Heimarbeit schafft viele Freiräume, doch die muss sich der Angestellte teuer erkaufen: Bei der nächsten Beförderungsrunde hat nur der eine Chance, der sich ständig blicken lässt.
Ein grauer Schreibtisch, der verblühte Ficus und das abweisende Gesicht des Kollegen gegenüber lassen das Home Office als perfekte Alternative zum tristen Büroalltag erscheinen. Viele Unternehmen, die eine innovative Personalpolitik verfolgen, bieten ihren Mitarbeitern mittlerweile die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen.
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Doch in der Praxis bewährt sich das Modell kaum. Gerade wer innerhalb der Firma etwas erreichen will, sollte Präsenz zeigen: Laut einer Studie des internationalen Personalberatungsunternehmens Korn/Ferry übergehen Führungskräfte bei anstehenden Beförderungen Mitarbeiter, die ein Home Office haben.
Mitarbeiter sind zu Hause produktiver
Korn/Ferry befragte für die Untersuchung 1320 Chefs weltweit. 61 Prozent beurteilen demnach die Karrierechancen von so genannten Telearbeitern schlechter als die von Kollegen, die ihre Arbeit im Büro erledigen.
Dabei könnten sich die Befragten selber vorstellen, einen Teil ihrer Aufgaben von zu Hause aus zu erledigen: Ganze 77 Prozent gaben an, dies komme definitiv oder eventuell für sie in Frage.
Noch mehr Führungskräfte glauben, dass Mitarbeiter im Home Office produktiver arbeiten als im Büro - denn daheim sind sie ungestörter und konzentrierter. Doch angesichts der miesen Karrierechancen verzichten die Führungskräfte lieber auf das Büro zu Hause.
Markus Promberger, Arbeitssoziologe am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, führt die Nachteile von Telearbeitern schlicht auf ihre körperliche Abwesenheit zurück: "Wenn man sozial unsichtbar ist, wird man nicht befördert."
Wer sich selten blicken lasse, bleibe von der zwischenmenschlichen Seite der Arbeit komplett ausgeschlossen. "Arbeit besteht nicht nur darin, Aufträge entgegenzunehmen und auszuführen", erklärt Promberger. "Es braucht auch soziale Interaktion, sogar Small Talk."
Der Kontakt zwischen Vorgesetztem und Angestellten sei in einem Home Office dagegen stark reduziert. Auch die Leistungsmessung finde nicht mehr persönlich statt. "Im normalen Arbeitsleben kommt der Chef auf den Angestellten zu und fragt, warum etwas nicht funktioniert hat. Dann hat der Mitarbeiter die Chance, sich oder das Problem zu erklären." Bei Telearbeit hingegen spreche nur das Ergebnis. "Da bekommt keiner mit, dass vielleicht mehrmals das System abgestürzt ist."
Dank Blackberry ständig erreichbar
Die Autorin des Ratgebers "Kollege Ich", Gudrun Sonnenberg, kennt das Problem der sozialen Unsichtbarkeit. Sie empfiehlt, rechtzeitig zu recherchieren: "Wann sind die wichtigen Meetings? Zu den entscheidenden Augenblicken muss man präsent sein."
Sonnenberg glaubt, dass es in einigen Berufen leichter als in anderen fällt, von zu Hause aus zu arbeiten. "In Jobs mit vielen kreativen Anteilen funktioniert Home Office besser als etwa bei Ingenieuren", sagt sie. "Aber langfristig wird sich das Anwesenheitsproblem ohnehin durch die modernen Kommunikationsmittel lösen."
Dank Videokonferenzen oder Blackberry sei der Einzelne leicht zu kontaktieren oder ständig erreichbar. "Wenn man morgens schon ganz früh anfängt, sollte man gleich ein paar Emails losschicken", so Sonnenberg. So demonstriere man allen, dass man schon viel gearbeitet habe.
"Es gibt aber Chefs, die wollen jederzeit ins Büro ihrer Mitarbeiter schneien können. Dann ist ein Home Office sicher nicht zu empfehlen."
(sueddeutsche.de)
Moderne Verwaltung
Wie konnten Wirtschaftswissenschaftler jemals so einen Unsinn wie den "homo oeconomicus" in die Welt setzen, wo wir doch ständig eines besseren belehrt werden: Es gibt KEINEN raionalen Grund, warum Homeoffice-Arbeit ein Gegenargument für eine Beförderung sein sollte, wenn dabei das Ergebnis stimmt.
Ich kann mich nur wiederholen: In deutschen Betrieben (und wahrscheinlich nicht nur da) geht es immer noch viel zu sehr darum, wieviel jemand opfert und viel zu wenig darum, welchen Nutzen jemand wirklich stiftet. So werden die Chefetagen zu solidarischen Gemeinschaften von Menschen, die keinerlei vernünftiges Privatleben haben und Freitag abends um 9 Uhr gemeinsam im Büro versaute Witze reissen.
Kein Wunder, dass es Leute gibt, die von sich sagen, dass sie nur Karriere gemacht haben, weil sie in ihrer Ehe so unglücklich waren. Gleich und gleich gesellt sich eben gern...
gabs im Archiv wirklich kein passenderes Bild ? oder soll das Klischee verstärkt werden, Heimarbeit ist was für Muttchen, damit sie zwischen Herd und Kindern pendeln kann ? Alle Heimarbeiterinnen, die ich kenne, haben einen Schreibtisch.