Während von allen Seiten Kritik laut wird, steht die Wirtschaft weiterhin zur Studienreform. Allerdings haben zahlreiche Firmen die Vergütung an den neuen Abschluss "angepasst".
Es scheint die große Zeit des Hinterfragens angebrochen zu sein, zehn Jahre nach der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung. Es gebe zwar kein Zurück mehr zum alten System, die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master sei alternativlos, betonen Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), und Bundesbildungsministerin Annette Schavan unisono.
Viele Studenten sind unglücklich mit der Umstellung auf Bachelor und Master. Aber die Zufriedenheit steige, behauptet nun eine neue Studie. (© Foto: AP)
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Doch die Rede ist nun auch ständig von "Fehlern in der Umsetzung" und von notwendigen Korrekturen. Und was sagt die deutsche Wirtschaft dazu, die unter dem Slogan "Bachelor welcome!" die Bologna-Reformen stets gefordert und gefördert hat?
"Wir stehen zu Bologna, bei großen Unternehmen treffen Bachelor-Absolventen kaum auf Vorbehalte, nur im Mittelstand sind die Abschlüsse noch nicht richtig angekommen", behauptet Thomas Sattelberger, Personalchef der Telekom und Vorsitzender eines Arbeitskreises von HRK, Industrie- und Arbeitgeberverbänden.
Die Zufriedenheit der Bachelor-Studenten steige, ebenso die der Arbeitgeber. Sattelberger beruft sich auf eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Demnach beurteilen die Personalchefs der DGFP-Mitgliedsunternehmen die Kompetenzen der Bachelor-Absolventen fast ausnahmslos positiv.
Allerdings: Viele Firmen, die auf die Umstellung der Studiengänge bereits reagiert haben, haben auch ihre Vergütung "angepasst": Bei 52 Prozent der Firmen verdienen Berufseinsteiger mit einem Bachelor weniger als ihre Kollegen mit dem alten Diplom - teils bis zu einem Fünftel des Gehalts. Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft plant für das kommende Jahr eine systematische Analyse, ob und wie Bachelor-Absolventen in deutschen Unternehmen beschäftigt sind. Breit angelegte Studien dazu gibt es bisher nicht.
"Ungeheurer Schub"
Der Bachelor hat laut Telekom-Personalchef Sattelberger einen "ungeheuren Schub" für ein duales, mit Praxisphasen verbundenes Studium gebracht. In seinem Unternehmen zumindest habe es nie das Problem gegeben, dass Bachelor-Absolventen aus solchen dualen Studiengängen nicht qualifiziert genug gewesen wären. Die Studienreform bedeutet für Sattelberger: "Humboldt entmystifizieren und in die Moderne transferieren."
Verbesserungen bei der Umsetzung der Bologna-Reform verlangen aber auch die Unternehmen, denkbar sei etwa ein flexiblerer Umgang mit der Studiendauer, so dass für den Bachelor auch sieben oder acht statt nur sechs Semester vorgesehen sein könnten. Handeln müssten nun die Hochschulen, an denen oft "eine Liebe für den Master und gewisse Herzlosigkeit für den Bachelor" vorherrsche. Ein weiterführender Abschluss sei "nur ein möglicher Weg".
Dennoch gaben in der DGFP-Befragung 53 Prozent der Firmen an, Mitarbeiter mit Bachelor beim Masterstudium finanziell zu unterstützen, weitere 16 Prozent bieten eine Rückkehroption an.
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(SZ vom 13.07.2009/af)
- Sozialpädagogin (Diplom/Bachelor)– IMMA e. V., München
- Diplom-Ingenieur / Master / Bachelor (m/w) - Physikalische Technik/Umwelttechnik– Regierung von Oberbayern, München
- Praktikum im Applications Engineering mit/ohne Bachelor- oder Masterarbeit ab 01.08./01.09.2012– National Instruments Germany GmbH, 80339 München
Debatte über Urheberrecht
Ich weiss zwar nicht wer ihnen was "ermöglicht" hat, aber mir haben jedenfalls keine "kritisch denkenden Menschen und Quersteller" auch nur irgendetwas "ermöglicht". Von daher nehme ich die "Annehmlichkeiten" locker in Anspruch und finde sie koennen sich ihre oberlehrerhaftten und ahistorischen Kommentare im Bezug auf wer mir was angeblich "ermöglicht" hat, sparen.
