Karl-Ludwig Laugwitz ist Professor für Molekulare Kardiologie an der TU München und dem Deutschen Herzzentrum, zuvor forschte er an der Harvard Medical School:
"Neben privaten Gründen hat mich vor allem eines bewogen zurückzukommen: Ich wollte auch klinisch tätig sein. Das amerikanische System ist für Ausländer da sehr restriktiv. Ich hätte Teile meiner Ausbildung wiederholen müssen und so etwa vier Jahre verloren. In der Forschung war ich in Boston als Assistant Professor mein eigener Herr und hierarchischen Strukturen weit weniger ausgesetzt, als man es in Deutschland ist. Ich hatte ein eigenes Budget und eigene Mitarbeiter. Das fehlt bei den gängigen W2-Stellen für die jüngeren Professoren in Deutschland.
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Die Universitäten müssten den jungen Leuten - zusätzlich zu einem besseren Gehalt - Geld als Anschubfinanzierung geben, damit sie über einige Jahre eine kleine Arbeitsgruppe davon bezahlen können. Der Forschernachwuchs muss damit die Möglichkeit bekommen, neue, auch risikoreichere Themenkomplexe zu bearbeiten, abseits der ausgetretenen wissenschaftlichen Pfade. Diese Risikobereitschaft ist in den USA viel ausgeprägter.
Weiterhin bedarf es besserer Möglichkeiten, klinische Praxis und theoretische Forschung in der Medizin zu verbinden. In Deutschland ist für die meisten, gerade auch für den Nachwuchs, die Klinik ein Fulltime-Job und die Wissenschaft eher ein Feierabendvergnügen.
In den USA dagegen sind junge Ärzte schon während ihrer Ausbildung längere Zeit freigestellt, um in der Forschung weiterzukommen. Wie attraktiv Deutschland in wissenschaftlicher Hinsicht sein kann, hängt von dem Gebiet ab, auf dem man arbeitet.
Was die embryonale Stammzellforschung angeht, mein Spezialgebiet, ist die Harvard Medical School eine Art Mekka und sicher ein besseres Pflaster als eine Hochschule in Deutschland mit seiner restriktiven Gesetzgebung. Allerdings ist München innerhalb Deutschlands ein attraktiver Standort für die Grundlagenforschung."
(SZ vom 30.8.2006)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet