen und textlichen - Aufwand über die alltäglichen Mechanismen der Ausbeutungs- und Armutsreproduktion. Prof. Harry Friebel, Hamburg

Neue Aristokratie

Wäre es nicht einfacher und ehrlicher, wenn wir zum Feudalismus zurückkehren? Die Aristokratie (die heute natürlich durch Vermögen statt Abstammung definiert ist) würde dann ganz offiziell von jeglicher Steuerpflicht befreit. Wer am meisten hat, trägt am wenigsten bei. So wäre der Egoismus wenigstens offen sichtbar, und jeder wüsste, dass diese Leute von einem Gemeinwesen profitieren, das ausschließlich andere mit ihrer Arbeit finanzieren. Dr. Oliver T. Domzalski, Hamburg

Verbraucher hat es in der Hand

Die Sache ist doch ganz einfach! Die Politik ist unfähig, Steuergerechtigkeit herzustellen. Moral und Wirtschaft scheinen sich auszuschließen. Verantwortungsgefühl vieler Firmen ist nicht vorhanden. Also liegt es jetzt bei uns Verbrauchern. Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern weiter solch gute journalistische Investigationen wie die Panama/Paradise Papers. Wir Verbraucher können mit unserem Verhalten entscheidend dazu beitragen, diese Briefkasten-/Steuervermeidungsmentalität in die Knie zu zwingen. Ich kaufe kein Apple-Produkte mehr. Ich bin nicht bei Facebook. Ich schau ab sofort keine Formel-1-Rennen mehr. Ich verschleudere meine U2-CDs. Uber kommt nicht infrage. Ich verbringe meinen Urlaub garantiert nicht in einem Steuervermeidungsland (auch nicht in Irland oder den Niederlanden) usw.

Liebe Journalisten: Sagt mir ganz konkret, gegen welche Firmen ich vorgehen muss, gegen welche Personen ich protestieren muss, welchen Firmen ich noch trauen kann, wen ich mit meinem Geld unterstützen kann. Hoffentlich bleiben genug Firmen mit ethischem Grundkonzept und sozialem Gewissen übrig, um ein einigermaßen normales Leben leben zu können! Die Paradise Papers sind für mich ein Lichtblick in dieser ungerechten Welt. Danke. Stefan Briegel, Puchheim

Gegen Interessen Deutschlands

Es ist bekannt, dass EU-Gesetzesvorhaben zur Regulierung von Steueroasen unter anderem auch an der Bundesregierung und hier insbesondere an dem ehemaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble gescheitert sind. Die an der Aufdeckung der Paradise Papers beteiligten Medien fordern als ersten Schritt, Transparenz zu erzeugen. Namen Beteiligter, Unternehmen und Staaten sind zu benennen, und es ist aufzuklären, was sie getan haben. Nicht so der geschäftsführende Finanzminister Peter Altmaier: Er warnt vor "einem Name and Blame Game". Der Finanzminister empfindet das als Spielchen! Die CDU isoliert sich in Europa und in den Medien. Ich glaube, als Erstes ist aufzuklären, was die Union dort für eine Politik gegen die Interessen von Deutschland führt. Dr. Lothar Sowa, Rohrenfels

Aufschrei der Manager?

Mich wundert, dass ich nie einen Aufschrei der deutschen, sich doch durchweg steuerehrlich gebenden Unternehmer und Manager höre, wenn wie in Lux Leaks, in den Panama Papers und jetzt in den Paradise Papers die milliardenschweren Steuerausfälle durch Steuervermeidungsstrategien aufgedeckt werden. Oder ist mir da etwas entgangen? Unsere Manager werden doch nicht müde, die hohe Steuerlast in Deutschland zu beklagen. Man könnte die Steuersätze deutlich senken, wenn sich alle beim Zahlen beteiligen würden! Oder hören wir vielleicht die deutschen Manager durch die Scheiben des Glashauses nicht, in dem auch sie sitzen? Dr. Josef Noderer, München

Nicht immer nur Putin

Sie berichten wieder plakativ über die Verwicklungen Wladimir Putins und damit Russlands in die Sache der Steueroasen. Erst weiter hinten kommen auch die anderen Beteiligten zum Vorschein. Will die SZ sich stets in die Reihe derer begeben, die wie bei den Panama Papers immer zuerst auf Russland zeigt? Für uns Bundesbürger wäre es sicher interessanter, welche von uns deutschen und europäischen "Delinquenten" ihr Geld dorthin verschoben haben. Bernhard Feilzer, Gilching