"Ohne Nörgler, Querdenker und Kritiker hätten Konformisten heute als Traumjob immer noch den Vorarbeiterposten im Kohlebergbau, keine ärtzliche Versorgung und würden ohne jeglichen Komfort aber zufrieden mit 45 sterben."
Es ist mir nicht ganz klar was sie damit genau sagen wollen aber um beim Thema und beim Beispiel zu bleiben, in den USA bspw lag und liegt der Lebensstandard schon lange hoeher als in den allermeisten EU-Staaten. Und das schaffen die USA sogar mit ihren dummen, stromlinienfoermigen Unis voller "Konformisten und Opportunisten". Man fragt sich da nach ihrer Typen-Argumentation doch welcher Typus dann deutsche Unis so bevoelkert.
@johnsonville
ich finde es super wenn sich Konformisten und Opportunisten die Errungenschaften die sich kritisch denkende Menschen und Quersteller mühsam erkämpft haben zu Ihrem eigen Wohl auszunutzen verstehen. Nur finde ich sollten Sie sich dann großspurige Kommentare über diejenigen verkneifen die Ihnen die Annehmlichkeiten des modernen Lebens ermöglicht haben.
Ohne Nörgler, Querdenker und Kritiker hätten Konformisten heute als Traumjob immer noch den Vorarbeiterposten im Kohlebergbau, keine ärtzliche Versorgung und würden ohne jeglichen Komfort aber zufrieden mit 45 sterben.
"Doch sie sind überhaupt nicht repräsentativ für die US-Universitätenlandschaft. Sie sind einzelne Leuchttürme in einem Meer von rußenden Talglichtern."
Ah ja. In jedem Uni-ranking machen US-Unis locker 30 der Top 50 aus - und in den Top 200 rund die Haelfte. Und die "rußenden Talglichter" machen noch jede deutsche Uni mit so ansprechenden Namen wie Ruhr-Universitaet blass. Von den Provinz-Unis und Kleinstadt-FH's in D ganz zu schweigen.
Und das beste, sie verschaffen ihren Absolventen eine Ausbildung die dann auch nachgefragt wird - das schaffen deutsche Unis nur in einigen Bereichen.
"..im Gegensatz zu deutschen Doktoranden die das selbständige Arbeiten bereits im Diplom gelernt haben.''
Wenn man zwischen 5 und 7 Jahre zum Diplom braucht dann kann man das auch erwarten. Was sie nicht verstehen ist dass nicht jeder BWLer ein Wirtschaftswissenschaftler werden will - aber genau dazu bilden die deutschen Unis aus. Wissenschaftliche Arbeit ist toll, aber veile Absolventen und ihre Arbeitgeber wollen keine Wissenschaftler per se sondern gut asugebildete Fachkraefte
"Wissenschaftliche Arbeit und lernen sind kreative Prozesse und lassen sich nicht erzwingen."
Aha. Wie haben sie eigentlich das Abitur geschafft? Und vor allem, wo? In Bremen? Ich bin gespannt wie sie sich wenn sie mal einen richtigen Job in der Wirtschaft kriegen sollten, dort zurechtfinden.
"Müsste ich 45 Stunden pro Woche arbeiten, würde ich vermutlich nur noch die Hälfte schaffen bei geringerer Qualität. Außerdem: Ein ungelernte Halbtagskraft im Einzelhandel verdient mehr Geld als ich! "
Der erste Satz ist mir nicht ganz klar - aber ich nehm mal an sie wollen sagen sie arbeiten weniger als 45 Stunden pro Woche - das erklaert uebrigens teilweise ihr Gehalt - wie schon oben gesagt, teilen sie das ihren Chef mit wenn sie mal in der Wirtschaft taetig sein sollten, das koennte unterhaltsam werden.
