Zukunft der Arbeit Arbeit als Lebensaufgabe

Mehr Work-Life-Balance, die Forderung impliziert für die meisten, dass die Zeit für das Leben wieder mehr Gewicht bekommen soll, jene für den Job weniger. Aber in diesem Modell ist es wie bei einer Waage: Die Waagschalen werden niemals zusammenfinden.

Was aber, wenn sich Arbeit und Leben verschränken? Wenn der Mensch die Arbeit als Leben begreift, die Lebensaufgabe in der Arbeit sieht? Das betrifft nicht nur Künstler oder Unternehmer, die mit Leidenschaft ihre Geschäfte verfolgen. Auch wer eine Familie versorgt, arbeitet so - unentgeltlich zwar, aber dafür im Notfall rund um die Uhr. Er ist verantwortlich dafür, dass alle satt und versorgt sind, die Wohnung aufgeräumt, das Einkommen gesichert ist.

Die Chancen sind groß, dass die Arbeitswelt von morgen der Agrargesellschaft von einst mehr ähneln wird als der Industrie- und Büroarbeitergesellschaft von heute. Dass der Arbeitnehmer nicht mehr seine Zeit verkauft, sondern seine Leistung. Dass nicht mehr die Stunden, die Tage, die Jahre zählen, die abgeleistet werden, sondern die Ergebnisse. So wie in der Landwirtschaft müssen die Aufgaben in Beruf und Familie erledigt werden - aber wann und wie das geschieht, wer diesen und wer jenen Teil übernimmt, das liegt in der Verantwortung des Einzelnen oder der Gemeinschaft, in der er lebt. Neue Technologien machen das zunehmend möglich.

Es wird mehr Gestaltungsfreiheit geben, aber weniger Feierabend. Und der 90-Jährige kann vielleicht nicht mehr auf drei Jahrzehnte als Rentner zurückblicken, sondern nur noch auf zwei oder eines - mit einem zweiten Karrierestart mit Mitte 50, wo es bislang ans Frühverrenten ging. Sollte der Fachkräftemangel kommen wie beschworen, wird das für solche Menschen eine schöne Perspektive sein, die heute in voller Kraft stehend ausgemustert werden würden.

Der schwäbische Werkzeugmaschinenbauer Trumpf gehört zu den ersten Unternehmen in Deutschland, die ihrer kompletten Belegschaft "maßgeschneiderte Arbeitszeiten" zubilligen. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung, erklärte den Schritt bei der Einführung des Konzepts im Mai mit den veränderten Ansprüchen der Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz. "25-jährige Hochschulabsolventen möchten anders arbeiten als 40-jährige Väter oder Mütter. Wer auf den Hausbau spart, hat andere zeitliche Wünsche als jemand, der Angehörige pflegen muss", sagte sie.

Trumpf-Mitarbeiter können von nun an alle zwei Jahre selbst entscheiden, ob sie ihre Wochenarbeitszeit erhöhen oder absenken möchten. Und bis zu 1000 Arbeitsstunden können die Beschäftigten auf ein Konto einzahlen, und später abrufen. Das Modell klingt so bestechend, dass auch die Gewerkschaften mitziehen. Schon spezialisieren sich Versicherungen darauf, Arbeitszeitkonten abzusichern, so dass ein solches Guthaben auch im Pleitefall nicht verloren geht.

Bewerbungsfoto? Natürlich in Badehose!

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