Die Finanzkrise verändert die Vergütungssysteme - und das nicht nur im Top-Management: sieben zentrale Gehälter-Trends.
John Thain hoffte, mit seiner Masche durchzukommen. Der Chef der US-Investmentbank Merrill Lynch war der Ansicht, er habe sein Institut vor der Pleite bewahrt, weil er es im September bei der Bank of America unterbrachte. Deshalb habe er auch den Bonus für 2008 verdient: zehn Millionen Dollar. Als das vor einiger Zeit bekannt wurde, gab es in der US-Öffentlichkeit einen wütenden Aufschrei, dem sich Thain beugen musste. Er verzichtete kleinlaut darauf.
Lohntüte: Sitzprämien gehören der Vergangenheit an. (© Foto: dpa)
Anzeige
In Zeiten, in denen Banken hunderte Milliarden Steuergelder brauchen, sind Millionen-Boni für die Chefs nicht mehr zu vermitteln. Der Fall Thain ist ein plakatives Beispiel dafür, wie die Finanzkrise die Bezahlung der Beschäftigten verändert. Generell gibt es derzeit einen Umbruch in der Vergütung - und er betrifft nicht nur Top-Manager. Sieben wichtige Trends zur Zukunft der Entlohnung:
1. Der Abschied von der Sitzprämie
Früher war es in vielen Branchen so wie bei den Beamten: Wer als junger Mensch einen Job antrat, konnte sich ausrechnen, in welchem Alter er in welche Hierarchiestufe befördert würde und wie viel er dann verdiente. Das galt vor einigen Jahrzehnten zum Beispiel auch noch für Siemens-Ingenieure. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, selbst Beamte haben inzwischen flexiblere Entlohnungssysteme. "Es gibt keine Sitzprämie mehr; nicht das Alter, sondern die Leistung entscheidet über den Aufstieg und damit auch über eine höhere Vergütung", sagt Michael Kramer, Bereichsleiter Vergütungsberatung bei Kienbaum.
2. Die Analyse der Arbeitsplatzes
Der traditionelle Tarifvertrag schreibt fest, für welche Ausbildung es in welchem Berufsjahr wie viel Lohn und Gehalt gibt. Dieses Modell ist in den vergangenen Jahren schon ins Wanken geraden. Eine Vorreiterbranche war die Metall- und Elektroindustrie, die sich vor ein paar Jahren auf ein neues Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) einigte: Es regelt, wie viel der Betrieb für eine bestimmte Tätigkeit bezahlt. Basis ist nicht mehr die Person, sondern der Job. "Unternehmensleitung und Betriebsrat analysieren mit Hilfe eines Kriterienrasters gemeinsam den Arbeitsplatz, bestimmen den Stellenwert und ziehen sich dann das entsprechende Gehalt aus den Entgelttabellen", sagt Kienbaum-Experte Kramer. Dieser Stellenwert richtet sich nach der Qualifikation, die für den jeweiligen Job nötig ist - Ausbildungsniveau, Berufserfahrung, Arbeitsbelastung und die Kompetenz zur Problemlösung.
Auf der nächsten Seite: Das Gewicht der Leistung, Zielvereinbarungen und die richtigen Erfolgsanreize
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Gehaltserhöhung Die Kunst des Bittens 14.08.2008
- Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch Darf es ein Dienstwagen sein? 21.10.2008
- Gehälter Wer hat, dem wird gegeben 26.08.2008
- Gehälter im Vergleich So viel verdient der Nachbar 23.07.2008
- Gehaltsvorstellungen im Bewerbungsgespräch Weil ich es wert bin 18.09.2007
- Niedrige Bezahlung von Frauen Selbst schuld 26.03.2010
- Bruttolöhne in Deutschland Historisches Tief im Geldbeutel 03.03.2010
65. Filmfestspiele Cannes
Moin,
wie immer wird der kleine Mann verkohlt. Gehälterfrage hin oder her, es gibt Berufe, die sind wichtig für die Gemeinschaft und das Gemeinwohl. Wenn diese Berufe dementsprechend vergütet werden, kann ich das noch nachvollziehen. Ich kann auch nachvollziehen, wenn ein Mensch für eine Arbeit, die entsprechende Qualifikationen notwendig macht (Abitur, Studium, Weiterbildung), mehr Geld erhält, als jemand, der Kisten von A nach B schleppt. Eines wird bei der Gehälterfrage komplett vergessen. Weiß denn keiner, dass es für ALLES einen Gewöhnungseffekt gibt. Das (AN)Reize sich abschleifen, wenn sie einmal erreicht wurden? Die Folge sind neue, höhere Anreize für dieselbe Arbeit. Man sieht es anhand der ausufernden Managergehälter und der teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Indien, Afrika oder Asien. Mittlerweile schwappt diese divergente Entwicklung auch nach, und das ist für mich das wirklich unfassbare, Deutschland. Also, es gibt keinen Grund für diese Ausuferungen. Es gibt keinen Grund, dass sich die Erde immer schneller drehen muss. Es gibt genug Know-How und Produktivität, um hier jeden satt zu machen. Ich kann nur hoffen, dass einige diese Reizüberflutung erkennen werden und dementsprechend handeln. Als weiteres Beispiel möchte ich die mittlerweile äußerst aggressive Werbung heranziehen, die uns nur eins vermitteln soll: Kauft! Werbung war in den 50ern und 60ern so konstruiert, dass sie die praktischen Vorteile, die Produktivität, Langlebigkeit und Qualität eines Produktes anprieß. Wie sieht Werbung mittlerweile aus? Genau... Bewahren sie sich ihren übergeordneten Blick und lassen sie sich nicht durch "Quasiaktualität" aus dem Gesamtzusammenhang "entführen".
