Neues Projekt auf SZ.de Werden Sie Partner bei Die Recherche

Wir suchen die Geschichten hinter dem Informationsrauschen - und setzen dabei auf Ihre Mitarbeit. Unser neues Projekt Die Recherche ist ein Experiment, das die Grenzen zwischen Leser und Journalisten auflösen soll. Wir freuen uns über Ihre Beiträge, Ihre Ideen und Ihr Votum für die Geschichte, die die SZ.de-Redaktion in den kommenden Wochen recherchieren wird.

Von Stefan Plöchinger

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die gewaltigste Errungenschaft des Internets ist, dass Grenzen zwischen Menschen überwunden werden - reale Grenzen und jene in den Köpfen. Das hat wiederum gewaltige Folgen für uns Journalisten, und wir wollen daraus das Beste machen - unter anderem in unserer neuen Serie Die Recherche.

Früher war das Verhältnis zwischen uns Journalisten und Ihnen, den Leserinnen und Lesern, wie zwischen einem Sender und einem Empfänger: Wir sagen Ihnen, was auf der Welt passiert, und Sie haben kaum eine andere Möglichkeit als uns Journalisten, um sich darüber zu informieren. Wenn wir unseren Job gut machen, dann lesen Sie uns gern; wenn nicht, dann lesen Sie uns eben ungern, aber Sie lesen uns, weil die Informationskanäle begrenzt sind.

Bertolt Brecht träumte in seiner Radiotheorie davon, dass diese Grenze wegfällt und durch die technische Natur des Rundfunks jeder Empfänger auch zum Sender werden kann - also jeder Mensch theoretisch publizieren kann. Was praktisch bis auf offene Kanäle und Piratenfunker misslang. Das Internet lässt diese Vision jetzt wahr werden. Wer glaubt, etwas zu sagen zu haben, kann es in diesem Medium jederzeit tun, auf Umwegen sogar die Menschen in Ländern ohne Meinungsfreiheit; und wer eine Information sucht, für die er früher in Tausende Kilometer entfernte Bibliotheken oder Universitäten reisen musste, findet diese heute in Bruchteilen von Sekunden im Netz.

Die wahre Dimension dieser Veränderung haben wir wahrscheinlich noch gar nicht verstanden, aber eines müssen wir Journalisten verstehen: Nackte Information ist nichts mehr, über das wir exklusiv die Hoheit haben, sondern ein Geschäft, das im Prinzip auch ohne uns funktioniert, wenn Kanzlerinnen Youtube-Kanäle haben, Pop-Sternchen eigene Blogs und US-Präsidenten Millionen Twitter-Abonnenten. Das Weitergeben von Informationsschnipseln dieser Menschen ist damit nicht mehr unser Kerngeschäft. Damit wir unseren Job gut machen und Sie uns gern lesen, müssen wir mehr bieten als die Schnipsel: die Geschichten hinter dem Informationsrauschen.

Transparente Recherche zu Ihren Themen

Die Recherche soll das leisten, und wir richten uns dabei nach Ihrem Interesse. In diesem Projekt machen wir Sie als Leserinnen und Leser zu unserem Partner. Wir glauben, dass Sie von uns Journalisten viel mehr erwarten, als Sie sich ergoogeln können und auf den meisten Seiten im Netz finden. Und wir glauben, dass Sie für unsere Arbeit kluge Anstöße geben können. Deshalb wagen wir das Experiment, die Grenzen zwischen Sender und Empfänger im Internet hier aufzulösen.

So erreichen Sie Die Recherche

Sie bestimmen per Votum, zu welcher aktuellen, von Lesern häufig thematisierten Frage wir einen Monat lang recherchieren sollen. Dann machen wir uns an die Arbeit, aber nicht im Elfenbeinturm des Journalismus, sondern so öffentlich, wie es die jeweilige Recherche zulässt. Wir bloggen Rechercheergebnisse, twittern, mailen und facebooken mit Ihnen, und wenn Sie etwas zur Antwort auf die Frage beizutragen haben, nehmen wir das gerne auf.

Nach einem Monat präsentieren wir die gesamte Antwort dann in einer Serie von Artikeln, und tags darauf geht es weiter - mit der nächsten Frage. Meine Kollegin Sabrina Ebitsch hat hier genauer beschrieben, wie es funktioniert. Das Experiment ist auf einige Monate angelegt und wird vielleicht sogar von Dauer sein, aber prinzipiell geht es uns um mehr als die reine Recherche. Wir wollen grundlegend herausfinden, wie wir mit Ihnen zusammen den Journalismus neu erfinden können. Die Entgrenzung von Sender und Empfänger bedeutet eben auch, dass wir Journalisten zu einem neuen Verhältnis zu Ihnen, den Leserinnen und Lesern, finden sollten, um nicht an Ihnen vorbeizuarbeiten.

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Die Umfrage ist geschlossen. Vielen Dank für Ihr Interesse. Wie es weitergeht, lesen Sie in Kürze hier.

Diese Möglichkeit haben wir jetzt technisch, und damit wir praktisch herausfinden, was man damit anfangen kann: Stimmen Sie gerne mit ab.

Und um mehr über die Themen zu erfahren, klicken Sie hier.

Auf gute Zusammenarbeit, in diesem Sinne.

Ihr Stefan Plöchinger, Chefredakteur Süddeutsche.de