Raus aus der Krise: In Deutschland wagen wieder mehr Menschen den Schritt in die berufliche Selbständigkeit. Migranten sind als Unternehmer auf dem Vormarsch - und schaffen damit neue Arbeitsplätze.
In Deutschland wagen wieder mehr Männer und Frauen den Sprung in die Selbstständigkeit. Im ersten Halbjahr wurden 157.000 Kleinunternehmen gegründet - 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt mit.
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Vor allem in der Gastronomie wagen Migranten in Deutschland den Schritt in die Selbständigkeit. (© Robert Haas)
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Die Zahl der im Nebenerwerb gegründeten Betriebe stieg um 12,4 Prozent auf 145.000. Dagegen nahm die Zahl der neuen Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung um 0,9 Prozent auf knapp 78.000 ab.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärt den Boom bei den Klein- und Nebenerwerbsbetrieben mit den Nachwehen der Wirtschaftkrise. "Aus Angst vor Arbeitslosigkeit haben viele Bürger eine Existenzgründung gewagt", sagte DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers. Wegen des Aufschwungs und der deutlich gesunkenen Arbeitslosigkeit geht er davon aus, dass der Aufwärtstrend nicht anhalten wird. "Wir rechnen damit, dass die Zahl der Existenzgründungen in diesem Jahr stagnieren oder allenfalls leicht steigen wird", sagte Evers.
Der DIHK befürchtet wegen der schrumpfenden Bevölkerung nicht nur einen Fachkräfte-, sondern auch einen Unternehmermangel. "Wenn sich der Trend der vergangenen Jahre fortschreibt, fehlen 2050 etwa 700.000 Unternehmer", sagte Evers: "Das dämpft Wirtschaftswachstum und Innovationen". Um dem entgegenzuwirken, plädiert der DIHK für eine bessere Förderung von Frauen, Älteren und Migranten.
Bereits jetzt zieht es immer mehr Migranten in Deutschland in die Selbstständigkeit: Nach Angaben des DIHK ließen sich im Vorjahr fast 11.000 potenzielle Unternehmer mit ausländischen Wurzeln bei den regionalen IHK zu ihren Geschäftskonzepten beraten. Zwei Jahre zuvor waren es erst rund 8.300, wie die Berliner Zeitung berichtete. Insgesamt hatten demnach 18 Prozent aller Gründungswilligen, die bei den Kammern vorsprachen, einen Migrationshintergrund. Im Jahr 2007 betrug der Anteil noch 14 Prozent. Migranten schüfen 2010 etwa 150.000 Arbeitsplätze durch Neugründungen.
"Wir brauchen diese Wachstumsimpulse"
DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte der Zeitung, die Erfahrungen der Kammern zeigten, dass "Gründungsinteressierte mit Migrationshintergrund einen bedeutenden Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland leisten" würden. "Wir brauchen künftig noch stärker diese Wachstumsimpulse, um die demografische Herausforderung zu bewältigen." Allein wegen der demografischen Entwicklung werde es 2050 in Deutschland 700.000 Selbstständige weniger geben.
Laut DIHK sind Migranten mit Gründungsvorhaben in allen Branchen präsent. Schwerpunkte seien Handel und Gastronomie. Dort hätten im Vorjahr 24 Prozent der Gründer angekündigt, sich selbstständig machen zu wollen. Unter deutschen Existenzgründern liegt der Anteil bei 21 Prozent. Deutsche potenzielle Gründer bevorzugen Dienstleistungen wie Gebäudebetreuung und IT-Services, der Anteil liege bei 41 Prozent.
Insgesamt wurden im ersten Halbjahr rund 453.000 Gewerbeanmeldungen gezählt. Das waren 5,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Dabei wird nicht nur die Gründung, sondern auch die Verlagerung, Umwandlung oder Übernahme eine Betriebes mitgezählt. Die Zahl der Gewerbeabmeldungen sank um 4,3 Prozent auf rund 356.000.
(sueddeutsche.de/Reuters/AFP/holz)
Gewalt in Syrien
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