Der kräftige Aufschwung am Arbeitsmarkt ist auch auf den Boom bei der Zeitarbeit zurückzuführen. Doch einige Firmen missbrauchen sie zur Kostensenkung.

Der kräftige Aufschwung am Arbeitsmarkt ist auch auf den Boom bei der Zeitarbeit zurückzuführen. "Arbeitnehmerüberlassung" oder auch "Personalleasing", wie es offiziell heißt, gibt es in Deutschland schon seit den 60er Jahren. Richtig in Fahrt kam die Branche aber erst in den vergangenen zehn Jahren: Seit Ende der 90er Jahre hat sich die Zahl der Beschäftigten in Zeitarbeitsverhältnissen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) mehr als verdoppelt. Inzwischen sind mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland in diesem Bereich tätig.

Zeitarbeit, dpa

Zeitarbeit: Zunächst war sie vor allem ein Tätigkeitsfeld für Hilfskräfte, doch mittlerweile steigt auch die Zahl der Höherqualifizierten. (© Foto: dpa)

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Konkret heißt das, betroffene Beschäftigte sind bei einer Zeitarbeitsfirma fest angestellt und werden anderen Unternehmen zur Arbeit überlassen. Der Zeitarbeitsmarkt hat sich in der letzten Zeit stark gewandelt. Zunächst war er vor allem ein Tätigkeitsfeld für Hilfskräfte, doch mittlerweile steigt auch die Zahl der Höherqualifizierten. Akademiker machen nach Angaben der Arbeitsagentur derzeit etwa sieben Prozent aus. Auffallend sei außerdem, dass immer mehr Arbeitslose die Zeitarbeit als Gelegenheit für den Wiedereinstieg ins Berufsleben nutzten.

Instrument der Flexibilität

Unterm Strich entwickelt sich die Zeitarbeitsbranche zu einem Spiegelbild des heutigen Arbeitsmarkts, denn der Kundenstamm der Zeitarbeitsfirmen setzt sich laut BA aus nahezu allen Branchen zusammen. Eine "gewaltige Dynamik" bei der Zeitarbeit hat auch Reinhard Dombre, Tarifexperte beim Deutschen Gewerkschaftsbund, festgestellt. So hätten viele Unternehmen Zeitarbeit als Instrument der Flexibilität genutzt, manche diese Beschäftigungsform aber auch bloß zur Kostensenkung eingesetzt. Auch andere Gewerkschaften warfen zuletzt Unternehmen einen Missbrauch der Zeitarbeit vor. Die IG Metall kündigte zudem unlängst eine Kampagne unter dem Titel "Gleiche Arbeit, gleiches Geld" in den Betrieben an.

Bewusst oder unbewusst setzen viele Zeitarbeitnehmer auf den sogenannten Klebeeffekt: Davon spricht man, wenn ein Leiharbeiter die Firma so sehr von sich überzeugen konnte, dass er bei ihr fest angestellt wurde. "Allerdings ist der Klebeeffekt bei Zeitarbeit nicht so hoch, wie häufig behauptet wird", sagt Dombre.

Anspruch auf bezahlten Urlaub

Bei der Zeitarbeit gilt generell, dass die wesentlichen Arbeitsbedingungen, auch die Bezahlung, denen eines vergleichbar eingesetzten Mitarbeiters des Leihunternehmens entsprechen müssen. Allerdings wird in Tarifverträgen, die neben der Bezahlung auch Urlaub oder Arbeitszeit regeln, von diesem Gleichheitsgrundsatz abgewichen. Bei zuvor arbeitslosen Zeitarbeitnehmern kann diese Grundregel vorübergehend umgegangen werden. Solchen Beschäftigten darf in den ersten sechs Wochen ein Nettoentgelt in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes gezahlt werden.

Zeitarbeitnehmer haben einen Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Firmen leisten im Rahmen der üblichen Arbeitgeberpflichten Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

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(ap/bön)