Fall Guttenberg Unterzeichner aus allen denkbaren Fächern

Kreck, der die Initiative Ende vergangener Woche mit sieben gleichgesinnten Gelehrten startete, hatte am Montagnachmittag bereits mehr als tausend Zuschriften. Alle laufen auf seinem E-Mail-Account ein. "Ich lese jede durch, fast alle Absender schließen sich uns an", sagt er. Und selbst die vereinzelten, die sich aus Rücksicht gegenüber der Uni Bayreuth und der Bundeskanzlerin nicht anschließen wollen, hielten Guttenbergs Plagiate für untragbar. Bei vielen Hochschullehrern stellt Kreck fest, dass sich Politikverdrossenheit breitmache.

Die Unterzeichner entstammen allen denkbaren Fächern, Mediziner finden sich ebenso wie Philosophen und Theologen, Philologen ebenso wie Rechts- und Naturwissenschaftler - selbst Direktoren von Max-Planck-Instituten sind darunter. Dies wiederum demonstriert die Wucht der Initiative, die inzwischen gleich einem Kettenbrief multipliziert wird. Er dürfte längst in allen deutschen Fakultäten angelangt sein. Sogar Bayreuther Professoren lassen sich in der Unterstützerliste finden.

Kommt es zum Duell?

Der Bayreuther Rechtsgelehrte Oliver Lepsius, der Nachfolger von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle auf dessen Lehrstuhl, hat sich dieser im deutschen Hochschulbetrieb bislang einzigartigen Aktion nicht angeschlossen. Bereits vor ihrem Bekanntwerden hatte er sich schärfer zur Plagiatsaffäre geäußert und Guttenberg in dieser Zeitung als "Betrüger" bezeichnet.

Spannend ist nun, wie Guttenberg auf diesen Vorwurf reagieren wird. Er steckt in einem Dilemma: Wehrt er sich juristisch, dann kommt es zum Duell vor Gericht, und Guttenberg muss gewärtigen, dass Richter dem Jura-Professor Lepsius recht geben. Der Minister stünde dann offiziell als Betrüger da.

Verzichtet er auf eine Unterlassungsklage und auf eine Anzeige wegen Beleidigung, muss er sich die Frage gefallen lassen, ob er damit nicht indirekt seine Schuld eingesteht und den Vorwurf, er sei ein Betrüger, in Kauf nimmt. Sein Büro teilt mit, der Minister habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen, er wolle "sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter dazu einlassen".