Die Bewerbung um einen Studienplatz wird ab dem kommenden Wintersemester vereinheitlicht. Darauf haben sich Bund, Länder und Hochschulen geeinigt.

Bund, Länder und Hochschulen wollen noch in diesem Jahr Studienanfängern ein Zulassungschaos ersparen. Sie legten am Dienstag in Berlin den 15. Juli als einheitlichen Bewerbungsschluss für das Wintersemester 2009/10 fest. Studierwillige, die bis Mitte August keinen Zulassungsbescheid haben, können sich ab Anfang September erstmals in einer Internetbörse über noch freie Plätze informieren und sich dann unmittelbar bei den jeweiligen Hochschulen bewerben.

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Voller Hörsaal: Das Zulassungschaos ist entstanden, weil sich Schulabgänger an vielen Universitäten parallel bewerben. (© Foto: dpa)

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Wegen Vermittlungsproblemen waren an deutschen Hochschulen allein im Wintersemester 2008/2009 in Fächern mit Zulassungsbeschränkung tausende Studienplätze für Erstsemester freigeblieben. Das Zulassungschaos war entstanden, weil sich Schulabgänger an vielen Universitäten parallel bewerben, dann mehrfach zugelassen werden und später ihre Bewerbung zurückziehen.

Nach einem Treffen mit Hochschulrektoren aus den 16 Bundesländern sowie Vertretern der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan, es sei ein grundsätzlicher Konsens für ein Übergangsverfahren erzielt worden.

Ansturm auf die Hochschulen

Darüber hinaus solle voraussichtlich ab dem Wintersemester 2011/12 eine neue Serviceagentur bei der Vermittlung von Studienplätzen helfen. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) werde in der heutigen Form nicht mehr weiter bestehen.

Für den Aufbau der neuen Agentur stelle die Bundesregierung zehn Millionen Euro zur Verfügung, sagte Schavan. Die ZVS könne Vorschläge sowohl für die Internetplattform als auch für die geplante Serviceagentur vorlegen. "Sonst macht es jemand anderes", sagte die CDU-Politikerin. HRK-Präsidentin Margret Wintermantel erklärte, in Deutschland sei "das modernste Zulassungsverfahren überhaupt" geplant.

Studienwillige könnten künftig in einem dialogorientierten Verfahren den Lauf ihrer Bewerbung verfolgen. Ein solches Serviceverfahren sei auch nötig angesichts des erwarteten Ansturms auf die Hochschulen. Wegen der Schulzeitverkürzung machen in den kommenden Jahren Schüler nach 13 und nach 12 Jahren Abitur.

Viele Studienplätze bleiben unbesetzt

Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, sagte, auf jeden Fall müsse künftig verhindert werden, dass Studienplätze unbesetzt blieben. Die genaue Prüfung der geplanten Serviceagentur verteidigte er mit den Worten, dass man den "Hochschulen nicht abverlangen könne, ein suboptimales Produkt zu kaufen".

Nach einer Umfrage des Handelsblatts sind im Wintersemester 2008/2009 tausende Studienplätze für Erstsemester freigeblieben. Besonders groß sei die Lücke etwa in Frankfurt am Main: Die Goethe-Universität konnte demnach im Wintersemester 807 Plätze in zulassungsbeschränkten Fächern nicht besetzen - das waren rund 19 Prozent ihrer Kapazität. Sogar mehr als 30 Prozent blieben beispielsweise in den Fächern Wirtschaftspädagogik oder Biologie frei.

Auch an der TU Dresden sind die Erstsemesterplätze dem Blatt zufolge lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. Fast 500 Plätze blieben ungenutzt. "Hier muss künftig die Festsetzung einer Zulassungsbeschränkung grundsätzlich überdacht werden", räumte der Sprecher der Dresdener Universität ein.

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(ap/bön)