Zugegeben: Das ist natürlich unangenehm, sich in der Freizeit um seinen Nachwuchs kümmern zu müssen. Offensichtlich sucht Frau Unverzagt eine Einrichtung ähnlich dem Ikea-Kinderparadies, wo man die "kleinen Tyrannen" (Zitat Unverzagt) bequem abgeben kann, wenn einem danach ist. Die Preisfrage hätte hier eigentlich gelautet: "Herr Kraus, warum gibt es eigentlich noch kein Elternhasserbuch?"

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Doch die traute sich Maybrit Illner nicht zu stellen. Leider fiel es ihr nicht ein, sich an dieser Stelle einmal nach der Rolle der Erziehungsberechtigten zu erkundigen. Niemand in der Runde verlangte im Übrigen ernsthaft, dass die sich rund um die Uhr um die Schulleistungen ihrer Kinder sorgen müssten - aber ein Marmorkuchen für das nächste Schulfest sollte durchaus mal drin sein.

Lieber von kleinen Indern reden

Stattdessen redete die Moderatorin lieber von den kleinen Chinesen und Indern, mit denen Deutschlands Kleine demnächst in Konkurrenz treten müssten. Sogar Worte wie Humankapitalschwäche kamen Illner flüssig über die Lippen. Nur Lehrer Kraus bat sie nicht um eine Replik.

Der erwies sich auch nicht immer als würdiger Vertreter seines Standes. Er prangerte den Beschleunigungswahn bei einer immer längeren Lebenserwartung an ("Irgendwann wollen wir noch die Schwangerschaft verkürzen") und brachte ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten ins Spiel - eines für die Schlauen, ein anderes für die nicht ganz so Schnellen.

Eine Ankündigung wie eine Drohung

Von DIHK-Chef Wansleben war im Laufe der Debatte nicht viel zu hören - abgesehen von dem Einwurf, dass er früher in der Schule freche Antworten gab. Bildungssenator Zöllner verlegte sich angesichts all dessen aufs gequälte Lächeln und brach gegen Ende eine Lanze für das deutsche Schulsystem, das oftmals besser sei als sein Ruf. Inmitten all der romantischen Erziehungsideale der übrigen Gäste ging diese Feststellung jedoch fast unter.

Zum Schluss gelang es dem Talker Reinhold Beckmann beinahe, das Schlusswort in Illners Sendung an sich zu reißen. "Ich begrüße die Debatte, ich bin wirklich glücklich, dass über das Thema gesprochen wird."

Eine Ankündigung, die wie eine Drohung klingt: Womöglich wird uns das Thema in der kommenden Woche in der ARD begegnen.

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(sueddeutsche.de/odg)