Zufriedenheit am Arbeitsplatz Schluss mit der Würfelhusten-Einrichtung!

Wenn es darum geht, Arbeitsräume wie diese menschenfreundlich zu machen, schlafen viele Chefs.

(Foto: Jamie Choy / iStockphoto.com)

Grelles Licht, zweckmäßig und viel Resopal: Büros sind architekturfreie Zonen, geprägt von Verordnungsterror und Billigeinrichtung. Ganz schön dumm von den Chefs.

Von Gerhard Matzig

Das Neonlicht ist grell, die Luft trocken, der Kollege gegenüber schreit ins Telefon. Man kann in einem Raum produktiv sein. Oder krank werden. Je nachdem. 1390 Stunden verbringt ein durchschnittlicher Büroangestellter in Deutschland im Jahr im Büro. Bei 35 Arbeitsjahren sind das 48 650 Stunden oder durchgehend 2027 Tage. Angesichts dieser Zahlen des Statistischen Bundesamtes sollten wir die Frage stellen, ob wir unter optimalen Bedingungen arbeiten.

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"Zwischen Ausbeutung und Selbstverwirklichung: Wie arbeiten wir in Zukunft?" Diese Frage hat unsere Leser in der achten Runde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Beitrag ist Teil eines Dossiers, das sie beantworten soll. Alles zur aktuellen Recherche finden Sie hier, alles zum Projekt hier.

"Erst bauen Menschen Häuser - dann bauen Häuser Menschen", hat Albert Schweizer gesagt. Der Raum prägt uns, Architektur ist essenziell für unser Wohlbefinden. Raumpsychologen wissen das sehr genau, sie können es messen. Explizit gilt das für die Büro-Architektur. Wobei das Büro ein Habitat für Hunderte von Millionen Menschen ist. Und es werden immer mehr, denn wir befinden uns in einer Ära der Dienstleistungsgesellschaft mit einem gigantischen Bedarf an Verwaltungs- und Büroräumen.

Es geht um Milliardengewinne

Wenn es aber darum geht, diese Arbeitsräume benutzerfreundlich zu machen, schlafen viele Chefs den Schlaf der Ignoranz. Was außerordentlich dumm ist: Denn hier geht es nicht allein um eine Wohltat des Unternehmens, sondern um viel Geld. Eigentlich müssten die Bosse für diese Argumente empfänglich sein. Sie sind es aber nicht. Oder nur selten. Weitblick gehört offensichtlich nicht zur Stellenbeschreibung. Dabei geht es nicht nur darum, viele Millionen Euro zu sparen - sondern darum, viele Milliarden Euro zu gewinnen.

Womit? Mit der mitarbeiterfreundlichen Gestaltung von Büroräumen. Dafür muss die Firma kein Abenteuerspielplatz werden. Oder ein durchdesigntes Kunstwerk. Oft reicht schon: die richtige Beleuchtung. Die richtige Akustik. Die richtige Temperatur. Ein solides angenehmes, gesundes Material. Also schon mal nicht Resopal. Arbeitsplätze, die jenseits der Arbeitsstättenrichtlinien und ihres elenden Verordnungsterrors sowie schäbigster Billigeinrichtungen endlich einmal für Wohlbefinden sorgen. Die menschenfreundlich sind.

Dieses Nichtdenken grenzt an Sabotage

Es geht um das Wohl der Büroinsassen, die üblicherweise mehr Zeit in ihrer Zelle oder (so schlimmsten- wie üblichenfalls) im Großraum als zu Hause verbringen. Nine to five: Das ist so etwas wie "lebenslänglich", wenn das Büro kein Lebensraum, sondern nur ein Büro ist, das vor allem dürftig und eine architekturfreie Zone ist. "Zweckmäßig", wie das in der Sprache der Chefs heißt. Denn der Zweck ist es: nicht groß darüber nachdenken zu müssen.

Dieses Nichtdenken grenzt an Sabotage. Gut proportionierte, klug eingerichtete, intelligent belichtete und belüftete Büros, die auch Privatheit und Persönlichkeit zulassen, führen nicht nur zu zufriedenen Untergebenen. Sondern: zu produktiven und kreativen Mitarbeitern. Und das ist die wichtigste Ressource unserer Wirtschaft. Deutschland soll, gemäß einer Kampagne der Bundesregierung, ein "Land der Ideen" sein? Es ist eher ein Land ideenloser Bürochefs, die nicht in der Lage sind, für produktiven Arbeitsraum zu sorgen.

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