Wenn Hochschulen mit Firmen kooperieren, kann das den Studenten den Einstieg ins Arbeitsleben erleichtern. Ob die Unabhängigkeit der Lehre gewahrt bleibt, ist allerdings fraglich.

Praktische Erfahrungen sind für viele Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für die Einstellung neuer Mitarbeiter. Je mehr die Bewerber davon schon während ihrer Studienzeit sammeln können, desto besser. Deshalb kann es durchaus von Vorteil sein, wenn eine Hochschule mit einem Unternehmen kooperiert. Die Studenten werden auf die Arbeitswelt vorbereitet und knüpfen Kontakte. Kritiker sehen allerdings die unabhängige Lehre in Gefahr, wenn Firmen ihre Fühler in Richtung Wissenschaft ausstrecken.

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Wenn Hochschulen wie hier in Jena mit Unternehmen kooperieren, kann das Vorteile für die Studenten haben. (© Foto: Jan-Peter Kasper/dpa)

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Inzwischen gibt es ganz unterschiedliche Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. "Das geht von einer sehr losen Zusammenarbeit über einen Studiengangsbeirat bis hin zum dualen Studium", zählt Jan Rathjen von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn auf. Der Vorteil: "Die Qualifikation der Studierenden ist stärker am Arbeitsmarkt orientiert." Die Unabhängigkeit müsse aber sichergestellt werden - ein Instrument dafür sei die offizielle Akkreditierung der Kooperation durch die HRK.

Svenja Hofert, Karrierecoach und Autorin aus Hamburg, sieht das kritischer: "Die Freiheit der Lehre ist zu bezweifeln. Die Unternehmen wollen für ihr Geld auch etwas zu sagen haben." Zudem beteiligten sich oft sehr große Firmen. "Dabei spielen in der Praxis die kleinen und mittelständischen Unternehmen eine größere Rolle." Sind die Inhalte des Studiums nur auf große Unternehmen zugeschnitten, hilft das Bewerbern beim Berufseinstieg wenig.

"Eine neutrale Ausbildung macht in jedem Fall freier für die spätere Berufswahl", sagt Hofert. Gerade bei festen Kooperationen wie dem dualen Studium könne es nach der Ausbildung schwieriger werden, andere Firmen von sich zu überzeugen. "Da kommt dann mit Sicherheit im Bewerbungsgespräch die Frage, warum man vom Unternehmen nicht direkt übernommen wurde." Schwierig ist das besonders dann, wenn der Student noch nicht genau beurteilen kann, wo er später hin will.

Einer, der sich ausführlich mit dem Thema befasst hat, ist Frank Ermert. Er arbeitet an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Forschungstransferstelle der Universität Siegen soll dafür sorgen, die ungleichen Partner zusammenzuführen. "Die Industrie investiert in die Erledigung einer Fragestellung. Die Hochschule versucht, diese zu bearbeiten und eine Lösung zu entwickeln", sagt Ermert. Probleme gebe es bei dieser Zusammenarbeit nur in Hinblick auf das Patentrecht.

Kein Recht auf das Patent

Die Firmen schließen mit den Universitäten für die Projekte einen Vertrag zur Forschung und Entwicklung ab. Die Rechte für die mögliche Erfindung des Studenten werden oft schon durch diesen Vertrag auf das Unternehmen übertragen. "Das Patentrecht für den Studenten wird dadurch oft ausgeschlossen", erklärt Ermert.

Etwa 100 Projekte werden pro Jahr an seiner Uni bearbeitet. Geld spielt dabei eine wichtige Rolle: "Das geht bei 5000 Euro los und kann bei einer Laufzeit von drei Jahren auch bis zu 300.000 Euro einspielen", erzählt Ermert. Für die letztere Summe könnten an der Universität zwei Mitarbeiter finanziert werden - drei Jahre lang. Die Kooperationen haben auch deshalb in den vergangenen Jahren stark zugenommen. "Sie machen schlicht und einfach Umsatz."

Ein großes Plus für Personaler

Für die Unternehmen hingegen sind Kooperationen mit Universitäten oft eine gute Möglichkeit, junge Talente früh zu binden. "Wenn Studierende berufsfertig in die Firmen kommen, ist das für die Personaler ein großes Plus", sagt Jan Rathjen.

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(sueddeutsche.de/dpa/Franziska Fiedler/holz)