Von Von Petra Steinberger

Harvards Präsident und die Frauen.

Das Protokoll ist da, und der Wille zur Auseinandersetzung ist etwa so groß wie zuvor. Seit Wochen schwelt der Streit um die Bemerkung von Lawrence Summers, dem Präsident der Harvard University, an dem sich inzwischen alle beteiligen: seine Professoren, Studenten, Feministinnen, Genetiker, Soziologen und natürlich die vielen anderen, die schon immer etwas sagen wollten: Wie es denn eigentlich stehe um das Verhältnis der Frau zur Wissenschaft, den exakten, technischen und den Naturwissenschaften, um genau zu sein. Denn man weiß ja, da gibt es einiges Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen, und wir alle wüssten gern, woran das liegt, außerdem würde das endlich erklären, wo Frauen und Männer nun wirklich hingehören in der Welt.

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Das Protokoll der Rede ist also öffentlich, die Lawrence Summers auf einer Wirtschaftskonferenz Anfang des Jahres gehalten hat - und in der er jenen inzwischen berüchtigten Satz geäußert hatte, wonach Frauen die inhärente Befähigung fehle, in den Wissenschaften so erfolgreich wie Männer zu sein. Oder so. Man kannte es ja nur von den Berichten anderer.

Die umstrittene Stelle des Protokolls, das Summers auf beständigen Druck endlich ausgehändigt hat, beantwortet die Frage, woran es nun liege, dass es so wenig Frauen in den Wissenschaften gebe, jedenfalls so: "Meiner Einschätzung nach, um Sie etwas zu provozieren, liegt all dem das - bei weitem - wichtigste Phänomen zugrunde, wonach legitime familiäre Interessen der Menschen mit der gegenwärtigen Forderung der Arbeitgeber nach höchster Anstrengung und höchstem Einsatz zusammenprallen; und im besonderen Fall der Wissenschaft und des Ingenieurswesens gibt es Fragen der inhärenten Veranlagung, besonders der Variabilität dieser Veranlagungen; und diese Betrachtungen werden noch verstärkt durch die in der Tat weniger wichtigen Faktoren der Sozialisierung und anhaltenden Diskriminierung." - Ach so.

Für alle Frauen: Der Mittelteil des Satzes ist der wichtige, der mit den Fragen nach der Veranlagung. Das ganze war eingebettet in viele tausend Wörter, in denen Summers einerseits immer wieder darauf hinwies, dass er sich in seinen Thesen sehr wohl irren könne, und andererseits die geringe Zahl von Frauen mit der geringen Zahl von Katholiken im Investment Banking, den wenigen Weißen in der amerikanischen Basketball-Liga und den wenigen Juden in der Landwirtschaft verglich.

Professoren an die Front

Abgesehen davon, dass man ihm nach diesem Satz eine wahrlich rücksichtslose Behandlung der Sprache vorwerfen kann, hat Lawrence Summers in dieser Rede jenes Alarmsystem aktiviert, mit dem amerikanische Universitäten im Lauf der letzten Jahrzehnte ihr höchstes Gut schützten: die political correctness.

Kaum ein Thema bringt selbst die obskursten Professoren aus noch obskureren Fächern so sehr auf die Palme wie ein Verstoß gegen die "PC" oder, wenn sie auf der anderen Seite stehen, ihre Einforderung. Da kriegen sich Logiker mit Kunsthistorikern in die Wolle und Evolutionsgenetiker mit Soziologen, und das Interessante dabei ist, dass die Fronten keineswegs so verlaufen müssen, wie man das nach den "inhärenten Befähigungen" des jeweiligen Fachbereichs vielleicht vermuten würde. Abgesehen davon ist kaum ein Thema so geeignet wie dieses, um andere, viel tiefer liegende Unzufriedenheiten zu artikulieren.

Denn die Diskussion um Summers' Bemerkung verläuft auf mindestens drei Ebenen, die sich teilweise überschneiden: der Diskussion um die wissenschaftlichen Thesen hinter einer solchen Aussage, der um Sinn und Unsinn der political correctness an sich, und dem in allen, auch in akademischen Professionen gepflegte Ränke- und Intrigenspiel.

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