Sechs weitere Hochschulen sind zu "Elite-Unis" gekürt worden. Das ist zu viel des Guten und weckt den Verdacht, dass man es aus regionalpolitischen Gründen möglichst vielen recht machen wollte. Wichtiger ist jedoch, dass der Exzellenz-Wettbewerb langfristig fortgesetzt wird.
Was geschähe, wenn sich heute ein Rektor vor die Studenten und Professoren seiner Hochschule stellte und ihnen zuriefe: "Die Universität ist die wichtigste Anstalt und das Heiligste, was das Menschengeschlecht besitzt." Würde er ausgelacht, ignoriert oder für verrückt erklärt werden? Niemand traut sich mehr, in so hohem Ton den Geist der Universität zu beschwören, und die moderne Nüchternheit hat gewiss ihre guten Seiten.
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Aber die Worte, die Johann Gottlieb Fichte sprach, als er sein Amt als erster gewählter Rektor der Berliner Universität antrat, sind noch immer ergreifend. In ihnen steckt eine Leidenschaft für das akademische Leben, die nicht verloren gehen darf im Wandel der Zeiten.
Am 19. Oktober 1811 hielt der Philosoph Fichte seine Rektoratsrede. Humboldts Universitätsgründung nahm Gestalt an, es war der Beginn einer großen, wenn auch oft verklärten Ära der Wissenschaft in Deutschland. Nun, 196 Jahre später, wieder an einem 19. Oktober, setzt das Finale des Exzellenz-Wettbewerbs die Zeichen für einen neuen Aufbruch.
Er ist nötig, um Schwung in die alte Institution zu bringen. Die Hochschulen sind ja nicht heilig im Sinne einer Unantastbarkeit. Die Exzellenzinitiative trägt dazu bei, dass sie sich auf ihre unterschiedlichen Stärken konzentrieren und zumindest einige deutsche Unis für die weltweit besten Forscher attraktiv werden oder attraktiv bleiben.
Elite sein, ohne Dünkel
Der Wettbewerb setzt die Professoren aber auch unter Stress, er erzeugt Gewinner und Verlierer. Dass ausgerechnet die Humboldt-Uni leer ausgeht, hat etwas Tragisches. Die Erbin der alten Berliner Universität, die in den Zeiten von Fichte, Hegel und Helmholtz zum Inbegriff einer modernen Hochschule wurde, hat ihre frühere Kraft noch nicht wiedererlangt. Sie musste sich nach dem Fall der Mauer neu organisieren, intern gibt es immer wieder Zwist. Zum Trost: Auch in den Gründerjahren war es nie leicht. Fichte trat schon bald als Rektor zurück, entnervt von Händeln der Studenten und Konflikten mit den Professoren.
Auch wenn dieser Prozess schmerzlich ist: Der Wettbewerb unterstützt die notwendige Differenzierung der Hochschullandschaft. Zu lange wurde so getan, als seien alle Universitäten gleich (gut).
Zu lange herrschte im deutschen Bildungssystem eine verkehrte Welt: Schon früh werden Kinder auf verschiedene Schulformen aufgeteilt, wodurch vielen die Chance auf eine gute Bildung genommen wird. Doch ausgerechnet da, wo es sinnvoll und zumutbar ist, nämlich bei den Hochschulen, Studenten und Wissenschaftlern, gibt es eine Scheu, strenger nach Leistungen zu unterscheiden.
Es geht nicht darum, eine dünkelhafte Elite hervorzubringen. Noch immer stimmt Adornos Satz, man möge in Gottes Namen Elite sein, aber niemals dürfe man als solche sich fühlen. Es geht darum, guten Forschern die besten Bedingungen für ihre Arbeit zu verschaffen. Es sind eben nicht alle 100 Unis gleich großartig, und unter den mehr als 30.000 Professoren des Landes gibt es viele, von denen man sich überhaupt einmal wieder einen Beitrag zur Forschung wünschte.
So teuer wie der Transrapid
Jahrzehntelang dümpelten die Hochschulen vor sich hin, man begann sich damit abzufinden, dass sie ihre internationale Klasse verloren hatten. Zu wenig Geld, zu wenig Professoren und eine lähmende Staatsbürokratie: Die Universitäten sind "im Kern verrottet", urteilte Dieter Simon, der frühere Chef des Wissenschaftsrats, Anfang der neunziger Jahre.
