Zeitarbeit: 2,71 Euro Lohn "Das ist Sklaverei"

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren

Laut Gesetz liegt Lohnwucher dann vor, wenn die Vergütung in auffälligem Missverhältnis zur Arbeitsleistung steht. Zudem muss die Vergütungsvereinbarung unter Ausnutzung einer Zwangslage, der Unerfahrenheit, eines Mangels an Urteilsvermögen oder einer erheblichen Willensschwäche zustande gekommen sein.

Lohnwucher wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe betraft, in schweren Fällen kann sie bis zu zehn Jahre betragen. Dabei wenden die Gerichte in der Regel eine Faustformel an: Sobald der Lohn weniger als zwei Drittel des ortsüblichen Tarif beträgt, liegt Lohnwucher vor.

Wo bleiben Würde und Respekt?

Die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben mit den Zeitarbeitsfirmen einen Stundenlohn von 7,80 Euro vereinbart. Doch der wird immer wieder unterschritten. Die "Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften Zeitarbeit" etwa, hinter der Verdi Arbeitgeberstrukturen vermutet, hat sich auf einen Stundenlohn von 7,20 Euro geeinigt, Haustarife liegen zum Teil nur bei 5,20 Euro.

"Doch selbst wenn man diesen mickrigen Betrag zugrunde legt, sind 2,71 Euro eine Frechheit", sagt Dietmar Bell von Verdi. "Das ist Ausbeutung und hat mit Würde und Respekt nichts zu tun." Bell hofft, dass der Fall zu einer erneuten Debatte über Mindestlöhne führt. "Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine grundsätzliche Debatte darüber, was angemessene Bezahlung bedeutet."

Das wäre auch ganz in Abdelmajid Hadjeris Sinn. "Es geht mir nicht um mich", sagt der 58-Jährige. "Doch wenn dort tatsächlich Menschen für so einen Hungerlohn schuften, muss das ganz schnell gestoppt werden." Deshalb hat er bereits die Wuppertaler Arbeitsagentur informiert: Sie soll dem Unternehmen die behördliche Erlaubnis zur Überlassung von Arbeitnehmern entziehen. Dann müsste Gens Personalmanagement schließen. "Das wäre das Beste, was allen Arbeitssuchenden in Wuppertal passieren könnte."