Es heißt nicht etwa "unmoralisch", oder "unangemessen", sondern "nicht mehr zu vermitteln.".
"Millionen-Boni für die Chefs" + Millionengehälter für die Chefs + Ruhegelder i.H.v. mehreren 100Tsd. für die Chefs - sind ÜBERHAUPT NICHT zu vermitteln ...
- wenn PARALLEL die Einkommen der Belegschaft, also die Einkommen der Arbeiter und Angestellten, immer weiter abgesenkt, gekürzt und reduziert werden ...
- wenn PARALLEL immer mehr "solide" bezahlte und sozialversicherungspflichtige (!!!) Arbeitsplätze aus Kostengründen abgebaut, ausgegliedert und/oder durch - aus staatlichen Steuermitteln (!!!) "subventionierte" (!!!) - Leih- und Zeitarbeit ersetzt werden ...
Politiker, die mit der Wirtschaft so "erfolgreich" zusammenarbeiten und so eng vernetzt sind, dass sie solche einseitigen, sozialen Ungerechtigkeiten
a) in Gesetze und sog. "Reformen" gießen
und b) solchen Managervergütungen im Aufsichtsrat zustimmen -
die haben jeglichen Respekt und jegliches Vertrauen ihrer Bürger verwirkt ...
Solche Politiker und deren Parteien gehören vom Wähler entsprechend abgestraft !!!
zu messen.
Anhand welcher Kriterien? Wie werden Ziele vereinbart, wie gut (oder auch nicht) sind sie erreichbar, wie deckungsgleich sind sie mit den Zielen des Unternehmens und wie objektiv beurteilt der Beurteilende die "gemessene" Leistung? Inwieweit wurden endogene und exogene Faktoren berücksichtigt (Gesundheit, Alter, Umgebungseinflüsse wie Lärm, Hitze, Kälte, Ergonomie des Arbeitsplatzes, Betriebsklima, Organisation - die vor allem - )
Ich kenne Beurteilungssysteme sehr gut aus der Praxis und weiß um die Probleme einer gerechten Leistungsbeurteilung - diese sind bis heute nicht befriedigend gelöst,
Im Grunde funktionieren solche Beurteilungsmodelle nur unter dem allergünstigsten Umstand, wenn sich ein engagierter Betriebsrat im Unternehmen befindet, der diese zu definierenden Beurteilungsgrundsätze in eine sogenannte Betriebsvereinbarung mit dem Arbeitgeber umsetzt - und dies auch nur dann, wenn es sowohl für betroffene Arbeitnehmer als auch für den Betriebsrat fundierte Widerspruchsmöglichkeiten gibt, die notfalls eine ungerechtfertigte Beurteilung kippen kann.
Außerdem erfordern Leistungsmessungen eine permanente Überwachung auf Plausibiliät, auf korrekte Anwendung, auf Konsens (was bringt es wenn sich das Untrnehmen seine Mitarbeiter "sauer" fährt?) und auf die Vereinbarung der Interessen beider Seiten?
Meiner Meinung nach gibt es mehr Punkte die gegen Leistungsbeurteilung als Grundlage für die Gehaltshöhe sprechen als dafür.
Und nicht zuletzt wird in nicht wenigen Betrieben OHNE Betriebsrat die Leistungsbeurteilung gerne gegen mißliebige Mitarbeiter instrumentalisiert.
Da sind wir dann ja wieder in den neoliberalen Gefilden, die ja so gerne von "Leistung" und "Eigenverantwortung" und den "Leistungsträgern" handeln (diese werden ja eher für antisoziales Verhalten belohnt, wenn ein Haufen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und deswegen die Gewinne kurzfristig und wohl eher kosmetisch bedingt steigen...)
Wobei mit "Leistung" sog. Job-Enrichment bei gleichzeitigem Downgrading, Lohnkürzung und Arbeitszeitverlängerung und mit "Eigenverantwortung" Prekarisierung der Arbeitsstelle, Zeitarbeit, befristete Stellen und Mini-Jobs gemeint sind.
Die "Leistungsträger" hingegen werden dafür belohnt daß sie dafür sorgen daß es der Mehrheit (inzwischen ist das so) allmählich schlechter geht.
Tolle Errungenschaften. Wenn der neoliberal-marktradikale Finanzkapitalismus so weiter macht dann siegt er sich zu Tode. Dann wird es so wi
Zielvereinbarung sind doch im Normalfall Nebelkerzen und dienen hauptsächlich dazu, Gehälter zu drücken.
Selbst, wenn man mal alles ausklammert, was die Zielerreichung beeinflußt und selbst aber nicht zu ändern ist, so lassen sich in den allerwenigsten Fällen überhaupt konkrete und messbare Ziele vereinbaren.
Es mag vielleicht bei einem Vertriebler noch möglich sein, Stückzahl und Umsatz als Ziele vorzugeben. Bei vielen anderen Stellen ist die Zielvereinbarung nicht das Papier wert, auf dem sie steht.
Eine typische Vereinbarung bei einen Ingenieur bei mir in der Firma ist, "das Projekt erfolgreich zuendebringen". Ob das Projekt erfolgreich zuende gebracht wurde, hängt dann aber nicht vom Projektende ab, sondern vom Budget der Firma für Leistungsprämien und dem, was der Vorgesetzte davon als Budget bekommt. So kann ein Projekt gegen die Wand fahren und es werden enorm viele Leistungspunkte verteilt. Ein anderes Projekt in einem anderen Jahr kann problemlos mit Unterschreitung von Zeit und Budget beendet werden, aber die Firma hat als Prämisse herausgegeben, keine Gehaltserhöhungen durch Leistungspunkte.
Paging