Mittlerweile lässt der Staat den Unis mehr Freiheit, er gibt ihnen mit der Exzellenzinitiative auch etwas mehr Geld. Die Summen, die da verteilt werden, sind eine Wohltat für die Forscher, auch wenn die Dimensionen weiterhin bescheiden sind; 1,9 Milliarden stehen für den gesamten Wettbewerb bereit. Die Summe entspricht etwa den veranschlagten Kosten für die Transrapid-Strecke in München.
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Umweltstiftung WWF in der Kritik
Was heißt denn "sogar Göttingen und die FU?" über Göttingen kann ich nicht viel sagen, aber wie viele andere bin ich Mitte der achtziger Jahre an die FU gegangen, weil es nirgendwo sonst eine derartige Konzentration an guten (und anwesenden) Dozent/innen in den Geisteswissenschaften gab. Zwar war es ein Massenbetrieb, aber ein hochkarätiger, und man atmete dank vieler Gäste aus dem Ausland die Luft der weiten Welt.
"Zitat schwagalla: "Ultra-Elite: Mein Vorschlag: Jetzt, da sogar Göttingen und die FU ELITE sind, sollte Herr Winnacker den nächsten Wettbewerb ausloben, z.B. die ULTRA-Elite-Uni. Denn wenn erst mal alle Unis (z.B. Pusemuckel) Elite-Unis sind muss man weiter differenzieren. Dann kämen im nächsten Wettbewerb die Hyper-Ultra-Unis dran."
Phantastischer Vorschlag. Eine hierarchische Gliederung der Unis kommt einem Klassen- und Obrigkeitsdenken ohnehin sehr entgegen, das in der letzten Zeit viel zu wenig kultiviert wurde.
Eine solche Staffelung würde es auch ermöglichen, die dringend notwendige weitere Verzahnung und Kooperation von Uni und Wirtschaft weiter voranzutreiben: An eine Hyper-Ultra-Uni dürften dann nur Kinder von Vätern oder Müttern, die einen Vorstandsposten in einem größeren Unternehmen innehaben oder deren Kapitalbesitz einen höheren Millionenbetrag überschreitet.
Ein eventuell stark unterdurchschnittlicher IQ eines Studienanwärters kann durch diskrete Spende eines entsprechenden Geldbetrages an die Hyper-Ultra-Uni ausgeglichen werden, wobei sich die Höhe der Spende direkt in eine entsprechende Aufbesserung der persönlichen Klausurergenisse übersetzt.
Deutschland wird fit für die Zukunft !"
Hier kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Wozu gibts schliesslich die "Alumni"-Vereine, die an jeder Uni wie Unkraut aufspriessen? Was die Amis vorgemacht haben können wir schließlich auch. Es ist völlig klar: Mit dem Elite-Programm, addiert durch hyper- und Ultra-Netzwerke, geleitet durch Komissionen, die sich durch "total e-quality" auszeichnen und alle wichtigen Personen (natürlich auch Leitbild- und Gleichstellungsbeauftragte) beinhalten wird es uns innerhalb kurzer Zeit (maximal 5 Jahre) gelingen, Harvard & Co. zu überholen!
ELITE IST GEIL!!!
Das in Deutschland ausgewählte Universitäten für ihre Leistungen mit einem besonderen Prädikat ausgezeichnet und hervor gehoben werden finde ich schon in Ordnung. Da aber Bildung und Forschung an sich,also wenn es nicht realisiert wird, totes Kapital darstellt,stellt sich doch die Frage, wie Bildungsergebnisse in die Praxis umgesetzt werden. Dieses Problem erscheint mir in Deutschland wesenlich Lösungsbedürftiger zu sein, als die Bennung von Eliteschulen.Beispiele wie Forschergeist in Deutschland nicht in die Praxis umgesetzt wird gibt es genügend. Wenn sich auf diesem Gebiet nichts ändert, dann brauchen wir auch keine Eliteschulen..Seit Jahren verfolge ich ein solches konkretes Problem.Da gibt es ein Forscherteam, das aus Pflanzenfasern neuartige Werkstoffe herstellen kann die bisher aus Erdöl produziert werden. Nach Prüfung der Unterlagen durch das Wirtschaftsministerium Sachsen Anhalt zu Zeiten des Wirtschaftsminister Dr. Rehberger, steht fest, das bei einer Produktion jährlich rund 200 Mio.Euro an Steuereinnahmen erwirtschaftet würden,sowie rund 700 Arbeitsplätze in Deutschland und über 1000 in Ghana entstehen würden.Desweiteren würden sich zahlreiche Impulse für die weitere Forschungsarbeit auf diesem Gebiet ergeben.Das Land Sachsen-Anhalt welche die Angelegenheit 2005/06 für Förderfähig hielt, verlangt aber den Nachweis des Eigenkapitales in Höhe eines zweistelligen Millionen Betrages.Ja, wer hat denn so viel Geld als Normalsterblicher zur Verfügung?
