"Denglisch" ist in vielen Firmen zur Alltagssprache geworden. Einer der Hauptgründe sind die starken internationalen Verflechtungen. Für Kritiker ist es der Verfall der deutschen Sprache, Sprachwissenschaftler dagegen stehen der Entwicklung gelassen gegenüber.
(SZ vom 27.01.2001) Wir "canceln Meetings", "reporten Highlights", "briefen" unsere Kollegen - und finden schon gar nichts mehr dabei.
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Alltagssprache "Denglisch"
Das "Denglisch" getaufte Sprachmischmasch ist in vielen Firmen zur Alltagssprache geworden, längst nicht mehr nur in Multimedia-Agenturen und unter Computerexperten. Einer der Hauptgründe: immer stärkere internationale Verflechtungen.
Katharina Hölzl von der Münchner Niederlassung der Buena Vista Home Entertainment hat sich an ihren Titel "Financial Manager" schon lange gewöhnt, und auch daran, dass alle in ihrer Abteilung "Provision" statt Rückstellung sagen oder "Units" statt Stückzahl.
"Bei uns werden solche Ausdrücke sehr häufig verwendet, weil wir Pläne und Bilanzen zu unserer Mutterfirma in Amerika schicken müssen und sie gleich auf Englisch machen", erklärt Hölzl.
Überall dominiert das Englische
Aber auch in traditionellen Firmen breitet sich das Sprachgemisch aus, denn oft sind sie internationaler, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Villeroy & Boch, ein altehrwürdiger Porzellanhersteller, hat Werke in sieben Ländern und exportiert einen großen Teil der Produktion in die USA. Die Folge: Auch bei Villeroy & Boch hat das Denglisch Einzug gehalten, wenn auch nicht in allen Abteilungen.
"Unsere jungen Marketingleute, die haben teilweise ein Vokabular drauf ...", schüttelt der 60-jährige Pressesprecher Hans-Hugo Braumann den Kopf.
In fünf Minuten ist man vom Firmensitz aus in Frankreich. Doch obwohl die meisten Vertriebsleute und Manager der Firma Französisch sprechen, haben sich kaum französische Wörter in die Alltagssprache eingeschlichen: Zu stark dominiert das Englische.
Retter der deutschen Sprache
Ein Viertel der Deutschen findet die Entwicklung der Sprache "besorgniserregend", ein weiteres Drittel "teilweise bedenklich": Das stellte das Institut für Deutsche Sprache 1997 in einer Umfrage fest.
Für Rudolf Hoberg, Professor für Sprachwissenschaft und Vorsitzender der wissenschaftlich orientierten Gesellschaft für deutsche Sprache, gibt es wenig Anlass zu so viel Misstrauen: "Im Verhältnis zum gesamten Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache, aber auch im Vergleich zu anderen Fremd- und Lehnwörtern ist die Zahl der Wörter aus dem Englischen immer noch sehr gering."
Anderer Meinung ist der Verein deutsche Sprache in Dortmund, dessen Hauptdaseinszweck der Kampf gegen "überflüssige" Anglizismen ist. Trotzig gibt er auf seiner Website an, wie man ihn per "E-Post" erreichen kann.
Die größten Englisch-Ärgernisse hat der Verein auf seiner Homepage (www.vds-ev.de) aufgelistet. Spätestens hier findet der Manager so manchen lieb gewordenen Begriff wieder: Aus "basics" soll er wieder Grundlagen machen, aus "agreement" Übereinkunft, aus "feedback" Antwort oder Rückmeldung.
Von "aftershave" bis "weekend"
Doch die schiere Zahl der Wörter auf dieser Liste zeigt, auf welch verlorenem Posten der Verein kämpft: 200 Wörter, von "aftershave" bis "weekend", finden sich hier. Viele davon sind längst Teil der Alltagssprache. Nur mit sehr viel Selbstdisziplin wären sie wieder abzugewöhnen - eine Disziplin, die kaum jemand aufbringen mag.
"Auch mit Vorschriften kann man nichts ausrichten. In Frankreich gibt es Gesetze gegen fremdsprachige Wörter, aber es wird fast genauso viel aus dem Englischen übernommen", stellt Hoberg fest. Während sich selbst ernannte Hüter der deutschen Sprache über den Denglisch-Trend erregen, beobachten Sprachwissenschaftler die Entwicklung mit Gleichmut.
"Als lebende, gedeihende Sprache saugt das Deutsche neue Wörter und Begriffe ein wie ein Schwamm. Das hält sie stark und lebensfähig", findet der deutsch-neuseeländische Sprachforscher Steven Roger Fischer, dessen Buch Eine kleine Geschichte der Sprache Ende März erscheint.
Welt-Sprache und lokale Sprachen
Werden wir in ein paar Jahrzehnten im Job nur noch Englisch sprechen?
Nach Steven Roger Fisher wird Deutschland durch den Einfluss der weltweit agierenden Konzerne ein komplett zweisprachiges Land werden, ähnlich wie Holland oder Singapur: "Mehr Deutsche werden Welt-Englisch verstehen und fließend sprechen, aber zuhause wird man noch Deutsch sprechen. Es wird die eine Welt-Sprache geben und auch die ,lokalen' Sprachen. So bleibt man Teil der Konzern-Welt, doch zugleich einheimisch und unter sich. "
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