Yahoo-Chefin schafft Home-Office ab Mit der Peitsche zurück ins Büro

Zwei Wochen nach der Geburt zurück ins Büro: Yahoo-Chefin Marissa Mayer stellt an sich selbst - und ihre Mitarbeiter - hohe Ansprüche.

(Foto: AP/dpa)

Egal ob am Strand oder am Schreibtisch - die Leute dort herumtüfteln lassen, wo ihnen die besten Ideen kommen. Das gehörte mal zur Firmenphilosophie von Yahoo. Doch jetzt beordert Chefin Marissa Mayer ihre Mitarbeiter zurück ins Büro.

Von Varinia Bernau

Natürlich war sie mit gutem Beispiel vorangegangen, wie es sich für eine Chefin gehört. Gerade mal zwei Wochen Auszeit hatte sich Marissa Mayer nach der Geburt ihres ersten Kindes im vergangenen Herbst gegönnt. Dann war sie zurück im Büro - und begann ihren allerersten Arbeitstag prompt damit, per Twitter zu verkünden, dass sie ihrem einstigen Arbeitgeber Google ein echtes Talent abgeworben hatte.

Nun macht sich die 37-Jährige daran, ihre herumschwirrenden Truppen zur Ordnung zu rufen. Im vergangenen Sommer ist Mayer als Chefin von Yahoo angetreten. Sie soll den wankenden Internetkonzern wieder zurück zum Glanz vergangener Zeiten führen. Da ist ein wenig Disziplin wohl nicht zu viel verlangt.

Also ließ sie ihre Personalchefin per Rundbrief ausrichten, dass man von allen Mitarbeitern im Home-Office erwarte, bis Juni zurück ins Büro zu kommen. "Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit, die nur in unseren Büros möglich ist", heißt es in dem Schreiben. Wem das nicht passe, der solle gehen.

Das Zuckerbrot gab es schon

Klingt ein wenig, als hole Mayer nun die Peitsche raus. Das Zuckerbrot gab es schon, kurz nachdem sie zu Yahoo gekommen war. Damals spendierte sie allen 12.000 Angestellten ein neues iPhone. Es sah aus, als wolle sie das Beste aus der mobilen Arbeitswelt herausholen.

Und nun zurück zur Präsenzpflicht? War es nicht gerade das Anliegen der hippen Start-ups, die Leute dort herumtüfteln zu lassen, wo ihnen eben die besten Ideen in den Kopf kamen? Ganz egal, ob am Strand oder am Schreibtisch.

In dieser Kultur hat Marissa Mayer selbst Karriere gemacht. Kurz vor ihrem Abschluss an der Stanford-Universität fing die Informatikerin Ende der Neunzigerjahre bei Google an. Als Mitarbeiterin Nummer 20. Von ihrem Vorstellungsgespräch ist überliefert, dass sie den schweigsamen Larry Page, den einstigen Gründer und heutigen Chef, zum Schluss gefragt hat: "Kannst du eigentlich sprechen?" Später wurde die beiden ein Paar und blieben es drei Jahre lang.

Ohne Marissa Mayer wäre Google nicht dort, wo der Konzern heute ist: Das schlichte Design der Suchmaschine geht auf sie zurück; den Kartendienst Google Maps hat sie mitentwickelt. Doch irgendwann bekam Mayers Karriere einen Knick - und der Anruf eines Headhunters wohl äußerst gelegen.

Aus manchem Start-up ist in den vergangenen zehn Jahren ein reichlich träger Koloss geworden. Dies erklärt, zumindest in Teilen, den steten Abstieg des Internetpioniers Yahoo. Und so steht der Rückruf ins Büro nur auf den ersten Blick im Widerspruch zu Mayers Versprechen, dem schwerfälligen Konzern wieder die Wendigkeit eines Start-ups zu verleihen. Mayer zieht nun durch, was ihre Vorgänger viel zu lange aufgeschoben haben.

Einkalkulierte Kündigungen

Dem Business Insider zufolge hat sich die Managerin vor allem daran gestört, dass man von vielen Mitarbeitern gar nicht mehr so recht wusste, was sie eigentlich machen - sofern sie überhaupt noch etwas für Yahoo machen. In allen Bereichen gestattete der Internetkonzern seiner Mannschaft bislang große Freiheiten: Unter Entwicklern, Vertrieblern und Marketingleuten wurde das Büro zu Hause eifrig in Anspruch genommen.

Dass nun nicht jeder stempeln gehen will und womöglich seinen Job hinschmeißt, dürfte einkalkuliert sein. Mayer muss ohnehin die Kosten senken. Widerspenstige Charaktere kann sie auch nicht gebrauchen.

Ein schwacher Trost für all jene, die nun in die kalifornische Konzernzentrale zurückkehren: Das Mittagessen ist dort inzwischen kostenlos. Auch dafür hat Mayer als Chefin gesorgt.