Am 27.März 2007 sprach ich in einer öffentlichen Veranstaltung in Lutherstadt Eisleben den anwesenden ehemaligen Wirtschaftsminister Dr.Rehberger zu dieser Problematik an. Seine Antwort war, das es für so ein Projekt immer finanzielle Möglichkeiten gibt,gerade in Sachsen-Anhalt und er werde sich jetzt um eine Lösung bemühen. Herr Dr.Rehberger ist jetzt als Unternehmensberater tätig. In der Zwischenzeit interessieren sich nun chinesische Unternehmen für diese Forschungs -ergebnisse.Warum kann es nicht möglich sein,das zukunftsichere Forschungs- ergebnisse eben weil diese sehr Kapitalintensiv sind, in vorübergehende halb -staatliche Unternehmen realisert werden und in Bildungseinrichtungen dazu zielgerichtet Personal ausgebildet wird. In Deutschland gibt es genügend Bildungseinrichtungen die am Markt vorbei Arbeitslose etc. umschulen und Mil
Wohin führt diese Initiative? Dass, ähnlich wie: der hat ja nur ein Hessen-Abi, meins ist aber aus Bayern, jeder Absolvent einer Nicht-Elite-Uni mit einem minderwertigen Abschluss bei der Industrie für billiges Geld die Drecksarbeit machen darf? Dass die von Gottes Gnaden ohnehin in die Elite hineingeborenen späteren Spitzenführungskräfte auf ihre paar Semester in Harvard verzichten werden? Muss man sich nicht von vornherein im Klaren sein, dass bei den vorzunehmenden Neuausrichtungen der Unis auf einen schmalen Bereich, der für die Exzellenzinitiative aufgebrezelt wird, viel mehr beachtenswerte Spitzenleistungen motivierter Professoren aus anderen Disziplinen schon vor der Geburt zu Grabe getragen werden? Dieses System schafft mehr Verlierer als Gewinner, zumal man ein Hauptübel nicht mit einplanen will: die Anfälligkeit der Entscheidungsträger in Politik und Wissenschaft für die Eitelkeit, die eine objektive Auswahl mit Sicherheit verhindern wird.
übrigens: hat die Eliteförderung früher nicht die Industrie in eigenem Interesse betrieben? Wo doch alle, insbesondere die Industrie von der Notwendigkeit, die Forschung im Land zu halten, weiss. Wieso muss jetzt Vater Staat die Mittel bereit stellen, trotz Unternehmens- steuerreform?
Was eigentlich reitet die SZ-Online-Redaktion, dieses Thema in der Rubrik "Karriere"
unterzubringen?
Die Berichte ueber die Exzellenzinitiative gehoeren zu "Forschungspolitik",
weshalb sie doch wohl in den Bereich "Wissen" gehoeren, wo auch andere
Wissenschaftsthemen behandelt werden.
Um Karriere-Tips fuer Studenten geht es hier kaum. Oder stellt man sich vor,
ein Summa-cum-laude-Doktorand schaue in einer Zeitung nach, wo er die Elite
der Forscher seines Fachgebiets finden kann?? "Karriere-Tips" aus dem Wirtschaftsteil
einer Zeitung sind wohl das letzte, was einem ernsthaften Nachwuchs-Wissenschaftler der
Spitzenklasse nuetzlich sein kann.
Im uebrigen: Wer beispielsweise Mathematik studiert, wird in Bonn, Leipzig oder auch
Muenster und noch anderswo Gelegenheit haben, Vorlesungen bei Professoren von
Weltrang zu hoeren. Alles keine "Elite-Hochschulen" gemaess "Exzellenz-Initiative.
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