Von Julia Bönisch

Dank Turbo-Abitur haben Pubertierende Zehn-Stunden-Tage. "Macht die Schule unsere Kinder kaputt?", fragt deshalb gestern Abend Maybrit Illner - eine Talkrunde zwischen Schulangst und Lehrerhass.

Irgendwo in den Richtlinien für leitende Redakteure des Polit-Talks muss er stehen, dieser Satz über Sendungstitel, Alliterationen und ihre angeblich quotenfördernde Wirkung. Gestern Abend also war der Buchstabe L an der Reihe: "Leistungsdruck und lasche Lehrer: Macht die Schule unsere Kinder kaputt?", fragte Maybrit Illner im ZDF.

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Maybrit Illner (© Foto: dpa)

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Zeitlich und intellektuell überfordert sei unser Nachwuchs, stellte die Moderatorin zu Beginn der Sendung fest. Wo denn die Zeit für muntere Streiche bliebe, fragte Illner - und sofort stellten sich beim Zuschauer Bilder der Lümmel von der ersten Bank Uschi Glas und Hansi Kraus ein, wie sie den Pauker Theo Lingen in die Pfanne hauen.

Bezirksschülersprecherin Judith Bürzle - als "Otto-Normal-Betroffene" auserwählt - rückte das Bild vor unserem geistigen Auge jedoch gleich zurecht. Der Druck steige, für Fußball und Querflötenunterricht sei keine Zeit mehr, Neid auf gute Noten der Mitschüler und Schulangst griffen um sich. Sie forderte eine Ganztagsschule inklusive Entspannung, "Schule als Lebensraum".

Reinhold Beckmann, der in der Runde die Rolle des "Promi-Betroffenen" spielte (schließlich hat der TV-Moderator selbst zwei Kinder), stieg sofort darauf ein: Das habe Judith jetzt so schön auf den Punkt gebracht, "nun können eigentlich alle nach Hause gehen".

Eine charmante Idee. So hätte der Zuschauer entweder schon um halb elf ins Bett gehen oder bei der Konkurrenz noch "Schmidt & Pocher" sehen können. Doch leider talkte Frau Illner einfach weiter, schließlich wollten auch die übrigen Gäste ihren Teil zur Debatte um G 8 und das Turboabitur beisteuern: Neben dem Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), dem Vorsitzenden des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, und dem Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben, der das Kapital zu vertreten hatte, vervollständigten Gerlinde Unverzagt und Anne-Sophie Briest die Runde.

Die Preisfrage der pädagophoben Mutter

Letztere machte mit Hauptrollen in den Filmen "Natalie - Endstation Babystrich", "Natalie - Die Hölle nach dem Babystrich", "Natalie - Babystrich online" und "Natalie - Das Leben nach dem Babystrich" von sich reden. Außerdem zog sie sich mal im Playboy aus. Und, ach ja, Briest gründete Anfang des Jahres eine Vorschule namens "be smart academy", in der Kinder im Vorschulalter zweisprachig erzogen werden. "Wenn man Handel mit Chinesen betreibt, muss man alle Formulare in Englisch ausfüllen, da liegt unser Ansatz", so erklärte sie das pädagogische Konzept.

Gerlinde Unverzagt dagegen verdankt ihre Prominenz einem Werk mit dem konfliktfördernden Titel "Das Lehrerhasserbuch". Darin rechnet die pädagophobe Mutter auf 219 Seiten mit dem kompletten Berufsstand ab. Für die Autorin stand der Abend also doch unter dem Motto "Wir haun die Pauker in die Pfanne": Den Lehrer kennzeichne "mangelnder Respekt vor dem Kind", er schaffe ein Klima "permanenter Demütigungen" und agiere aus dem Streben nach Macht heraus, so ihre Anklage mit Tränen erstickter Stimme.

Sie als Mutter habe keine Lust, ihre Freizeit ständig um die Bedürfnisse der Kinder herum zu planen. "Ich stelle Ihnen jetzt die Preisfrage", so Unverzagt. "Wer muss denn abends und am Wochenende da sitzen und mit den Kindern Vokabeln pauken? Die Eltern!"

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