Ein straffes Programm, aber eine lockere, familiäre Atmosphäre, findet Klein. Auch Uwe Steinhauer, der das Ketteler-Kolleg in Mainz besucht, lobt den Unterricht und ist optimistisch, dass er ein gutes Abitur hinlegen wird. "Das habe ich auch den meist hochmotivierten Lehrern und dem guten Klassenzusammenhalt zu verdanken", sagt der 46-jährige Bäckermeister.

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Der Wille zur Weiterbildung - in Zeiten von Krise und Strukturwandel zeigen ihn besonders viele. Mehr als 20.000 Schüler lernen an Abendgymnasien in Deutschland, davon alleine 7300 in Nordrhein-Westfalen. Baden-Württemberg, Hessen und Bayern liegen in gemessenem Abstand dahinter.

Einst saßen überwiegend Männer in den Klassen, inzwischen holen die Frauen auf. Und: Die Zahl der Schüler aus Einwandererfamilien nimmt stetig zu. Einer von ihnen ist Mohammed Reza Mahboob. Als er 1994 aus Iran nach Regensburg kam, lernte er erst einmal Deutsch.

Fünf Jahre später hatte er den Hauptschulabschluss und einen Ausbildungsvertrag zum Zimmermann in der Tasche und war zufrieden. Aber nicht lange: Mahboob brach die Lehre ab, jobbte ein Jahr lang bei BMW am Fließband, machte sich als Teppichhändler selbständig und putzte nebenbei in einer Autovermietung die Leihwagen.

Bafög zur Unterstützung

"Dabei wurde mir klar: Ich muss etwas ändern", sagt der 27-Jährige. "Ohne richtigen Abschluss kommt man nicht weit. Und finanziell reicht es auch nicht." Inzwischen hat er drei Jahre am Abendgymnasium Regensburg hinter sich, steuert auf die Abi-Prüfungen zu und spielt mit dem Gedanken, Maschinenbau zu studieren.

Das Regensburger Abendgymnasium ist privat, wie fast alle in Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings bekommen staatlich anerkannte Privatschulen Zuschüsse, sodass zum Beispiel für die Abendschüler in Regensburg nur ein Monatsbeitrag von 66 Euro bleibt, den in der Regel die Regierung der Oberpfalz übernimmt. Mahboob jedenfalls hat der Schulbesuch bisher keinen Cent gekostet, seit Beginn des dritten Schuljahres erhält er sogar Bafög.

Ebenso wichtig wie die finanzielle Unterstützung ist für Mahboob der moralische Rückhalt von Familie und Freunden. "Das erste Jahr war hart. Ich kam von der Hauptschule und hatte plötzlich mit Mathe auf Gymnasialniveau und Latein zu tun - das kannte ich ja nur von Asterix und Obelix!" Außerdem arbeitete er anfangs noch im Teppichgeschäft. "Ich bin kurz unter die Dusche und dann weiter zur Schule."

Abrecherquote nicht registriert

Mahboob hat durchgehalten und sich daran gewöhnt, jeden Abend zur Schule zu gehen. Nur den Freitag findet er "schlimm", dann feiern die Freunde, nur er muss am nächsten Morgen auf der Matte stehen: Samstags ist Unterricht von acht bis 13 Uhr.

"Ich habe nie auf einen Lottogewinn gehofft", sagt er, "ich wollte mir selbst etwas erarbeiten." Nicht alle in seiner Klasse waren so ehrgeizig: Von anfangs 38 Schülern sind noch 22 übrig. Die Abbrecherquote an Abendgymnasien wird nicht systematisch erfasst, nach Schätzungen der Schulleiter liegt sie zwischen 25 und 50 Prozent.

Auch Gabi Klein, die mit einem Diakon verheiratet ist, arbeitet motiviert, "aber nicht verbissen", auf ihr Ziel hin: Jura mit Schwerpunkt Kirchenrecht. Schreibt sie gute Noten, wird sie wie in alten Zeiten von ihren Eltern belohnt - mit Zeugnisgeld. Und als sie neulich mal eine Vier in Geschichte schrieb, frotzelten die Kinder: "Mama, du lässt nach!"

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(SZ vom 17./18.04.2010/nog/mel)