Seit vier Jahren leiten Ralph J.Wilms und Shi Jin Bao zusammen Seminare. Sie sind aufeinander eingespielt. Letztlich geht es bei ihnen darum, zwei Welten zusammenzubringen. Wilms erzählt von der Befreiung des Geistes in der Übung der Stille. Shi Jin Bao befreit den Geist durch die Übung der Stille. So holen sie die Leute runter. Erstaunlich schnell. Ganz ohne Höhle. Trotz Seminarraumatmosphäre.

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So viel gleich vorweg: Ein Mitarbeiter verlässt nie eine Firma, er verlässt immer den Vorgesetzten. Und als Vorgesetzter hat man direkten Einfluss auf das Immunsystem der Mitarbeiter. Zustimmendes Gemurmel. Wilms sagt, dass man hier lernen wird, in fünf Minuten aus einem Zustand der Wut in einen Zustand zu kommen, in dem man eine E-Mail schreiben kann, die nicht wie eine Briefbombe einschlägt. Noch zustimmenderes Gemurmel.

Delete - delete

Und dann stellt Wilms ein paar Fragen in den Raum: Wie kann man ein System herunterfahren, das auf Konkurrenz aufgebaut ist? Wie viel freien Willen haben wir? Was ist dran an einem System, das uns schon in der Schule Instinkt und Impuls austreibt? Kann man seine Identität nur auf Arbeit aufbauen? Warum fehlt das vernetzte Denken? Wie entkomme ich meinen Glaubenssätzen, den Beliefs: Ich bin nicht gut genug. Wer es immer wieder denkt, glaubt es irgendwann.

Es ist eigentlich ganz einfach. Der Körper ist die Festplatte. Und die Beliefs sind die Pop-ups, die immer dann aufploppen, wenn man sie am wenigsten brauchen kann. Und Ralph J.Wilms und Shi Yan Bao sind Softwareingenieure für innere Prozesse. Sie wollen das Bewusstsein neu programmieren, sie wollen die negativen Beliefs für immer aus dem System löschen. Delete - delete.

Jetzt löscht erst einmal Shi Jin Bao. Im Mönchsgewand steht er da und versucht den Kursteilnehmern die acht Schätze beizubringen, eine spezielle Unterform des Qi Gong: "Mit beiden Händen den Himmel stützen" - "Den Bogen nach beiden Seiten spannen und auf den Adler zielen" - "Milz und Magen stärken, indem man die Arme einzeln hochhebt" - "Nach hinten schauen und fünf Krankheiten und sieben Leiden vertreiben". Dann gibt es Abendessen, spät und deftig. Milz und Magen zum Trotz.

Die wichtigsten Werkzeuge für Führungskräfte

Früh am nächsten Morgen geht es weiter. Es gibt heißes Wasser mit Honig. Und dann: "Mit dem Kopf nicken, mit dem Steiß wedeln und das Feuer aus dem Herzen vertreiben" - "Hüfte und Nieren stärken, indem man die Füße fasst". Manche fassen erst mal nur die Hüfte, weil die Füße ein bisschen zu weit weg sind. Immer noch Gekicher, aber es wird weniger.

Natürlich kann man sich darüber leicht lustig machen. Mit dem Steiß wedeln. Was soll das? Andererseits kamen sie bei Untersuchungen der Harvard Business School zu dem Ergebnis, dass Meditation und Intuition die beiden wichtigsten Werkzeuge für Führungskräfte im 21.Jahrhundert sind.

Der kaiserliche General Yueh Fei wusste das schon 1120 nach Christus. Er brachte seinen Soldaten die acht Schätze bei - Ba Duan Jin Qi Gong. Weil so ein Krieg Stress pur ist. Und weil es über Sieg und Niederlage entscheiden kann, ob sich Soldaten zwischen den Kämpfen erholen können oder nicht. So viel Entspannung wie möglich, so viel Anspannung wie nötig.

Und ist das nicht auch Krieg, was in den Büros stattfindet? Der tägliche Kampf gegen die Konkurrenz, die eigenen Ansprüche und die rasende Zeit. Wir alle sind Arbeitssoldaten, gestresst, ausgelaugt und fertig. Wo sind die Pausen, die Selbstreinigungsphasen?

Ein paar Chefs schauen jetzt hinaus ins mickrige, eingeklemmte Stadtgrün vor dem Fenster. Dann wedeln sie mit dem Steiß. Falschrum steht keiner mehr.

Mit Ruhe und Gelassenheit

Kurz darauf liegen sie auf dem Boden. Bankvorstände, Firmenchefs, strumpfsockig, die Augen geschlossen. Wilms spricht ruhig hinein in die aus dem Computer plätschernden Mönchsgesänge. Nicht nur Qi Gong sollen die Führungskräfte nutzen, auch andere Methoden.

Die Herz-Kohärenztechnik, mit der man Angst, Depression und Wut kontrollieren kann. Die Sedona-Methode, die Kunst des Loslassens. Oder Tapping, eine Klopftechnik zur Auflösung negativer Glaubenssätze. Wilms macht es vor, dann klopfen sich alle gegenseitig auf die Knie, machen tiefe Atemzüge. Warten.

Schon klar, dass man jetzt nicht zurück in die Firma geht und ein paar Kollegen auf die Knie klopft. Alle hier sind und bleiben Teil einer gehetzten Jagdgesellschaft, noch fühlt sich keiner vom Universum getragen. Aber es wäre ja schon gut, mit Ruhe und Gelassenheit durch die Welt zu gehen - ohne unterzugehen.

Also macht Shi Yan Bao mit Ruhe und Gelassenheit die letzten zwei Übungen der acht Brokate: "Die Fäuste ballen, mit den Augen funkeln und die Qi-Kräfte mehren" - "Den Rücken sieben mal fallen lassen und 100 Krankheiten vertreiben".

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  1. Brennende Manager-Muskeln
  2. Sie lesen jetzt Identität durch Arbeit?
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(SZaW vom 07.11.2009/jobr)