Von Sibylle Haas

Adelheid Reik versucht, über eine Zeitarbeitsfirma einen festen Job zu finden - gelungen ist ihr das bisher nicht.

Manchmal fühlt sie sich ausgegrenzt und degradiert. "Man gehört nicht wirklich dazu, ist Mitarbeiterin zweiter Klasse", sagt Adelheid Reik. Die 45-Jährige ist Zeitarbeitnehmerin und arbeitet somit in einer Branche, die seit Jahren wächst. Die Firmen bedienen sich gerne der Zeitarbeitnehmer, die sie schnell wieder loswerden, wenn die Aufträge zurückgehen. Auftragsspitzen seien "typische Bedarfsfälle", heißt es beim Bundesverband Zeitarbeit (BZA). Dort ist auch Reiks Arbeitgeber Mitglied, die zum niederländischen Personaldienstleister USG People gehörende Creyf's.

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Zeitarbeiterin Adelheid Reik arbeitet für 9,37 Euro brutto in der Stunde. Was sie als Festangestellte verdienen würde - darüber denkt sie lieber gar nicht erst nach. (© Foto: A. Heddergott)

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Bei Adelheid Reik dauerte der "Bedarfsfall" zwei Jahre, und das ist gar nicht so selten. Denn im Tarifvertrag, den der BZA mit der Tarifgemeinschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) geschlossen hat, heißt es explizit: "Der Arbeitsvertrag kann ... bis zu einer Gesamtdauer von zwei Jahren auch ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes befristet werden. Innerhalb dieser Zeitspanne kann das Arbeitsverhältnis bis zu viermal verlängert werden."

So war es bei Adelheid Reik. Den ersten befristeten Arbeitsvertrag mit Creyf's schloss sie im Juni 2003. Erst zwei Jahre später wurde sie dort fest angestellt. In der ganzen Zeit war sie für den gleichen Autohersteller im Einsatz, zunächst als Sekretärin und kaufmännische Sachbearbeiterin in der IT-Abteilung, später führte sie das Büro eines EDV-Projekts. "Es ist nicht unüblich, dass Firmen Mitarbeiter nachfragen, die sie schon kennen", erklärt Brigitte Zanger, die Leiterin der Münchner Niederlassung von Creyf's.

Bei den Gewerkschaften stößt derlei Vorgehen auf Widerstand. "Immer mehr Betriebe gehen dazu über, mit Zeitarbeitskräften tariflich beschäftigte Stammarbeitskräfte dauerhaft zu ersetzen", kritisiert die IG Metall. Oft verdienten Zeitarbeitnehmer viel weniger als Festangestellte, trotz gleicher Tätigkeiten und Leistungen. "Es kann keinen gesellschaftlichen Konsens für Beschäftigte erster und zweiter Klasse geben", fordert Detlef Wetzel, der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen.

Für Adelheid Reik ist der Einsatz bei dem Autobauer im Dezember 2006 zu Ende gegangen. Im März wird sie als Assistentin des Geschäftsführers bei einer kleineren Telekomfirma arbeiten. Ihrem Chef bei der Autofirma ist sie dankbar. "Es hat mich aufgebaut, dass er mir immer wieder gesagt hat, wie sehr er meine Arbeit schätzt. Das habe ich als ideellen Wert gesehen", betont sie.

Viel Geld bekommt die gelernte Industriekauffrau für ihre Arbeit nicht. Seit diesem Jahr verdient sie 9,37 Euro brutto in der Stunde, ist eingruppiert in der Entgeltgruppe 3 des Tarifvertrags für die Zeitarbeit. Reik wurde ziemlich weit unten eingestuft. Sie macht damit Arbeiten, die Kenntnisse erfordern, für die man eine Berufsausbildung braucht. Das meiste Geld, nämlich 16,69 Euro brutto in der Stunde, gibt es für Tätigkeiten, die ein Hochschulstudium erfordern. Das ist Entgeltgruppe 9.

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