"Ein ungelernte Halbtagskraft im Einzelhandel verdient mehr Geld als ich! "
Mei, bei ihrer Arbeitseinstellung kein Wunder - und ausserdem: Haetten's was Gescheites gelernt...
Ich spreche hier nur von der Physik, nicht allgemein!
Ihr Vergleich mit den USA ist verfehlt. Ja, es gibt in den USA die Topunis der Welt. Aber die werden durch Spenden finanziert. Sie sind absolute Elitunis, korrekt. Doch sie sind überhaupt nicht repräsentativ für die US-Universitätenlandschaft. Sie sind einzelne Leuchttürme in einem Meer von rußenden Talglichtern. Genau das also, was man in Deutschland gern hätte: Ein paar Unis zur Elite zu machen und den Rest zur Bedeutungslosigkeit verkommen lassen. Soviel zu den USA.
Ihr zweiter Punkt: Der deutsche und der angelsächsische Bachelor & Master sind nur dem Namen nach gleich. Dahinter verbergen sich zwei völlig verschiedene Dinge. De Facto sind beide Systeme nicht vergleichbar.
Drittens, das Physikdiplom ist nicht nur "angeblich" international im höchsten Maße anerkannt. Ich habe ein Jahr lang in England studiert. Mehrere Professoren dort haben deutsche Diplomabsolventen ausdrücklich für ihr Wissen und ihre Selbständigkeit gelobt. Wörtlich meinten sie, sie würden einen deutschen Absolventen jederzeit mit Kusshand nehmen. Erst kürzlich meinte ein Betreuer an meinem Institut in Deutschland, dass die meisten Ausländer die zur Promotion nach Deutschland kommen erst einmal an die Hand genommen werden müssen, im Gegensatz zu deutschen Doktoranden die das selbständige Arbeiten bereits im Diplom gelernt haben.
Viertens, sicher die Arbeitsbedingungen an den Unis waren nicht optimal. Doch nun sind sie eine Katastrophe! Bachelorstudenten haben doch gar keine Zeit mehr, sich auf irgendetwas zu spezialisieren. Auch die Bachelorarbeit ist vom Zeitumfang her ein Witz und so kurz, dass es eigentlich nur Zeitverschwendung für alle Beteiligten ist.
Fünftens, im wissenschaftlichen Umfeld taugt die Arbeitsatmosphäre der freien Wirtschaft nichts (genau genommen taugt sie nirgendwo). Wissenschaftliche Arbeit und lernen sind kreative Prozesse und lassen sich nicht erzwingen. Müsste ich 45 Stunden pro Woche arbeiten, würde ich vermutlich nur noch die Hälfte schaffen bei geringerer Qualität. Außerdem: Ein ungelernte Halbtagskraft im Einzelhandel verdient mehr Geld als ich!
Der "Bildungskollaps" der der BRD bevorsteht - seltsam dass es in vielen Laendern in denen der Bachelor/Master schon seit langem das Studienmodell darstellt auch die weltbesten Unis stehen (siehe USA, GB, CDN usw). In der BRD dagegen mit ihrem angeblich "international in höchstem Maße anerkannten" Diplom/Staatsexamen/Magister schaffen es selbst die drei sog. Eliteunis nicht immer in die Top 100 der weltbesten Unis. Und das soll nichts mit dem Abschlusssystem zu tun haben? Weil nicht sein kann was nicht sein darf?
"Warum sollte an der Uni/ in der Wissenschaft dieselbe destruktive und arbeitsfeindliche Atmosphäre wie in der freien Wirtschaft herrschen? Warum?"
"Destruktiv und arbeitsfeindlich" ging es wohl eher an der alten deutschen Uni zu - daher auch die Reform. Und die Reform war notwendig um endlich mit einem Studiensystem das in wesentlichen Teilen aus dem 19. Jhdt stammte aufzuraeumen.
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