G-20-Gipfel Gestaltungskraft zurückgewinnen

Die friedlichen Demonstranten in Hamburg hatten Ideen - die Politikern leider oft fehlten, schreiben Leser.

"Sie lassen dann eben ihre Wut heraus" vom 21. Juli:

Dohnanyi verdreht da was

Dem früheren Ersten Bürgermeister von Hamburg Klaus von Dohnanyi kann ich in fast allen Aussagen, die er im Interview mit der SZ gemacht hat, nur voll zustimmen. Nur in zwei Punkten kann ich ihm nicht folgen. So wirft er Attac oder Occupy Wall Street vor, sie vermuteten hinter der Globalisierung dunkle, böse Kräfte. Dohnanyi weiß selbst genau, dass das nicht zutrifft, sondern dass sehr reale konkrete Kräfte am Werk sind, nämlich Banken, Finanzinvestoren und große Konzerne. Das geschieht auch nicht im Geheimen, sondern ganz offen.

Der zweite Punkt ist noch schwerwiegender. Dohnanyi sagt richtigerweise, dass die Demokratie in ihrer heutigen Form die Globalisierung nicht aufhalten, aber gestalten könnte, wenn sie doch nur wollte. Im nächsten Satz sagt er dann, die Gegenbewegung dieser Art der Globalisierung entwickele antidemokratische Züge. Dabei ist es genau anders herum, die jetzige Form der Globalisierung ist in weiten Teilen antidemokratisch und die sozialen Bewegungen versuchen ja gerade mehr demokratische Gestaltung zurückzugewinnen. Von einem Sozialdemokraten hätte ich solche Aussagen nicht erwartet. Ewald Kleyboldt, Traunstein

Protest als legales Mittel

Gewalttäter haben in Hamburg Polizisten angegriffen und sich an Zerstörung berauscht. Darüber soll berichtet werden, die Ursachen müssen ermittelt, die Täter bestraft werden. Aber leider bekamen und bekommen diese Kriminellen von Politikern und Medien zu viel Aufmerksamkeit. So sind es vor allem Bilder der Gewalt, die vom Hamburger Gipfel in Erinnerung bleiben. Dies motiviert Chaoten zu weiterer Gewalt, schadet unserem Staat und der Demokratie, nützt der AfD und verdrängt andere dringend zu lösende Probleme.

Beinahe vergessen sind dem gegenüber die spärlichen Gipfelergebnisse, und dass zigtausende Bürgerinnen und Bürger aus allen Bevölkerungsschichten in Hamburg friedlich protestiert haben, zum Beispiel für gesunde Umwelt und Klimaschutz, für gerechte Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, für eine bessere Regulierung der Finanzmärkte und faire Wirtschaftsabkommen, für Frieden schaffen ohne Waffen.

Warum wurde und wird über die friedlichen Demonstrationen so vieler Menschen und ihre Anliegen weniger berichtet als über die Zerstörungen von Gewalttätern? Der G-20-Gipfel in Hamburg hat es uns doch wieder bewusst gemacht: Die oben genannten Probleme können/wollen Politiker alleine nicht lösen. Bürger und Bürgerinnen müssen sich dafür einsetzen. Nicht Gewalt, sondern friedlicher Protest ist dafür ein legales Mittel, dem in einem demokratischen Staat mehr Aufmerksamkeit gebührt. Karl Ludwig Biggel, Friedrichshafen